„Aufgeben nicht denkbar“: Mehr als 20 Organisationen fordern für Millionen eingeschlossene Menschen in Syrien freien humanitären Zugang

Aktion vor dem deutschen Bundestag: „Uns sind die Hände gebunden“

Berlin, 9. März 2017. Im Vorfeld des sechsten Jahrestages der Syrienkrise machten heute mehr als 20 deutsche Organisationen darauf aufmerksam, dass in Syrien weiterhin etwa fünf Millionen Menschen in 13 belagerten und schwer erreichbaren Gebieten ausharren. Unter dem Motto „Uns sind die Hände gebunden“ versammelten sich heute mehr als 100 humanitäre Helfer/innen vor dem Bundestag.

„Wir appellieren an die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft, alles dafür zu tun, den humanitären Zugang sicherzustellen und das Völkerrecht zu wahren. Aleppo ist bis heute Inbegriff des Grauens, das Menschen erleben, die ständig beschossen werden und komplett eingeschlossen sind. In Syrien gibt es jedoch insgesamt 13 Orte wie Aleppo“, so die Hilfsorganisationen.

Bei der Aktion standen Mitarbeiter/innen der Hilfsorganisationen nebeneinander, ihre Hände mit rotem Seil verbunden. Gleichzeitig wurden Schlagzeilen von Pressemeldungen und Statements vorgelesen, die die Organisationen in den letzten sechs Jahren Krieg verschickt haben – eine Chronologie des Horrors und der größten humanitären Krise unserer Zeit. „Wir haben über die unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen der Gewalt vielfach informiert. Trotz gebrochener Waffenruhen und vieler Gefahren für unsere lokalen Helfer sichern wir mit Partnern notleidenden Menschen aus allen Regionen Syriens das Überleben. Ein Aufgeben ist für uns nicht denkbar. Wenn es um den humanitären Zugang zu Millionen von Menschen in schwer erreichbaren und belagerten Gebieten geht sind uns jedoch die Hände gebunden“, so die Organisationen.

Marion Lieser, Geschäftsführerin Oxfam Deutschland e.V.: „Die Lage für die Bevölkerung in den eingeschlossenen Gebieten in Syrien ist verzweifelt. Millionen Menschen sind von der Trinkwasserversorgung weitgehend abgeschnitten. Die Kriegsparteien müssen ihre Belagerungen umgehend einstellen und Helfern Zugang zu den umkämpften Gebieten ermöglichen. Gleichzeitig muss es Friedensverhandlungen geben, an denen unabhängige Vertreter der syrischen Zivilgesellschaft aktiv teilhaben, insbesondere auch Frauen. Denn ein Frieden wird nur dann tragen, wenn er den Menschen in Syrien dient.“

Bildmaterial:

Fotos zur Aktion können unter folgendem Link heruntergeladen werden: www.picdrop.de/mikeauerbach/Uns+sind+die+H%C3%A4nde+gebunden

Medienkontakte:

• Oxfam Deutschland, Steffen Küßner, Tel.: 030-45 30 69 710, 0177-8809977, E-Mail: skuessner@oxfam.de
• CARE, Johanna Mitscherlich, mitscherlich@care.de, 0228-9756348 / 0176-70330114
• Deutscher Caritasverband e. V./Caritas international, Marie von Manteuffel, marie.vonmanteuffel@caritas.de, 030 28 444 747 / 0177-2368050
• Johanniter-Auslandshilfe, Sandra Lorenz, sandra.lorenz@johanniter.de, 0172-5638740
• Save the Children, Claudia Kepp, Claudia.Kepp@savethechildren.de, 030-27595979280
• Terre des hommes Deutschland e.V., Wolf Christian Ramm, c.ramm@tdh.de, 0171 6729748
• World Vision, Iris Manner, Iris_Manner@wvi.org, +49 172 916 0878

Liste der teilnehmenden Organisationen:

1. Action Medeor
2. ADRA
3. Aktion Deutschland Hilft
4. arche noVa – Initiative für Menschen in Not
5. Ärzte der Welt
6. AWO International
7. CARE Deutschland-Luxemburg e.V.
8. Deutscher Caritasverband e. V./Caritas international
9. Handicap International
10. Help – Hilfe zur Selbsthilfe
11. International Rescue Committee (IRC) Deutschland
12. Islamic Relief Deutschland e.V.
13. Johanniter-Unfall-Hilfe-e.V.
14. Kindernothilfe e.V.
15. Malteser International
16. Oxfam Deutschland
17. Plan International Deutschland e.V.
18. Save the Children
19. Stiftung Schüler Helfen Leben
20. Terre des hommes
21. VENRO
22. Verband Deutsch-Syrischer Hilfsvereine e.V.
23. World Vision

Oxfam ist eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten im Oxfam-Verbund 19 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 3.500 lokalen Partnern in mehr als 90 Ländern.

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Geberkonferenz in Oslo – Sieben Millionen Menschenleben in Zentralafrika bedroht

Oxfam und Norwegischer Flüchtlingsrat appellieren an Geberländer, ihre Hilfszusagen massiv aufzustocken

Berlin, 23.02.2017. Ohne eine deutliche Aufstockung der humanitären Hilfe bedrohen Hunger und Mangelernährung das Leben von über sieben Millionen Menschen in Zentral- und Westafrika. Davor warnen Oxfam und der Norwegische Flüchtlingsrat im Vorfeld einer Geberkonferenz, die am 24. Februar in Oslo stattfindet. Die Organisationen fordern von Geberländern deutlich mehr Finanzmittel für Nothilfe-Maßnahmen in der Tschadsee-Region.

Ausrichter der Konferenz sind Norwegen, Deutschland, Nigeria und die Vereinen Nationen. Sie veranschlagen eine Summe von 1,5 Milliarden US-Dollar, um die Hungerkrise in den Griff zu bekommen. Im vergangenen Jahr war der entsprechende Hilfsaufruf der Vereinten Nationen mit nur 52 Prozent stark unterfinanziert.

Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, die an der Regierungskonferenz in Oslo und am Forum der Zivilgesellschaft am Tag vorher teilnimmt, erklärt dazu: „Die Gefahr einer Hungersnot ist im Nordosten Nigerias ganz real. Nach Jahren der Gewalt sind Millionen Menschen am Ende ihrer Kräfte. Sie können keine Nahrungsmittel anbauen oder kaufen, sind von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Viele sind bereits gestorben.“

„Humanitäre Hilfe konnte die Lebenssituation vieler Menschen verbessern. Doch ohne zusätzliche Finanzmittel und den dringend nötigen Zugang zu Gebieten, in denen Menschen von Hilfslieferungen abgeschnitten sind, werden Hunger und Mangelernährung zunehmen, was viele Menschen das Leben kosten wird.“

Elf Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen

Ursprung der Krise ist der Konflikt zwischen nigerianischem Staat und der islamistischen Gruppierung Boko Haram. Dieser hat sich in den vergangenen vier Jahren intensiviert und nach Niger, Tschad und Kamerun ausgebreitet. Über 2,6 Millionen Menschen, davon 1,5 Millionen Kinder, sind auf der Flucht, und fast elf Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. In Borno, einem Bundesstaat im Nordosten Nigerias, könnten bis zu 400.000 Menschen Hunger leiden.

Zwar haben die nigerianischen Regierungstruppen Gebiete von Boko Haram zurückerobert, die fragile Sicherheitslage und anhaltende Gewalt in diesen Gebieten behindern Oxfam und andere Hilfsorganisationen jedoch dabei, die notleidenden Menschen zu erreichen. Einige Gebiete sind wegen andauernder Kämpfe oder weil sie von Boko Haram kontrolliert werden noch immer völlig unzugänglich für humanitäre Organisationen.

Menschenrechtsverletzungen halten an

Viele Menschen sind weiterhin Menschenrechtsverletzungen und Bedrohungen ausgesetzt, darunter sexuelle Gewalt, Entführungen, Folter, Mord, Zwangsrekrutierungen und willkürliche Verhaftungen. Im Nordosten Nigerias ist Schätzungen zufolge jede dritte Frau von sexueller Gewalt betroffen.

Militärische und politische Ziele beim Kampf gegen Boko Haram dominieren gegenüber humanitären Zielen. Es hat zu lange gedauert, bis Regierungen, Hilfsorganisationen und Geberländer auf die Krise reagiert haben. Inzwischen ist aber eine große Nothilfeoperation im Gange, durch die viele Menschenleben gerettet werden konnten.

Weiterführende Informationen:

• Die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, Marion Lieser, nimmt am Freitag (24.2.) an der Regierungskonferenz in Oslo sowie am Donnerstag (23.2.) am Forum der Zivilgesellschaft teil. Informationen zur Regierungskonferenz unter http://oslohumanitarianconference2017.org
Interviewanfragen bitte an: Steffen Küßner, 030-453069-710, 0177-8809977, skuessner@oxfam.de

• Am Tag vor der Regierungskonferenz findet ein Forum der Zivilgesellschaft statt. Mehr Informationen unter http://www.oslohumanitariancivilsocietymeeting2017.org

• Aus Anlass der Oslo-Konferenz haben mehrere internationale Hilfsorganisationen in der vergangenen Woche eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht, „Seven Steps to Saving Lives and Assisting People in Nigeria and Lake Chad Basin“. Themen sind: humanitärer Schutz und Zugang zur Zivilbevölkerung; dringender Handlungsbedarf speziell in den Bereichen Ernährungssicherung und Bildung; Koordinierung der Nothilfe vor Ort;Minimalstandards für die Rückkehr von Binnenvertriebenen und Stärkung der lokalen Widerstandsfähigkeit. http://www.oslohumanitariancivilsocietymeeting2017.org/programcivil.cfm

Pressekontakt:

Steffen Küßner, Tel.: 030-45 30 69 710, E-Mail: skuessner@oxfam.de

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In 80 Tagen um die Waldorf-Welt – „Zukunftsblick“ Bulli Tour | Ehemalige Freiwillige besuchen Schulen in ganz Deutschland

Egal ob in Deutschland, Europa oder weltweit – zahlreiche Freiwilligendienstleistende blicken begeistert auf ihr Freiwilligenjahr zurück.
Zukunftsblick ist eine Initiative von den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners, die Schüler*innen inspirieren und über einen möglichen Weg nach der Schule informieren will. Ehemalige Freiwillige, die in Einrichtungen in Deutschland und weltweit tätig waren und nun wieder zurück sind, berichten in Schulen von den Erfahrungen ihres Freiwilligendienstes.
Mit einem VW-Bulli, einem Schatz an Erfahrungen und Bildern sowie einem Moderationskoffer und Infomaterial gehen sie von März bis zu den Sommerferien auf Tour und wollen mit dem „Zukunftsblick“ einen Raum für Oberstufenschüler*innen an ca. 100 schaffen.

Für Schüler*innen ist es heute schwerer denn je zu wissen, wie es nach der Schule weitergehen soll. Zu viele Ansprüche, Karrieretipps und Möglichkeiten versperren den Weg zu sich selbst und der eigenen Berufung. Aufgewachsen in einer auf Perfektion getrimmten Gesellschaft, in der es alles im Überfluss gibt, ist es nicht leicht den Ort zu finden, an dem man wirklich gebraucht werde. „Macht das Sinn?“ ist die alles bestimmende Frage. Neben Infoveranstaltungen und Präsentationen bieten die Ehemaligen auch interaktive Zukunfts-Workshops oder Projekttage an. Die Schüler*innen beschäftigen sich mit der eigenen Biografie und entwicklungspolitischen Themen. Sie erfahren, wo sie als Freiwillige gebraucht werden und wie sie aus einer neuen Perspektive die Welt entdecken können.

Freiwilligendienste sind eine Welt zum Mitgestalten und Zusammenarbeiten. Sie bieten die Chance persönlich zu wachsen und Orientierung bezüglich des Ausbildungs- und Berufswegs zu finden.
Die Initiative Zukunftsblick bringt diese Welt nun in die Schulen.

Ist ihre Schule schon dabei? Melden Sie jetzt Ihr unverbindliches Interesse an: http://freunde-waldorf.de/zukunftsblick
Kontakt Presse:
Christoph Herrmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Freiwilligendienste
Tel.: 0721-354806 140
Fax: 0721-354806 180
E-Mail: c.herrmann@freunde-waldorf.de
Webseite: www.freunde-waldorf.de

Reta Lüscher-Rieger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Freiwilligendienste
Tel.: 0721-354806 183
Fax: 0721-354806 180
E-Mail: r.luescher-rieger @freunde-waldorf.de
Webseite: www.freunde-waldorf.de




So wichtig wie Essen und Trinken – Psychosoziale Hilfe für traumatisierte Kinder

Seit 2011 kommt es in Syrien und den angrenzenden Gebieten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die Opfer dieser Kämpfe sind vor allem die Kinder. Die meisten von ihnen haben Unvorstellbares hinter sich und sind kaum in der Lage, ihre Erlebnisse allein zu verarbeiten. Vor allem die langfristigen Folgen, die sogenannten Traumafolgestörungen, sollten nicht unterschätzt werden. Auch Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand von „Aktion Deutschland Hilft“ bestätigt, dass die Traumata von Betroffenen zeitnah behandelt werden müssen, da man nur so Spätfolgen vorbeugen kann. Die Freunde der Erziehungskunst reisten deshalb 2013 zu einem ersten notfallpädagogischen Einsatz in die Region Kurdistan. Seither fanden bereits zahlreiche Einsätze im Nordirak statt, der zwölfte endete am vergangenen Freitag.

Inzwischen liegt der Fokus vor Ort weniger auf der akuten Krisenintervention, als vielmehr auf der traumapädagogischen Arbeit. Auch andere Hilfsorganisationen beobachten mittlerweile, dass besonders Kinder Anzeichen von posttraumatischen Belastungsstörungen, wie Angstzustände, Aggressivität oder Schlafstörungen zeigen.
In den Child Friendly Spaces und durch die notfallpädagogischen Angebote werden räumlich, sozial und psychologisch sichere Orte geschaffen, in denen sich die Kinder, trotz ihrer Fluchterfahrungen und der existentiellen Nöte, gesund entwickeln können.
Um Sicherheit und Kontinuität im Alltag erfahrbar zu machen, ist es notwendig, auch Lehrer und Eltern in die Arbeit einzubinden. Ihre eigenen Erfahrungen und die schwierigen Lebensumstände in den Lagern machen das oft nicht einfacher. Häufig befindet sich ein Elternteil noch immer in IS-Gefangenschaft; Lehrer sehen sich mit minimalen Raum- und Materialausstattungen sowie überfüllten Klassenzimmern konfrontiert. Viele haben kaum Ressourcen, Kindern die Aufmerksamkeit und Zuwendung zu geben, die diese brauchen um sich von den traumatisierenden Erlebnissen zu erholen. Das Ziel ist es, sie selbst zu stabilisieren und über traumabedingte Verhaltensauffälligkeiten und Bedürfnisse von Kindern fortzubilden. So werden den Kindern Sicherheit und Kontinuität sowie stabile Beziehungen im Alltag vermittelt und sie können psychosozial stabilisiert werden.

In den Flüchtlingscamps werden die Elternberatungen und Lehrerseminare von einem Waldorfpädagogen und einem Arzt durchgeführt. Bereits seit 2015 werden lokale Mitarbeiter kontinuierlich aus- und weitergebildet. Neben der fachlichen Ausbildung wird Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter zunehmend selbstständig in ihrer Arbeit werden -durch die Verwendung ausgewählter Methoden werden sie in Workshops dazu angeregt.

Seit Herbst 2016 werden zudem Seminare für angehende Lehrer an der Universität Dohuk angeboten. Sie werden von einer erfahrenen Traumapädagogin durchgeführt, die praktischen Teile übernehmen die lokalen Pädagogen. Nach dem Einführungsseminar im November wurden nun Prinzipien und Methoden der traumapädagogischen Arbeit vertieft.

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Reta Lüscher-Rieger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik Tel.: 0721-354806 140
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Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 20.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich fast 2.000 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten.

Seit 2006 sind die Freunde der Erziehungskunst im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten sie bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008 und 2013), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Japan (2011) und Kenia (2012 – 2013), Bosnien und Herzegowina (2014), Griechenland (2015), Slowenien (2015), Nepal (2015-2016), Ecuador (2016), Gaza (2009 – 2016), Philippinen (2013-2016), Haiti (2016) und Kurdistan-Irak (seit 2013).




Niger: Ausnahmezustand in Grenzregion zu Nigeria verschärft humanitäre Krise

[PRESSE-INFO]

Oxfam-Bericht beschreibt Auswirkungen auf den Alltag der Menschen

Berlin, 3.2.2017. In der Region Diffa im westafrikanischen Niger droht eine ernste Nahrungsmittelkrise, warnt die internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem aktuellen Bericht. Ein Grund ist die radikalislamische Gruppierung Boko Haram aus Nigeria, die auch auf der anderen Seite der Grenze in Niger operiert. Entscheidend ist jedoch der Ausnahmezustand, den die nigrische Regierung 2015 über die südöstliche Region Diffa verhängt hat. Seitdem sind die Haushaltseinkommen in der Region um bis zu neunzig Prozent eingebrochen.

Markus Nitschke, Referent für Krisen und Konflikte bei Oxfam Deutschland, erklärt: „Der Ausnahmezustand untergräbt die Lebensgrundlage der Menschen in Diffa. Er behindert das Wirtschaftsleben der gesamten Region. Deswegen breitet sich der Hunger immer weiter aus. Viele Menschen sind inzwischen von humanitärer Hilfe abhängig. Andere gehen erhebliche Risiken ein, damit ihre Familien überleben können. Zudem stellen die Menschen, die ihre angestammte Umgebung verlassen mussten, eine zusätzliche Belastung für diejenigen Dörfer dar, in denen sie Zuflucht gefunden haben. Der Preis, den die Bevölkerung für den Kampf gegen Boko Haram zahlt, ist zu hoch. Darum muss die Regierung den Ausnahmezustand lockern: Die Bevölkerung muss wieder in die Lage versetzt werden, ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.“

Grenzüberschreitender Handel kommt zum Erliegen

Der aktuelle Oxfam-Bericht „Red gold and fishing in the Lake Chad Basin“ beschreibt, welche Folgen der Ausnahmezustand auf den Alltag der Menschen in der Region hat: Im Zuge der Notstandsregelung wurden in Diffa Märkte geschlossen, die Fischerei im Tschadsee untersagt und der Nachschub an Düngemitteln und Treibstoff beschränkt. Damit fehlen dringend benötigte Ressourcen für den Anbau von Pfeffer, der wegen seiner wichtigen Rolle für die regionale Exportwirtschaft auch als „rotes Gold“ bezeichnet wird. Der grenzüberschreitende Handel zwischen Niger und Nigeria ist fast völlig zum Erliegen gekommen.

Zugang zu Ackerflächen massiv eingeschränkt

Massiv eingeschränkt wurde auch die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung in Diffa. Familien mussten vorübergehend ihre Dörfer und ihr Ackerland verlassen. Weite Teile der Region wurden militärisches Sperrgebiet, einschließlich des Tschadsees, und sind für die Zivilbevölkerung gesperrt.

Laut einer von Oxfam für den Bericht durchgeführten Umfrage ist der Anteil der Bevölkerung, der vom Pfefferanbau lebt, seit Beginn des Konflikts um 96 Prozent gesunken. Diejenigen, die weiterhin Pfeffer anbauen, können damit heute nur noch gut die Hälfte des Einkommens erwirtschaften, die sie vor dem Konflikt hatten. Kleinbauern und Farmpächter sagten, sie könnten heute im Schnitt nur noch ein Fünftel der Ackerfläche nutzen, die ihnen früher zur Verfügung stand.

Wer trotz Ausnahmezustand und Verbot weiterhin an der Fischerei festhält, muss sich nicht nur vor Boko-Haram-Angriffen fürchten, sondern auch davor, vom Militär aufgegriffen und angeklagt zu werden. Diese Sorge teilen auch viele kleinbäuerliche Produzent/innen, die die Grenze zu Nigeria überqueren, um sich dort Treibstoff und Düngemittel zu beschaffen, was zurzeit illegal ist.

Weiterführende Informationen:

– Link zum Bericht „Red gold and fisching in the Lake Chad Basin“: https://www.oxfam.de/system/files/report-red-gold-fishing-lake-chad-010217-en.pdf
– Der Bericht „Red gold and fishing in the Lake Chad Basin“ basiert auf der umfangreichen Oxfam-Analyse „A Modified Emergency Market Mapping Analysis and Protection Analysis: Smoked fish and dried red pepper income market systems Diffa Region, Eastern Niger“. Diese steht unter folgendem Link zum Download bereit: http://policy-practice.oxfam.org.uk/publications/a-modified-emergency-market-mapping-analysis-and-protection-analysis-smoked-fis-620163

Pressekontakt:

Steffen Küßner, Tel.: 030-45 30 69 710, 0177-8809977, E-Mail: skuessner@oxfam.de

Oxfam ist eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten im Oxfam-Verbund 18 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 3.200 lokalen Partnern in mehr als 90 Ländern.

Mehr unter www.oxfam.de

Oxfam Deutschland e.V.
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Gipfeltreffen in Malta: Kritik der EU an Trump-Dekret gegen Flüchtlinge ist scheinheilig

[PRESSE-INFO]

Oxfam: geplantes EU-Abkommen mit Libyen dient der Abschottung gegen Flüchtlinge, nicht deren Schutz

Berlin, 2. Februar 2017. Als scheinheilig kritisiert die internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam die Reaktion der EU auf den von US-Präsident Trump verhängten Einreisestopp für Zuwanderer und Flüchtlinge. Kanzlerin Merkel und andere europäische Staats- und Regierungschefs haben zwar recht mit ihrer Kritik an dem Erlass. Gleichzeitig jedoch haben sich mehrere EU-Politiker im Vorfeld des informellen EU-Gipfels in Malta für eine engere Kooperation mit Libyen bei der Migrationskontrolle ausgesprochen. Die Pläne stehen bei dem am Freitag stattfindenden Treffen auf der Tagesordnung. Sie laufen auf eine Auslagerung der europäischen Migrationskontrolle in das seit Jahren umkämpfte Land hinaus, in dem Menschenrechtsverletzungen und sogar Mord an Geflüchteten und anderen Migranten an der Tagesordnung sind.

Natalia Alonso, stellvertretende Oxfam-Kampagnenleiterin, kommentiert:

„Jegliche Zusammenarbeit der EU mit Libyen muss die Rechte und die Würde der betroffenen Menschen in den Mittelpunkt stellen. Ein Abkommen, das vor allem der Abwehr von Migranten und Flüchtlingen und nicht ihrem Schutz dient, würde bedeuten, die europäischen Grundwerte über Bord zu werfen.“

„Migranten erleben in Libyen entsetzliche Misshandlungen. Menschen, denen es gelang, dieser Hölle zu entkommen, berichten regelmäßig von traumatisierender Gewalt, die sie dort erfahren haben, einschließlich Hunger, Schläge und Verbrennungen.“

„Sicherlich muss die EU etwas tun, um die schreckliche Situation in Libyen zu verbessern, aber mit dem Ziel, Menschen in Not zu helfen. Doch stattdessen verteilt sie im vom Krieg zerrütteten Libyen hastig Geld an Behörden, ohne dessen Verwendung angemessen zu kontrollieren. Nicht Abschreckung, sondern die Werte Gerechtigkeit und Menschlichkeit sollten die EU-Politik leiten.“

Oxfam fordert von den Staats- und Regierungschefs der EU, ihre Migrationspolitik in einer Form zu gestalten, die die Menschenrechte respektiert und die menschliche Sicherheit in den Mittelpunkt stellt. Die Regierungen müssen Migrant/innen schützen, Flüchtlingen internationalen Schutz gewähren sowie sichere und reguläre Möglichkeiten zur Migration schaffen.

In diesem Sinne muss die EU sicherstellen, dass migrationspolitische Abkommen mit Drittstaaten folgende Punkte berücksichtigen:

Entwicklungshilfegelder sind dazu da, Armut zu bekämpfen. Unter keinen Umständen dürfen sie dazu missbraucht werden, die Mobilität von Migrant/innen zu beschränken, da dies dem Ziel der Armutsbekämpfung zuwiderläuft.
Die Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Grenzsicherung muss gewährleisten, dass die Menschenrechte, die Bewegungsfreiheit von Migranten und die Rechte von Asylbewerbern respektiert werden.
Verlässliche Kontrollmaßnahmen müssen sicherstellen, dass die Umsetzung von Abkommen mit Drittstaaten mit dem Völkerrecht vereinbar ist. Wenn dies nicht möglich ist, darf kein Abkommen abgeschlossen werden.

Weiterführende Informationen:

Oxfam arbeitet in Italien mit Migranten, die von Libyen aus das Mittelmeer überquert haben. Ihre Erfahrungsberichte sind in dem Bericht ‘Hotspots – Rights denied’ (Seiten 31-34) dokumentiert.
Im Vorfeld des EU-Gipfels im Oktober 2016 veröffentlichte Oxfam den Bericht “Causing suffering and problems – Europe’s approach to migration”, der das Versagen der EU-Migrationspolitik beschreibt.

Pressekontakt:

Steffen Küßner, Tel.: 030-45 30 69 710, 0177-8809977, E-Mail: skuessner@oxfam.de

Oxfam ist eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten im Oxfam-Verbund 18 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 3.200 lokalen Partnern in mehr als 90 Ländern.

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Ende der Blade Night: Wird es Europas größte Nacht-Skateveranstaltung nicht mehr geben?

Pressemitteilung

München, 09. Februar 2017
Als „Münchens schönste Stadtrundfahrt“ hat der ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude die Blade Night einst bezeichnet. Alleine war er mit dieser Meinung nie ­– das zeigen Besucherzahlen. Allein im vergangenen Jahr 2016 haben sich 50.000 MünchnerInnen an der Blade Night beteiligt. Neun mal hat sie über das Jahr verteilt stattgefunden, Start- und Zielpunkt war dabei immer die Theresienwiese. Die Strecke führte die TeilnehmerInnen anschließend bis zu 17 Kilometer weit durch München. Die Abendstimmung war es, die dabei immer für eine unvergleichliche Atmosphäre gesorgt hat – und das Gefühl, die Straßen für kurze Zeit zurückzuerobern. Neben dem sportlichen Aspekt, der die MünchnerInnen zusammenführen sollte, ist das die große Botschaft der Blade Night.

Trotzdem wird es die Blade Night bis auf Weiteres nicht mehr geben. Grund sind Finanzierungsprobleme seit der Haupt- und Titelpartner abgesprungen ist. Der Sponsorenvertrag ist zum Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen – einen neuen Hauptpartner hat Green City bislang nicht gefunden. Die Kosten sind allerdings bereits auf das Mindestmaß reduziert, die HelferInnen auf den Blade Nights selbst arbeiten hauptsächlich ehrenamtlich. “Wir bedauern das sehr, denn die Teilnehmerzahlen zeigen, dass die Blade Night für viele Menschen zum Münchner Lebensgefühl gehört”, sagt Martin Glöckner, Geschäftsführer von Green City e.V.
„Mit dem Ende der Blade Night geht ein Aushängeschild Münchens verloren, das als fester Bestandteil des Freizeitangebotes vielfach im Tourismussektor beworben wird.”

Zwei Millionen MünchnerInnen sind bislang bei den Blade Nights durch ihre Stadt gefahren. Erst, wenn Green City einen neuen Sponsor findet, kann die Blade Night wieder ins Münchner Freizeitprogramm aufgenommen werden.

Über Green City e.V.
Green City e.V. ist seit 1990 als Umweltorganisation für ein grüneres München aktiv. 25 MitarbeiterInnen
setzen sich zusammen mit über 1.500 Ehrenamtlichen und Mitgliedern für stadtverträgliche Mobilität, verantwortungsvollen Umgang mit Energie, nachhaltige Stadtgestaltung, und Umweltbildung für alle Altersgruppen ein. 150 Projekte und Veranstaltungen pro Jahr bieten Umweltschutz zum Anfassen und Mitmachen. Weitere Informationen unter www.greencity.de.

Ihre Ansprechpartnerin bei Green City e.V.:
Sonja Kämmler, Kommunikation
Mail: sonja.kaemmler@greencity.de,
Tel: (089) 890 668 -312

Hochaufgelöste Pressefotos können Sie hier herunterladen:
https://goo.gl/HxGUKa




Mehr sichere Orte für traumatisierte Kinder – 12. Notfallpädagogik-Einsatz im Nordirak

Im vergangenen Jahr wurde das Langezeitprojekt im Nordirak in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) weiter ausgebaut. Bereits seit Winter 2013/14 sind die Helfer in der Autonomen Region Kurdistan in Flüchtlingslagern traumapädagogisch aktiv.
In mittlerweile drei Flüchtlingslagern konnten Kinderschutzzentren und Projekte mit jeweils bis zu zehn Kindergruppen implementiert werden. Die täglichen Angebote werden von den fünfundzwanzig lokalen Pädagoginnen und Pädagogen durchgeführt – die meisten von ihnen sind selbst Flüchtlinge und leben in den Lagern. Nach vier Einsätzen in 2016 wird von 20. Januar bis 03. Februar erneut in Team der Notfallpädagogik in die Region Dohuk reisen.

Während dieses Einsatzes werden die lokalen Mitarbeiter, die seit 2015 kontinuierlich ausgebildet werden, weiter geschult. Dieses Mal werden Workshops in Kunst, Musik und Bewegung stattfinden.
Zudem werden erneut Beratungen für die Eltern und Fortbildungen für das Lehrpersonal in den Camps sowie Seminare für die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer an der Universität Dohuk angeboten. In den Vorträgen und Schulungen werden neben einer theoretischen und praktischen Einführung in die Traumapädagogik ebenfalls die psychischen und physischen Aspekte der Gesundheit von Kindern behandelt.
Auch die Lage im nahegelegenen Mossul wird ein Thema bei diesem und den nächsten Einsätzen sein. Mittlerweile sind über 100.000 Menschen auf der Flucht aus der umkämpften und zerstörten Stadt und den umliegenden Dörfern. Insgesamt werden zwischen 700.000 und 1 Mio. Flüchtlinge erwartet. Durch die kontinuierliche Betrachtung und Bewertung der Situation will die Notfallpädagogik in der Lage sein, effektive Hilfe für betroffene Kinder, Schulen und andere Einrichtungen leisten zu können. Gemeinsam mit Vertretern des Erziehungsministeriums und anderen Hilfsorganisationen, die im Bereich Bildung aktiv sind, wird geplant, wie Schulen und das Bildungssystem nach der Vertreibung des IS wieder aufgebaut werden können. Die Berücksichtigung psychologischer Aspekte ist vor dem Hintergrund, dass viele Kinder und Jugendliche Gefangenschaft, Folter und Zwangsrekrutierungen erfahren haben, besonders wichtig.

Bei der Ausbildung der lokalen Teamer spielt das Thema ebenfalls eine Rolle. Die Seminare sind so ausgerichtet, dass die Mitarbeiter bei einem Notfalleinsatz in „Mossul-Lagern“ selbst notfallpädagogisch aktiv werden könnten.

Aufbauend auf der bisherigen Arbeit werden die existierenden Projekte erweitert und so notfall- und traumapädagogische Angebote für noch mehr betroffene Kinder und das Gemeinwesen möglich gemacht. Zudem wird durch die kontinuierliche Netzwerkarbeit und Kooperation mit Einrichtungen und Pädagogen vor Ort lokales Wissen für die Helfer zugänglich.

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IBAN DE06 4306 0967 0800 8007 00
BIC GENODEM1GLS Stichwort „Notfallpädagogik“

Kontakt Presse:
Reta Lüscher-Rieger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik
Tel.: 0721-354806 140
Fax: 0721-354806 180
E-Mail: r.luescher-rieger@freunde-waldorf.de
Webseite: www.freunde-waldorf.de

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 20.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich fast 2.000 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten.

Seit 2006 sind die Freunde der Erziehungskunst im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten sie bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008 und 2013), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Japan (2011) und Kenia (2012 – 2013), Bosnien und Herzegowina (2014), Griechenland (2015), Slowenien (2015), Nepal (2015-2016), Ecuador (2016), Gaza (2009 – 2016), Philippinen (2013-2016), Haiti (2016) und Kurdistan-Irak (seit 2013).




Trump fordert Zivilgesellschaft weltweit heraus

Pressemitteilung Germanwatch

Germanwatch warnt zur Amtseinführung des 45. US-Präsidenten vor Entmutigung: Mit Strategien für Menschenrechte, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit kämpfen

Bonn/Berlin (19. Jan. 2017). Morgen wird Donald Trump offiziell US-Präsident. Aus Sicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch ist dieser Tag auch eine Zäsur für die Zivilgesellschaft weltweit, die diese Herausforderung annehmen müsse. „Donald Trump steht für ein Programm, das zum Scheitern verurteilt ist. Globale Probleme lassen sich nicht durch Nationalismus eindämmen. Die globale Klimakrise kann man nicht einfach wegwünschen, Menschenrechte und Rechtsstaat – die Grundlagen für ein zivilisiertes Zusammenleben – nicht verächtlich machen“, betont Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch. „Wir brauchen eine Transformation und ein Zusammenwirken auf allen Ebenen, damit endlich gegenüber einer entfesselten Globalisierung von Wirtschaft und Finanzmärkten die politische Handlungsmacht die Oberhand gewinnt. Es geht darum, die Kluft zwischen Arm und Reich abzubauen, die globale Klimakrise einzudämmen und die Menschenrechte zu stärken. Es ist Zeit für die Zivilgesellschaft aufzustehen, damit die kurzsichtige Gegentransformation, für die Politiker wie Trump, Le Pen oder auch Frauke Petry stehen, im Sande verläuft.“

‚Keinen zurück lassen‘ („leave no one behind“) – der Leitgedanke der 2015 verabschiedeten UN-Agenda 2030 mit ihren globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung – könnte der Slogan einer solchen inklusiven Transformation sein. Diese bezieht jeden Menschen auf dem Planeten und die ökologische Mitwelt mit ein. Klaus Milke: „Es geht um Kooperation – nicht um America first, nicht um Russland zuerst oder Deutschland zuerst. Wir brauchen Konzepte gegen Armut und Ausgrenzung und für gesellschaftliche Teilhabe. Wenn arme Menschen hier gegen noch ärmere anderswo ausgespielt werden, verschlimmert dies die Probleme für alle. Mit Respekt und Wertschätzung, nicht mit Hass und Häme, bringen wir Lösungen voran.“

Germanwatch werde mit Strategie und Empathie – nicht mit Hysterie und Depression – auf die aktuellen Entwicklungen reagieren. „Wer die Kluft zwischen Arm und Reich nicht entschieden angeht, wer die Grenzen des Planeten ignoriert, wer Menschenwürde und Menschenrechte als Spielregeln für eine pluralistische Weltgesellschaft an die Seite schiebt, der fordert die Grundlagen der Zivilgesellschaft heraus. Wir müssen darauf entschieden und strategisch klug reagieren“, so Milke.

Kontakt für Medien:

Stefan Küper
Pressesprecher Germanwatch
(Kontakt s.u., am Vormittag per Handy/e-mail)

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Stefan Küper
Pressesprecher

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Das „Wunder von José“ kann wieder sprechen – Abschluss des Notfallpädagogischen Langzeit-Projekts auf den Philippinen

Dort wo 2013 Taifun „Haiyan“ auf dem Inselstaat die schlimmsten Schäden anrichtete, bauten die „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ drei „Child Friendly Spaces“ auf. Hier finden seitdem tägliche notfallpädagogische Angebote für ca. 200 Kinder statt. Kinder, denen der Sturm Geschwister oder Elternteile genommen hat oder die unter den schrecklichen Erlebnissen der Zerstörung gelitten haben. In mehreren Folge-Einsätzen wurden Mitarbeiter vor Ort in den Methoden der Notfallpädagogik aus- und weitergebildet.
Der im Dezember stattfindende, sechste Einsatz bildete nun den Abschluss und die Übergabe des Projekts in die Hände der lokalen Fachkräfte.

Es ist viel geleistet worden, in den letzten drei Jahren und den Kindern geht es heute viel besser. Am deutlichsten wird das wohl am sogenannten „Wunder von St. José“. Ein damals etwa dreijähriges Kind, dessen Eltern nicht überlebten. Erst Tage nach dem Sturm wurde es in den Schlammmassen gefunden und konnte wie durch ein Wunder lebend geborgen werden. Es forderte die ganze Aufmerksamkeit der Helfer, schrie mitunter die ganze Zeit. Und trotzdem ließ es niemanden an sich heran, sprach nicht, interagierte nicht. Ganz anderS jetzt. Es ist zwar ein zurückhaltendes, ruhiges Kind, ist aber mit strahlenden Augen bei den Spielen und Aktionen dabei. Und seit wenigen Monaten spricht es sogar wieder!
Erlebnisse wie dieses zeigen immer wieder, wie wertvoll und heilend die Notfallpädagogik sein kann und wie wichtig die kontinuierliche Unterstützung ist, die regelmäßige und nachhaltige Angebote für die betroffenen Kinder ermöglicht.

Fährt man nun durch Tacloban, eine Stadt, die besonders hart vom Taifun getroffen wurde, zeigt sich: Es ist wieder „Normalität“ eingekehrt. Die Häuser stehen wieder, die Wellblechhütten auch, das Leben geht seinen gewohnten Gang. Ein „Notfall“ besteht hier nicht mehr.
Die „Child Friendly Spaces“ sind schöne, ästhetische und gepflegte Plätze. Alles ist gut organisiert und läuft reibungslos. Die enge Beziehung zwischen den Kinder und ihren Bezugspersonen ist in allem sichtbar. Und so konnte das Projekt von den Notfallpädagogen mit dem besten Gefühl und der Gewissheit, es in gute Hände zu übergeben, abgeschlossen werden.

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Kontakt Presse:
Reta Lüscher-Rieger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik Tel.: 0721-354806 140
Fax: 0721-354806 180 E-Mail: r.luescher-rieger@freunde-waldorf.de Webseite: www.freunde-waldorf.de
Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 20.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich fast 2.000 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten.
Seit 2006 sind die Freunde der Erziehungskunst im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten sie bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008 und 2013), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Japan (2011) und Kenia (2012 – 2013), Bosnien und Herzegowina (2014), Griechenland (2015), Slowenien (2015), Nepal (2015-2016), Ecuador (2016), Gaza (2009 – 2016), Philippinen (2013-2016), Haiti (2016) und Kurdistan-Irak (seit 2013).