Neue Studie belegt: Indische ArbeiterInnen leiden unter katastrophalen Bedingungen in der Schuh- und Lederproduktion

Pressemitteilung

Bonn/Berlin, 05.10.2016 – Löhne weit unter dem Existenzniveau, gravierende Mängel in Sachen Gesundheitsschutz und Sicherheit sowie Diskriminierung und Ausbeutung aufgrund traditioneller Geschlechter- und Kastennormen – die Arbeitsbedingungen in der indischen Schuh- und Lederproduktion sind katastrophal. Das belegt die neue Studie der Kampagne Change Your Shoes, die SÜDWIND und INKOTA heute veröffentlichen. Die Organisationen fordern Markenunternehmen weltweit dazu auf, Profite nicht weiterhin auf Kosten der ArbeiterInnen zu erzielen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Europa.

„Die Beschäftigten der Zulieferfabriken europäischer Marken berichten von Löhnen weit unter existenzsicherndem Niveau, von verpflichtenden Überstunden, unzureichendem Schutz vor Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, Verbot von Gewerkschaften und Diskriminierung sowie Ausbeutung aufgrund traditioneller Geschlechter- und Kastennormen“, erklärt Mitautor Anton Pieper von SÜDWIND. Auf Grundlage einer Befragung von Beschäftigten aus mehreren Schuh- und Lederfabriken in Ambur in Südindien und Agra in Nordindien zeichnet die Studie unter dem Titel „Auf der Stelle (ge)treten“ ein erschreckendes Bild der indischen Schuh- und Lederproduktion.

„Internationale Markenunternehmen, die ihre Waren von indischen Zulieferern produzieren lassen, müssen ihrer Verantwortung endlich gerecht werden“, fordert Lena Janda von INKOTA. „Sie müssen dringend Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, dass sie ihre Profite nicht weiterhin auf Kosten der Menschen erzielen, die am unteren Ende der Wertschöpfungskette stehen“, so Janda weiter.

Die ArbeiterInnen in Indiens Schuh- und Lederindustrie leiden unter den internationalen Marktschwankungen sowie den Auswirkungen einer zunehmenden Liberalisierung. Sie geht einher mit einer schrittweisen Aufweichung der Rechte von ArbeiterInnen, einem Rückgang von Gewerkschaftsaktivitäten und fehlenden Beschäftigungsalternativen.

Indien ist nach China das Land mit der größten Schuhproduktion weltweit. Allein im Jahr 2015 kamen mehr als 2,2 Mrd. Paar Schuhe vom südasiatischen Subkontinent. Die meisten Exporte gehen nach Europa, vor allem nach Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich.
Mehr als eine Million Menschen sind in der indischen Schuhindustrie beschäftigt, in der Lederindustrie insgesamt über 2,5 Millionen. Lederschuhe sind das bei weitem bedeutendste Produkt der indischen Schuhindustrie, sowohl in der Produktion als auch im Export.

Die Befragung wurde vom Change Your Shoes-Partner Society for Labour and Development Ende 2015 durchgeführt.
Studie und FactSheet stehen gedruckt und zum Download (Studie | FactSheet) zur Verfügung.

Kontakt:

Lena Janda, INKOTA-netzwerk, Tel.: 030-420 8202-53, E-Mail: janda@inkota.de

Anton Pieper, SÜDWIND, Tel.: +49 (0)1575-0478929 E-Mail: pieper@suedwind-institut.de

„Change Your Shoes“ ist eine Initiative von 18 Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen, die sich für eine nachhaltige und ethische Schuhlieferkette einsetzen. Indem die Kampagne KonsumentInnen für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert, Lobbyarbeit bei PolitikerInnen und Labelorganisationen leistet und Unternehmen drängt, ihre Sorgfaltspflichten wahrzunehmen, zielt sie darauf ab, soziale und ökologische Bedingungen in der Schuh- und Lederindustrie zu verbessern.

Das Projekt wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt sowie von Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt und von Engagement Global im Auftrag des BMZ. Für den Inhalt sind die Herausgebenden allein verantwortlich.




Wechsel im Vorstand der GLS Bank

Presseinformation

Bochum, 04.10.2016: Im Vorstand der GLS Bank findet ein Wechsel statt: Christina Opitz rückt zum 1. Januar 2017 in den Vorstand auf. Andreas Neukirch, seit 14 Jahren im Vorstand tätig, verlässt zum 31. Dezember 2016 die GLS Bank. „Nach einer äußerst erlebnisreichen Tätigkeit bei der GLS Bank interessieren mich neue Perspektiven“, so Andreas Neukirch.

Der GLS Aufsichtsrat sowie der GLS Vorstand danken ihm ausdrücklich für die sehr gute Zusammenarbeit. In den 14 Jahren seiner Tätigkeit hat er als Steuerungsvorstand maßgeblich dazu beigetragen, dass die GLS Bank sich so erfreulich und dynamisch entwickelt hat und sich den heutigen Anforderungen sehr gut gewappnet sieht.

Christina Opitz (57) verantwortet seit 2008 als Bereichsleiterin das Firmenkundengeschäft und damit einhergehend das starke Wachstum im Kreditgeschäft. Vor ihrer Zeit bei der GLS Bank war sie bei einem anderen Kreditinstitut schon stellvertretendes Vorstandsmitglied. „Ihre Führungsstärke gepaart mit ihren Erfahrungen im Firmenkundengeschäft machen sie zu einer sehr guten Wahl in der Nachfolge von Andreas Neukirch“, so Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Walter.

Mit Christina Opitz gewinnt die GLS Bank, die nunmehr eine Bilanzsumme von 4,5 Milliarden Euro und 206.000 Kundinnen und Kunden aufweist, eine zweite starke Frau in der vierköpfigen Geschäftsleitung. „Ich freue mich im Team mit meinen drei Vorstandskollegen die Herausforderungen der Zukunft zu gestalten. Das, was die GLS Bank für uns und unsere Kundinnen und Kunden besonders macht, gilt es weiter auszubauen“, so Christina Opitz. Thomas Jorberg als Vorstandssprecher, Aysel Osmanoglu und Dirk Kannacher, beide seit 1. Januar 2016 Generalbevollmächtigte und Christina Opitz als neuer Vorstand bilden dieses Team.

Über die GLS Bank
Die GLS Bank bietet ihren Kunden alle Leistungen einer Hausbank, wie sozial-ökologisch sinnvolle Geldanlagen, Girokonto, Sparangebote, Zahlungsverkehr, Finanzierungen und Beteiligungen. Über ihre Partnereinrichtung GLS Treuhand ist auch der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank bietet ihren Kunden an, Mitglied und somit Eigentümer der Bank zu werden. Mit zielgerichtet sozial-ökologischen Investitionen und einer umfassenden Transparenz bietet sie ihren Mitgliedern und Kunden einen dreifachen Gewinn: menschlich, zukunftsweisend, ökonomisch. Christof Lützel
Pressesprecher / Prokurist
Kommunikation und Entwicklung
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Neumarkter Lammsbräu gratuliert zweien ihrer Vertragslandwirte zum 3. Preis beim diesjährigen Ackerwildkraut-Wettbewerb!

Die Förderung von Artenvielfalt (Biodiversität) ist eine Herzensangelegenheit der Neumarkter Lammsbräu. Umso mehr freut sich das Unternehmen, dass mit Erwin Ehemann (Freystadt) und Alfred Steindl (Hohenburg) gestern zwei ihrer Vertragslandwirte mit dem 3. Preis beim diesjährigen Ackerwildkraut-Wettbewerb ausgezeichnet wurden.

Erwin Ehemann ist Bio-Landwirt mit Leib und Seele. Er war Gründungsmitglied der Grünen, 1978 der erste Bio-Bauer im Landkreis Neumarkt, 1981 der
erste Öko-Lieferant der Lammsbräu und 1989 Gründungsmitglied der „Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe“ (EZÖB), die heute den kompletten Rohstoffbedarf für die Lammsbräu-Biere anbaut. Alfred Steindl ist begeisterter Landwirt im Nebenerwerb, 1984 stellte er als einer der ersten in der Amberger Region auf Bio um. Zur EZÖB kam er 2015, als er einen regionalen Abnehmer für sein Getreide suchte.

Susanne Horn, Generalbevollmächtigte, ist stolz darauf, dass 10 der 24 ökologisch wirtschaftenden Wettbewerbsteilnehmer EZÖB-Mitglieder sind: „Wir gratulieren Erwin Ehemann und Alfred Steindl ganz herzlich zu dieser Auszeichnung. Ihr Einsatz für Acker-Rittersporn, Finkensame und andere gefährdete Pflanzenarten ist wirklich sehenswert! Die guten Platzierungen der anderen EZÖB-Bauern belegen, dass sie alle die Artenvielfalt tatkräftig fördern. Auch hieran zeigt sich, wie vielseitig der Nutzen unserer Partnerschaft ist: Faire Verträge mit ökologischen Beratungsangeboten sichern der Brauerei hochqualitative Bio-Rohstoffe, den Bauern ein gutes Auskommen und der Natur und den Menschen mehr Artenvielfalt.“

Katharina Schertler von der Bioland Beratung, die die EZÖB-Landwirte berät, ergänzt: „Die EZÖB-Landwirte sind immer mit Feuereifer dabei, weitere Möglichkeiten für mehr Vielfalt im Rahmen ihrer Höfe zu finden und diese zu nutzen. Wir werden mit unseren gemeinsamen Projekten auch in Zukunft zu noch bunter blühenden Äckern in der Region beitragen.“

Neumarkter Lammsbräu engagiert sich auf vielfältige Weise für Biodiversität:
· Projekt zur Wiederansiedelung von typischen Ackerwildkräutern: Gemeinsam mit den EZÖB-Vertragsbauern betreibt die Brauerei in der Region ein Projekt zur Wiederansiedelung von typischen Ackerwildkräutern, die vom Aussterben bedroht sind.
· Entwicklung von hofindividuellen Kulturlandplänen: Lammsbräu finanziert jährlich zwei Vertragsbauern die Entwicklung von hofindividuellen Kulturlandplänen zur Förderung von Artenvielfalt und Naturschutz.
· Regionale Streuobstwiesen: Der Bio-Pionier setzt sich ein für Pflege und Erhalt der regionalen Streuobstwiesen und spendet die Einnahmen aus den Brauereiführungen (ergänzt um einen Eigenanteil) an den Landschaftspflegeverband Neumarkt und pflegt selbst eine Streuobstwiese.
· Blühstreifen auf den Feldern der EZÖB-Landwirte schaffen direkt auf den Äckern mehr Vielfalt und damit Lebensräume für Pflanzen und Tiere.
· Teilnahme am AöL-Projekt „Firmen fördern Vielfalt“

Bildunterschrift: Lammsbräu-Landwirt Erwin Ehemann zeigt Interessierten regelmäßig die Vielfalt auf seinen Äckern.
Bildquelle: Neumarkter Lammsbräu

Pressemeldung vom BUND Naturschutz in Bayern zum Ackerwildkraut-Wettbewerbs 2016 in der Oberpfalz

Kontakt
Dr. Antonia Green
Thomas Pfaff Kommunikation
Höchlstraße 2
D-81675 München

Fon: +49-89-992496-51
Fax: +49-89-992496-53
green@pfaff-kommunikation.de




Sieger des Ackerwildkraut-Wettbewerbs 2016 in der Oberpfalz geehrt

Preise in den Kategorien ökologische und konventionelle Bewirtschaftung vergeben: die beiden ersten Preisträger stammen aus den Landkreisen Neumarkt und Regensburg

Die Preisträger des Ackerwildkraut-Wettbewerbs stehen fest. Den ersten Preis in der Kategorie Ökologischer Landbau erhielt Josef Hollweck aus Berching im Landkreis Neumarkt. Der Acker beeindruckte mit 75 verschiedenen Arten. Johann Plank aus Duggendorf im Landkreis Regensburg wurde erster Preisträger in der Kategorie konventionelle Bewirtschaftung. Sein Acker bietet immerhin Platz für 54 verschiedene Arten, unter ihnen die seltene Acker-Haftdolde.

Der Ackerwildkraut-Wettbewerb findet 2016 zum zweiten Mal in einem der bayerischen Regierungsbezirke statt, nachdem er 2014 in Unterfranken ausgetragen worden war. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt von Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), BUND Naturschutz (BN), Deutschem Verband für Landschaftspflege(DVL) und den bayerischen Ökolandbauverbänden. Die Regierung der Oberpfalz hat den Wettbewerb finanziell unterstützt.

Insgesamt haben sich 35 Landwirte an dem Wettbewerb beteiligt, elf konventionell und 24 ökologisch wirtschaftende. Die Veranstalter sehen die gute Beteiligung als positives Signal, dass das Thema Ackerwildkräuter und ihre Bedeutung bei den Landwirten angekommen ist. Auch Äcker, die noch nicht über das Vertragsnaturschutzprogramm eine besondere Förderung erhalten, wurden gemeldet.
Bei der Preisverleihung würdigten Regierungsvizepräsident Walter Jonas und Dr. Annette Freibauer, Institutsleiterin der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft die besonderen Verdienste der teilnehmenden Landwirte, die durch ihr Engagement die immer blütenärmer werdende Agrarlandschaft bereichern.
Beate Krettinger, Geschäftsführerin der Landschaftspflegeverbände Bayern und Marion Ruppaner, Agrarreferentin beim BUND Naturschutz Bayern hoben hervor, dass die Landwirte, die ihre Äcker hier noch extensiv bewirtschaften, wertvolle Dienstleistungen für die Biodiversität erbringen, und die Agrarförderung künftig immer stärker in Richtung gesellschaftlicher Leistungen umgebaut werden müsse.
„Wir müssen gemeinsam weiter vorankommen in Sachen Ackerwildkrautschutz, denn inzwischen sind in Deutschland mindestens ein Viertel der etwa 350 zur Ackerbegleitvegetation zählenden Pflanzenarten gefährdet“, so Marion Ruppaner.
„Ackerwildkrautschutz funktioniert nur in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft“, betont Beate Krettinger. „Ohne eine faire Vergütung des zusätzlichen Arbeitsaufwands und des Ertragsausfalls geht es nicht“.
Der Wettbewerb findet mit Unterstützung durch die bayerischen Bio-Verbände statt. „Erstmals wird durch die Differenzierung in einen Bio-Preis die besondere Arbeitsweise der Bio-Betriebe berücksichtigt und es werden die spezifischen Leistungen der Bauern zur Förderung der Artenvielfalt auf dem Acker gezielt anerkannt und honoriert“, so Josef Wetzstein, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ Bayern).
„Das Institut für Agrarökologie der LfL engagiert sich in verschiedenen Projekten zur Wiederansiedlung seltener und gefährdeter Ackerwildkrautarten auf Ökobetrieben. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese Pflanzen zu schützen und vor dem Aussterben zu bewahren“, erläutert die Institutsleiterin Dr. Annette Freibauer.

Für Rückfragen:
Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin, 0911/81878-21
marion.ruppaner@bund-naturschutz.de
Franziska Mayer, LfL, 08161/71-5821 Franziska.Mayer@lfl.bayern.de
Beate Krettinger, Bernd Blümlein, DVL, 0981/4653-3540 krettinger@lpv.de
Katharina Schertler ,Bioland Fachberatung Naturschutz, 0821-34680-121, katharina.schertler@bioland.de

Anlage
Die Teilnehmer des Wettbewerbs und die Ackerwildkräuter
Von den 35 Landwirten stammen zehn aus dem Landkreis Regensburg, acht aus Neumarkt, je fünf aus den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Neustadt an der Waldnaab, vier aus Schwandorf, zwei aus Cham und einer aus dem Landkreis Tirschenreuth.
Auf den 35 Äckern wurden insgesamt 215 verschiedene Pflanzenarten erfasst, 23 davon stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten.

Die Kriterien
Die Äcker wurden in den beiden Kategorien Ökologischer Landbau und Konventionelle Landwirtschaft getrennt bewertet. Als Kriterien wurden die aktuelle Artenzahl, das Vorkommen der Arten nur am Rand oder auch im Feldinneren, die Konkurrenzschwäche der vorkommenden Arten und ihr Gefährdungsstatus herangezogen und dass noch keine anderweitige Anerkennung und Förderung z. B. im Vertragsnaturschutzprogramm vorliegt.

Die Preisträger
Der erste Preis in der Kategorie Ökolandbau ging an Josef Hollweck aus Berching im Landkreis Neumarkt. Auf seinem Acker, der 2016 innerhalb seiner Fruchtfolge brach lag, wurden 75 verschiedene Ackerwildpflanzenarten, wie z. B. Sommer-Adonisröschen, Acker-Rittersporn, Frauenspiegel und Acker-Zahntrost nachgewiesen.
Den ersten Preis in der Kategorie konventionell wirtschaftende Betriebe erhielt Johann Plank aus Duggendorf im Landkreis Regensburg. Der Acker, auf dem Hafer wuchs, bot Platz für 54 verschiedene Arten, unter ihnen die Acker-Haftdolde.
Als ersten Preis erhielten die beiden je einen Gutschein für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 300 €.
Beide Äcker werden im Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) des Bayerischen Umweltministeriums gefördert.
Die beiden zweiten Preise, Gutscheine für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 200 €, gingen an Gerold Hörl aus Auerbach (öko, VNP) und Klaus Gollwitzer aus Waldthurn (konventionell). Im Sechs dritte Preise, Gutscheine für Wellness in der Region von jeweils 50 €, gingen an Erwin Ehemann (Freystadt), Alfred Steindl (Hohenburg), Robert Friedrich (Königstein), Josef Swerbynka (Burglengenfeld), Georg Lehmeier (Parsberg-Hörmannsdorf) und Johannes Bleier (Duggendorf).
Die 15 Gewinner des vierten Preises erhielten jeweils ein Wildkräuter-Kochbuch und die sieben fünften Preise waren Wildkräuter-Bestimmungsbücher.

Weiterführende Informationen:
Der BN hat gemeinsam mit dem Veranstaltern des Wettbewerbs eine Broschüre für Landwirte herausgegeben, wie Ackerwildkräuter gefördert werden können. Beleuchtet werden dort u.a. die Entstehung der Ackerwildkrautflora und ihre wichtige ökologische Funktionen. Die Broschüre bietet auch Tipps, die den Landwirten Mut machen sollen, auf einer kleinen Fläche einfach mal zu schauen, was wächst, wenn „ nicht gespritzt wird“. Herunterladen: http://www.bund-naturschutz.de/themen/landwirtschaft/wettbewerb.html

Weitere Infos:
http://www.lfl.bayern.de/Ackerwildkraut-Wettbewerb
http://www.lpv.de/themen/biologische-vielfalt/artenschutz/ackerwildkraeuter.html




Klimaschutz braucht wirksame Ziele – Naturland fordert erhebliche Nachbesserungen am Klimaschutzplan der Bundesregierung

Pressemitteilung, 30.09.2016

Gräfelfing – Naturland fordert in einer Stellungnahme zum Klimaschutzplan 2050 erhebliche Nachbesserungen am Entwurf der Bundesregierung. „Ohne die Festschreibung wirksamer und verbindlicher Etappenziele zur CO2-Reduktion wird Deutschland die Klimaziele von Paris nicht erreichen können. Die Bundesregierung muss jetzt ihren eigenen Ankündigungen zum Klimaschutz Taten folgen lassen und den Klimaschutzplan 2050 ambitioniert nachbessern“, sagte der Öko-Bauer und Naturland Präsidiumsvorsitzende Hans Hohenester am Freitag in Gräfelfing. Andernfalls drohe der ganze Plan zur Farce zu werden, warnte er.

Anfang September hatte das Bundesumweltministerium den Klimaschutzplan 2050 zur nationalen Umsetzung des Klimaabkommens von Paris vorgelegt. Im Abstimmungsprozesses zwischen Kanzleramt, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium wurde das Papier dann immer weiter zusammengestrichen. So fehlen im fertigen Entwurf wirksame Ziele zur CO2-Reduktion für alle wesentlichen Sektoren, vom Verkehr über die Landwirtschaft bis zum Energiesektor.

Potenzial des Öko-Landbaus für den Klimaschutz nutzen

Dabei ist allein die Landwirtschaft für rund zwölf Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Klimaziele können deshalb nur erreicht werden, wenn die Emissionen aus der Landwirtschaft wie geplant bis 2050 halbiert werden. Doch dafür braucht es einen grundlegenden Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft hin zu mehr Ökologie und Nachhaltigkeit, forderte Hohenester: „Wir müssen mehrere Hebel gleichzeitig bedienen. Die Nutztierhaltung muss an die Fläche angepasst werden, der Konsum tierischer Lebensmittel muss sinken und das Dauergrünland muss geschützt werden“, sagte der Naturland Präsidiumsvorsitzende.

Wie die Landwirtschaft vom Mitverursacher des Klimawandels zu einem entscheidenden Teil der Lösung des Problems werden kann, zeigt seit Jahrzehnten der Öko-Landbau. So können humusreiche Öko-Böden mehr CO2 aufnehmen und speichern als sie abgeben. Durch die Flächenbindung in der Tierhaltung wiederum haben Öko-Betriebe geringere Tierzahlen und einen geringeren Futtermittelbedarf, wodurch die Treibhausgasemissionen – insbesondere der Methan-Ausstoß – deutlich reduziert werden.

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass Umweltministerin Barbara Hendricks die Ausweitung des Öko-Landbaus auf 20 Prozent bis 2030 als Maßnahme gegen den Klimawandel im Klimaschutzplan verankert hat“, betonte Hohenester. Um dieses Ziel zu erreichen, muss allerdings das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) deutlich aufgestockt werden. Darüber hinaus müssen die Forschungsmittel für den Öko-Landbau signifikant erhöht werden, forderte der Naturland Präsidiumsvorsitzende.

Kontakt
Markus Fadl
Pressesprecher

Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
Kleinhaderner Weg 1, 82166 Gräfelfing
Tel. +49 (0) 89 – 89 80 82 31, Mobil: +49 (0) 172 – 65 98 389
www.naturland.de, www.oekobauer-gesucht.de




Welttierschutztag: foodwatch fordert Aus für die „Initiative Tierwohl“ und die Pläne für ein staatliches „Tierwohl“-Siegel

Pressemitteilung

Berlin, 3. Oktober 2016. Anlässlich des Welttierschutztages am Dienstag hat die Verbraucherorganisation foodwatch den Handel aufgefordert, die sogenannte „Initiative Tierwohl“ zu beenden. Außerdem solle Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt seine Pläne für ein staatliches Tierwohl-Siegel aufgeben. Beides ist nach Auffassung von foodwatch eine Scheinlösung, die den Tieren wie auch den Bäuerinnen und Bauern und den Verbraucherinnen und Verbrauchern eher schadet als nutzt.

„Die freiwilligen Initiativen schaffen – wenn überhaupt – nur für einen kleinen Teil der Nutztiere messbar bessere Lebensbedingungen. Angesichts der Epidemie von haltungsbedingten Krankheiten bei hunderttausenden von Tieren ist es geradezu zynisch, den Eindruck zu erwecken, damit würden die haarsträubenden Probleme in der Tierhaltung gelöst. Die Präsentation immer neuer Scheinlösungen führt nur dazu, dass eine ernsthafte Lösung der Probleme gar nicht diskutiert, sondern auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird“, kritisierte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Die „Initiative Tierwohl“, an der sich vor allem die großen Handelskonzerne um Edeka, Lidl, Rewe, Aldi und Metro beteiligen, bezeichnete Wolfschmidt als „schlechten PR-Gag“, mit dem die Unternehmen von ihrer Verantwortung für die inakzeptablen Lebensbedingungen der Nutztiere ablenken wollten. foodwatch kritisierte, dass mit vorwiegend kosmetischen Maßnahmen die Lebensbedingungen für die Tiere nicht substantiell verbessert werden könnten. Den Bäuerinnen und Bauern werde nicht annähernd genügend Geld ausgezahlt, um eine nachweislich tiergerechte Haltung zu erreichen. Stattdessen werde den Verbraucherinnen und Verbrauchern vorgemacht, die Produkte aus den Supermärkten entstammten einer tiergerechten Haltung.

Auch das von der Bundesregierung angekündigte staatliche Tierwohl-Siegel, das allein die Produkte von sich freiwillig beteiligenden Unternehmen tragen würden, bezeichnete Wolfschmidt als inakzeptabel. Die Bundesregierung versuche sich damit um die überfällige Zielvorgabe zu drücken, dass nicht nur für einzelne, sondern für alle Nutztiere tiergerechte Bedingungen durchgesetzt werden müssen. Denn sollten die Kriterien für die Vergabe des Siegels auch noch so gut sein und selbst wenn es Produkte mit dem Siegel auf einen Marktanteil von 20 Prozent brächten, wie derzeit nur Optimisten es für möglich halten, nähme es die Bundesregierung damit in Kauf, dass 80 Prozent der Tiere unter nicht tiergerechten Bedingungen leiden müssen. Auch die von den Grünen ins Gespräch gebrachte, an die bekannten Eier-Stempel angelehnte 0-1-2-3-Kennzeichnung für Fleisch ist aus Sicht von foodwatch verfehlt, weil auch sie weiterhin die Wahl zwischen besseren und schlechteren Haltungsbedingungen lässt und Fragen der Tiergesundheit überhaupt nicht berücksichtigt.

„Wir haben es mit einem System zu tun, bei dem die Handelskonzerne Tierqual einkalkulieren, um billige Rohstoffe zu bekommen. Einem System, das Tierhaltern kaum finanzielle Möglichkeiten gibt, um die notwendigen Verbesserungen konsequent anzugehen“, sagte Matthias Wolfschmidt. „Um das zu ändern, bedarf es keiner Werbegags und Almosen für die Nutztiere, sondern eines Systemwechsels: Unter welchen Umständen Tiere gehalten werden, darf nicht länger vom Wettbewerb und vom Preisdruck des Handels abhängen. Tiergerechtheit muss für alle Nutztiere garantiert sein und die Voraussetzung dafür, dass ein Tierprodukt in den Handel kommen darf.“

In seinem vor zehn Tagen im Verlag S. Fischer erschienenen Buch „Das Schweinesystem – Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden“ zeigt der Veterinärmediziner Matthias Wolfschmidt einen Weg auf, der zu einer flächendeckend tiergerechten Haltung führen kann:

– Eine tiergerechte Haltung muss demnach für alle Nutztiere vorgeschrieben sein.
– Wie viele Tiere an haltungsbedingten Krankheiten leiden, muss für jeden Betrieb erfasst werden; daraus werden verbindliche Zielvorgaben abgeleitet, orientiert an den besten Betrieben der Branche.
– Die formalen Haltungskriterien (Stallgröße, Auslauf, Beschäftigungsmöglichkeiten etc.) müssen es allen Tieren ermöglichen, arteigene Verhaltensweisen so gut wie möglich auszuüben, ohne Verhaltensstörungen zu entwickeln.
– Auf den Markt kommen dürfen nur noch solche Produkte mit tierischen Bestandteilen, die die Tierschutzvorgaben nachweislich einhalten. Die Mehrkosten müssen am Ende wir Verbraucher bezahlen, denn wir schulden den Tieren eine bessere Behandlung.
– Das Konzept muss EU-weit umgesetzt werden, verbunden mit einem Vermarktungsverbot für nicht-tiergerecht erzeugte Lebensmittel aus Drittstaaten. Andernfalls würden europäische Tierhalter verdrängt durch nicht-europäische Konkurrenten, die weiterhin zu schlechteren Standards produzieren – ohne dass für die Tiere etwas erreicht wäre.

In einem 2015 veröffentlichten Gutachten hatte der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium das Ausmaß der Tierschutzprobleme in deutschen Ställen als „aus fachlicher Sicht nicht akzeptabel“ eingestuft. Im Buch „Das Schweinesystem“ weist Matthias Wolfschmidt neben oft unzureichenden Haltungsformen auf das Problem von Produktionskrankheiten hin. Einer Auswertung wissenschaftlicher Studien zufolge müssen Verbraucherinnen und Verbraucher davon ausgehen, dass mindestens jedes vierte Tierprodukt von einem kranken Nutztier stammt. Massenhaft werden die Nutztiere unter den heutigen Marktbedingungen krank und verhaltensgestört gemacht. So werden etwa an Schlachthöfen bei jedem dritten Schwein mehr oder weniger massive Lungenentzündungen, Leber- oder Gelenkschäden festgestellt. Das Fleisch dieser Tiere wird uns als ganz normales ‚gesundes‘ Lebensmittel verkauft. Ähnlich dramatische Verhältnisse beschreiben wissenschaftliche Studien in der Hühnermast, bei Legehennen oder bei Milchkühen.

Matthias Wolfschmidt: „Das Schweinesystem – Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden“. Erschienen am 22. September 2016 im S. Fischer Verlag. 235 Seiten, 18 Euro.

Link:
– Mehr Informationen zu „Das Schweinesystem“: www.fischerverlage.de/buch/das_schweinesystem/9783100025463
– Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium zum Thema Nutztierhaltung (März 2015): www.tinyurl.com/ztc8hwn

Redaktioneller Hinweis:
– Fotos, Grafiken und O-Töne zum Download: www.tierhaltung-downloads.foodwatch.de

Pressekontakt:
foodwatch e.V.
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




foodwatch-Marktcheck: Mehr als jeder dritte Apfelsaft enthält „versteckte Tiere“

Pressemitteilung

– Etwa einer von drei Apfelsäften wird mit tierischer Gelatine geklärt
– Verbraucherinnen und Verbraucher werden darüber im Unklaren gelassen
– foodwatch fordert Kennzeichnungspflicht für tierische Inhalts-, Zusatz- und Hilfsstoffe

Berlin, 29. September 2016. Wer klaren Apfelsaft kauft, kann nicht sicher sein, dass es sich dabei um ein rein pflanzliches Produkt handelt. Bei mehr als jedem dritten Apfelsaft bzw. -nektar (7 von 17) und jeder dritten Apfelschorle (5 von 14) war laut foodwatch-Analyse die Klärung mit tierischer Gelatine nicht ausgeschlossen. Für den Marktcheck hat die Verbraucherorganisation das gesamte Angebot an Hersteller- und Eigenmarken aus drei Filialen von Edeka, Lidl und Rewe berücksichtigt, den drei größten Lebensmitteleinzelhändlern in Deutschland. „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen in Bezug auf Lebensmittel tierischen Ursprungs bewusste Kaufentscheidungen treffen – aus welchem Grund auch immer“, sagte Sophie Unger von foodwatch. „Solange aber auf den Flaschen oder Tetrapaks nicht angegeben werden muss, ob mit tierischer Gelatine geklärt wurde, ist eine informierte Kaufentscheidung nicht möglich.“

Dabei machte es grundsätzlich keinen Unterschied, ob der Saft oder die Schorle von einem Markenhersteller kam oder die Eigenmarke eines Handelskonzerns war: Sowohl der klare Apfelsaft von Albi als auch die Schorlen von Adelholzener, Lichtenauer und Rewes eigene Bioschorle wurden mit Schweine- oder auch Rindergelatine geklärt.

Dass es auch anders geht, zeigen dagegen zum Beispiel Pfanner, Beckers Bester und Valensina. Alle drei Hersteller gaben an, Säfte entweder mechanisch durch Ultrafiltration oder mithilfe pflanzlicher „Gelatine“ zu klären. Adelholzener arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an einem Projekt um zu testen, ob statt tierischer Gelatine künftig Erbsenprotein verwendet werden kann. Im Allgemeinen wird beim so genannten Schönungsprozess naturtrübem Saft Gelatine zugesetzt, die zusammen mit den anhaftenden Trübstoffen anschließend wieder herausgefiltert wird. Im Endprodukt ist die Gelatine nach Herstellerangaben nicht mehr nachweisbar.

„Auch wenn die Gelatine im Endprodukt nicht mehr enthalten ist, werden Verbraucherinnen und Verbraucher in ihrer Erwartung getäuscht“, so Unger. „Denn bei an sich pflanzlichen Produkten – und dazu gehört auch klarer Apfelsaft – geht man selbstverständlich davon aus, dass keine tierischen Inhalts-, Zusatz- oder Hilfsstoffe verwendet wurden. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob diese Säfte zusätzlich als ‚vegetarisch‘ bzw. ‚vegan‘ beworben werden.“

foodwatch fordert daher eine klare und gut lesbare Kennzeichnungspflicht, wenn tierische Substanzen an irgendeiner Stelle im Produktionsprozess verwendet wurden. Gleiches gilt für Aromen tierischen Ursprungs, die zum Beispiel bei einigen Chipssorten verwendet werden, oder für Farbstoffe, die aus Tieren gewonnen werden. Es sei höchste Zeit, diese gesetzlichen Kennzeichnungslücken zu schließen.

Weiterführende Links:
– foodwatch-Marktcheck „Ein Schweinchen namens Saft“: tinyurl.com/Marktcheck-Saft
– Fotos zum Download: www.verbrauchertaeuschung-material.foodwatch.de
– E-Mail-Aktion gegen versteckte Tiere: www.foodwatch.de/aktion-versteckte-tiere

Pressekontakt:
foodwatch e.V.
Sylvie Ahrens
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24

04 76 – 290




BGH lehnt Revision im Prozess um Unilevers Becel pro.activ ab – foodwatch fordert Entzug der Lebensmittelzulassung für cholesterinsenkende Margarine

Pressemitteilung

Karlsruhe/Berlin, 29. September 2016. Der Nahrungsmittelkonzern Unilever darf die bekannten wissenschaftlichen Hinweise auf Risiken seines Cholesterinsenkers Becel pro.activ weiterhin leugnen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, lehnte der Bundesgerichtshof einen Antrag der Verbraucherorganisation foodwatch auf Revision gegen ein entsprechendes Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts ohne Begründung ab (Az BGH VI ZR 528/15). Weil unverändert erhebliche Zweifel an der Sicherheit der Margarine bestehen, forderte foodwatch die Europäische Kommission erneut auf, Becel pro.activ die Zulassung als Lebensmittel zu entziehen.

Der presserechtliche Streit drehte sich um die von Unilever verbreitete Aussage, der zufolge es “aus wissenschaftlicher Sicht … keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen gebe. Tatsächlich legt jedoch eine ganze Reihe von Studien nahe, dass die in hoher Konzentration der Margarine zugesetzten Pflanzensterine das verursachen könnten, was sie eigentlich verhindern sollen: Ablagerungen in den Gefäßen und damit ein erhöhtes Risiko auf Herzkrankheiten. Vor Gericht wurde die Aussage Unilevers jedoch nicht als “Tatsachenbehauptung“, sondern als bloße “Meinungsäußerung“ eingestuft, die einer faktischen Überprüfung nicht standhalten muss.

Da das Presserecht offensichtlich nicht ausreiche, um die Verbraucherinnen und Verbraucher vor gefährlichen Falschaussagen zu schützen, forderte foodwatch erneut ein Eingreifen des Gesetzgebers. “Unilever darf weiterhin die Meinung verbreiten, dass es keinen Hinweis auf Nebenwirkungen von Becel pro.activ gibt, obwohl dies nachweislich falsch ist“, erklärte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. “Die Leidtragenden sind die Verbraucherinnen und Verbraucher: Sie bleiben vor Gesundheitsrisiken ungeschützt und müssen auch noch irreführende Aussagen über die Sicherheit eines zweifelhaften Produkts hinnehmen. Die Europäische Kommission muss Becel pro.activ im Sinne des vorsorgenden Gesundheitsschutzes vom Markt nehmen.“

Fakt ist: Unilever kann weder den gesundheitlichen Nutzen noch die Sicherheit von Becel pro.activ belegen. Die französische Lebensmittelsicherheitsbehörde ANSES betonte 2014, dass jeder Beweis dafür fehle, dass Lebensmittel mit zugesetzten Pflanzensterinen (wie die Unilever-Margarine) tatsächlich Herzkrankheiten vorbeugen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bereits 2008 betont, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit zugesetzten Pflanzensterinen von gesunden Menschen ohne Cholesterinproblem “ausdrücklich vermieden werden sollte“ und dies mit möglichen Gesundheitsrisiken begründet. Dennoch hatte Unilever unter Verwendung von Zitaten eines Wissenschaftlers im Jahr 2011 behauptet, dass es “aus wissenschaftlicher Sicht … keinen Hinweis“ auf Nebenwirkungen gebe.

foodwatch klagte daraufhin unter Berufung auf das Presserecht gegen die weitere Verbreitung dieser Aussage. Am 1. September 2015 wies das Hanseatische Oberlandesgericht die Klage ab (Az 7 U 7/13). Es stufte die Unilever-Aussage – wie im Jahr 2012 das Landgericht Hamburg in erster Instanz – als reine “Meinungsäußerung“ ein und erklärte sie damit für zulässig, ohne sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Gegen diese Entscheidung legte foodwatch beim Bundesgerichtshof Beschwerde ein und beantragte die Zulassung eines Revisionsverfahrens. Nach der Ablehnung des BGH hat nun das Hamburger Urteil Bestand.

Die Europäische Kommission hatte auf Betreiben Unilevers im Jahr 2000 “gelben Streichfetten mit Phytosterinzusatz“ wie Becel pro.activ die Zulassung als sogenanntes “neuartiges Lebensmittel“ (novel food) erteilt und dabei auch auf ihre Sicherheit überprüft. In der europäischen Novel-Food-Verordnung heißt es: Neuartige Lebensmittel “dürfen keine Gefahr für die Verbraucher darstellen“ (EU VO 258/97, Art. 3 Abs. 1). Zum Zeitpunkt der Zulassung lagen die heute bekannten, kritischen Studien allerdings noch gar nicht vor. Das Ergebnis der Sicherheitsprüfung ist 15 Jahre alt und bildet nicht den heutigen Stand der Wissenschaft ab.

Matthias Wolfschmidt von foodwatch: “Falls Nutzen und Sicherheit irgendwann einmal belegt werden können, sollte Unilever für Becel pro.activ eine arzneimittelrechtliche Zulassung beantragen – im für jedermann zugänglichen Supermarktregal hat ein solcher Cholesterinsenker nichts verloren.“

Links:
– Informationen zu Becel pro.activ: tinyurl.com/becelproactiv
– E-Mail-Aktion an Unilever: www.aktion-becel.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:
– Übersicht über die wissenschaftlichen Hinweise zu Nebenwirkungen von Becel pro.activ: tinyurl.com/studien-pflanzensterine
– Fragen & Antworten zu Becel pro.activ und zum Prozess: tinyurl.com/faq-becelproactiv
– Bildmaterial unter www.foodwatch.de/material-abgespeist

Pressekontakt:
foodwatch e.V.
Sylvie Ahrens
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 290




Auch bei Öko-Kaffee gibt es Unterschiede – Naturland zum Welttag des Kaffees am 1. Oktober

Pressemitteilung, 29.09.2016

Gräfelfing – Am 1. Oktober ist Weltkaffeetag. Kaffee ist das mit Abstand meist getrunkene Getränk in Deutschland. Der Pro-Kopf-Konsum lag im vergangenen Jahr bei 162 Litern. Die Verbraucher sind anspruchsvoll was seine Zubereitung betrifft, aber auch ein Blick auf den Anbau lohnt. Kaffee wird auf über zehn Millionen Hektar in 70 Ländern rund um den Globus angebaut, wobei die Anbauweisen sehr verschieden sind. „Naturland-Kaffee wird in standortgerechten Anbausystemen mit Schattenbäumen kultiviert und leistet dadurch einen echten Beitrag für Umwelt und Klima“, betont der Naturland Präsidiumsvorsitzende Hans Hohenester anlässlich des Weltkaffeetages.

Im Wesentlichen wird Kaffee in zwei verschiedenen Anbauverfahren erzeugt, in Monokultur oder als Mischkultur in Agroforstsystemen. Naturland geht im Kaffeeanbau weit über die EU-Öko-Verordnung hinaus und schreibt in seinen Richtlinien standortgerechten Kaffeeanbau in Agroforstsystemen mit Schattenbäumen vor. Dieses besonders nachhaltige Anbausystem geht mit vielen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen einher.

Vielfältige Umweltleistungen und Klimaschutz

Kaffee-Agroforstsysteme erbringen vielfältige Umweltleistungen: Sie schützen den Boden vor Erosion, tragen zum Schutz von Wassereinzugsgebieten bei und dienen als Puffer gegen Klimaextreme. Auch liegen die meisten Kaffeeanbaugebiete in Gebieten mit hoher Artenvielfalt, weshalb ihnen eine überragende Bedeutung für die Erhaltung der Biodiversität zukommt. Viele Studien belegen eine wesentlich höhere Zahl von Tier- und Pflanzenarten in Kaffee-Agroforstsystemen als in Sonnenkaffee-Plantagen.

20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen stammen aus der Vernichtung von Tropenwäldern. Naturnahe Agroforstsysteme mit Kaffee leisten dagegen einen Beitrag zur Erhaltung des tropischen Waldgürtels. Studien belegen zudem, dass ökologische Schattenkaffeepflanzungen mindestens eine Tonne mehr Kohlenstoff pro Hektar binden als Kaffeeplantagen ohne Schattenbäume, weil mehr Biomasse erzeugt wird, die im Boden zu Humus aufgebaut wird. Das entspricht 3,7 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr.

Nachhaltig und multifunktional – ein Plus für die Bauern

Ein diversifiziertes Anbausystem, wie es Naturland Kaffee-Bauern pflegen, ist resilient, das bedeutet, es kann sich besser an Klimaveränderungen anpassen, was zunehmend wichtiger wird. Darüber hinaus bringen die vielen nutzbaren Bäume insbesondere für Kleinbauern auch wirtschaftliche Vorteile. Für die Selbstversorgung ernten sie Bananen, Avocados, Mangos, Heilpflanzen, Brennholz, Bauholz und viele weitere Produkte. Diese zusätzlichen Einkommensquellen tragen zu einer größeren wirtschaftlichen Sicherheit und Unabhängigkeit der Landwirte bei.

Dass nur die Verbindung von Öko und Fair wirklich nachhaltig ist, hat unlängst auch die Stiftung Warentest (05/2016) bestätigt. In einem Vergleich von sechs verschiedenen Zertifizierungen kamen die Prüfer zu dem klaren Urteil: „Den höchsten Standard setzt das Siegel Naturland Fair.“

Pressesprecher
Markus Fadl

Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
Kleinhaderner Weg 1, 82166 Gräfelfing
Tel. +49 (0) 89 – 89 80 82 31, Mobil: +49 (0) 172 – 65 98 389
www.naturland.de, www.oekobauer-gesucht.de




Ecopreneurs for the Climate 2016 in Berlin

Press release
Germany, Berlin | 29.09.2016

In the lead-up to the COP22 Climate Change Summit in Marrakech, Ecopreneurs for the Climate 2016 (#ECO4CLIM16), the 2016 Global Week of Green Business and the Climate Movement, is happening in cities, towns and communities around the world, on the week of October 24-30. ecopreneurs4climate.org

In Berlin, an ECO4CLIM16 event will take place on Tuesday, October 25, 2016, 5 – 9pm, at Betahaus, Prinzessinnenstraße 19-20, 10969 Berlin, in partnership with Unternehmensgrün e.V.

As Marrakech initiates the work to effectively implement the Paris Agreement, via a combination of sustainable innovation and international cooperation; ECO4CLIM16 contributes by empowering ecopreneurs to provide communities with sound business solutions to mitigation and adaptation challenges; and strengthening green economy ecosystems and business networks around them.

• First, the Climate Innovation Lab, where ecopreneurs, green companies, civil society organizations, and other key stakeholders, will come together to identify local climate challenges and outline inspiring sustainable business solutions to address them.
• Second, the Climate Champion Awards, where pre-selected ecopreneurs and green SMEs will pitch their projects, products, or services, to an expert jury and a diverse audience. Prizes include interviews by international media, mentoring by sponsors, and participation in the COP22 Summit for one global winner.

Adding local flavor, the climate innovation lab in Berlin will tackle local challenges such as clean water, a sustainable traffic infrastructure / lifestyle and alike in several workshop sessions, where sustainable organizations will solve real world problems with interdisciplinary participants. The goal is to empower ecopreneurs and scale up green business solutions that tackle climate change.

Building on the event’s energy, ECO4CLIM’s local chapter in Berlin will potentially evolve into a permanent climate innovation lab, where multi-stakeholder co-creation sessions, coupled with online crowdsourcing, will mainstream climate-championing sustainable businesses; and import, export, and replicate high-impact models from across this expanding global climate movement.

To register for the event and participate in the Climate Innovation Labs please click here. To pitch at the Awards to become the Climate Champion, apply here.

For further information, go to the website or contact ECO4CLIM’s climate organizer in Berlin:
Ulrike Hinz
GreenBuzz Berlin e.V.
Co-Founder and Board Member
M: +49 176 3151 2111
E: ulrike.hinz@greenbuzzberlin.de
Organisers Partners