Laut Behörde: Diese Adventskalender sind mit gefährlichen Mineralölen belastet – Netto Marken-Discount zieht gegen bayerisches Landesamt vor Gericht

Pressemitteilung

– Nach foodwatch-Antrag: Bayerisches Gesundheitsamt nennt Namen der Produkte

– Kritik an Versäumnissen von Verbraucherministerin Ulrike Scharf

– foodwatch fordert Informationspflicht für Behörden bei Gesundheitsrisiken

Berlin, 17. Dezember 2015. Nur acht Tage vor Weihnachten hat die bayerische Lebensmittelbehörde am späten Mittwoch Nachmittag die Namen der nach eigenen Angaben mit gefährlichen Mineralölen verunreinigten Schokoladen-Adventskalender herausgegeben und damit einem Antrag der Verbraucherorganisation foodwatch stattgegeben. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hatte die Produkte bereits im November untersucht, die Namen jedoch unter Verschluss gehalten und auch den Verkauf der laut LGL belasteten Kalender nicht gestoppt. foodwatch warf dem Landesamt und der bayerischen Verbraucherministerin Ulrike Scharf eine verfehlte Gesundheits- und Informationspolitik vor.

Aromatische Mineralöle, die als potenziell krebserregend und erbgutverändernd gelten, wurden nach Angaben des LGL in der Schokolade der folgenden Adventskalender nachgewiesen (Angabe in Klammern: Hersteller bzw. hergestellt für):

– Adventskalender „Tischkalender zum Aufstellen“ (Feodora, Bremen)

– Adventskalender „Santa“s Schlitten“ (Frankenwald Confiserie Bauer, Ludwigsstadt)

– Adventskalender „Für große Kinder“ (Frankenwald Confiserie Bauer, Ludwigsstadt)

– Adventskalender „Goldora“ (Windel GmbH & Co. KG, Osnabrück)

foodwatch vorliegenden Unterlagen des LGL zufolge hat die Behörde auch in diesem Kalender aromatische Mineralöle gefunden:

– Adventskalender „Santa Claus In Town“ (Netto Marken-Discount)

Weil Netto Marken-Discount auf dem Gerichtsweg versucht hat, eine Herausgabe dieser Information durch das LGL zu verhindern, konnte die Behörde selbst diese Angabe bislang nicht herausgeben. Da foodwatch dem Gerichtsverfahren jedoch beigeladen ist, erhielt die Verbraucherorganisation Kopien der Schriftsätze, aus denen das betroffene Produkt hervorgeht, und machte diese gesundheitsrelevante Information ebenfalls öffentlich.

Die Adventskalender wurden teilweise offenbar auch über Bayern hinaus verkauft. Nähere Angaben dazu liegen foodwatch jedoch nicht vor.

„Bereits Ende November hätten die Behörden in Bayern den Verkauf der Kalender stoppen und die Öffentlichkeit informieren können“, kritisierte foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Stattdessen lehnten sie die Nennung der Produktnamen zunächst ab, um sie später nach förmlichem Antrag und nach einer Anhörung der Unternehmen dann doch herauszugeben – wenige Tage vor Weihnachten, wenn ein Großteil der Schokolade bereits verzehrt ist. Ministerin Scharf hat zu verantworten, dass zahlreichen Kindern völlig unnötige und vermeidbare Gesundheitsrisiken zugemutet wurden.“

Im Bescheid des LGL heißt es: „…das Vorhandensein auch nur von geringen Bestandteilen einer potentiell krebserregenden Substanz […] unterliegt einem besonderen Informationsinteresse“. Umso mehr steht die Frage im Raum, weshalb Behörde und bayerisches Ministerium nicht sofort nach Vorlage der Messwerte aktiv über die Testergebnisse informiert haben. Der Fall zeigt aus Sicht von foodwatch, dass selbst bei Gesundheitsrisiken eine ausreichende Informationspolitik der Behörden nicht sichergestellt ist. Die Verbraucherorganisation kritisierte, dass eine Informationspflicht für die Lebensmittelbehörden fehle, und forderte Bundesernährungsminister Christian Schmidt zu einer gesetzlichen Klarstellung auf. „Bei Gesundheitsrisiken darf es keine Ermessensspielräume mehr geben: Wenn eine Behörde etwas weiß, dann muss sie auch informieren“, so foodwatch-Sprecher Martin Rücker.

Das LGL hatte eigenen Angaben zufolge im November elf Adventskalender analysiert. Über die Untersuchung hatte die Behörde am 1. Dezember auf ihrer Internetseite berichtet, ohne dabei Messdaten und ohne die Namen der getesteten Produkte zu nennen. Die laut LGL belasteten Kalender blieben also nicht nur im Verkauf, den Verbraucherinnen und Verbrauchern wurde zudem vorenthalten, um welche Kalender es sich handelt. Eine Anfrage von foodwatch nach Nennung der Namen ließen sowohl die Pressestelle des LGL als auch die des Verbraucherschutzministeriums zunächst unbeantwortet. Am Donnerstag der vergangenen Woche startete foodwatch daraufhin eine E-Mail-Aktion, über die in kurzer Zeit mehr als 17.000 Menschen Ministerin Ulrike Scharf aufforderten, die Namen öffentlich zu machen. Schließlich stellte foodwatch zusätzlich einen förmlichen Eil-Antrag unter Berufung auf das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). Das LGL gab dem Antrag statt und setzte in einem „Eilverfahren“ immerhin auch die für solche Fälle üblicherweise geltenden Auskunftsfristen von zwei Monaten außer Kraft, die zu einer Veröffentlichung der Angaben frühestens im Februar 2016 geführt hätten. Zunächst jedoch bat die Behörde, wie beim VIG üblich, die betroffenen Unternehmen um Stellungnahme, wodurch eine Information der Öffentlichkeit weitere Tage nach hinten geschoben wurde. Am gestrigen Mittwoch schließlich übersandte das LGL die Namen der Produkte an foodwatch und folgte auch der Bitte der Verbraucherorganisation, die Angaben auf der eigenen Internetseite öffentlich zu machen.

„Dieses Hin und Her und all die formalen Verzögerungen waren komplett unnötig. Das Lebensmittelrecht gibt den Behörden die Möglichkeit, bei Gesundheitsrisiken sofort zu handeln und sofort zu informieren – es verpflichtet sie aber nicht dazu. Der Schildbürgerstreich rund um die Adventskalender zeigt, dass sich dies dringend ändern muss“, so foodwatch-Sprecher Martin Rücker.

Link:

E-Mail-Aktion für einen besseren Schutz vor Mineralöl in Lebensmitteln www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Quellen und weiterführende Informationen:

– Auskunft zu den laut LGL belasteten Kalendern einschließlich der Messwerte: www.tinyurl.com/auskunft-lgl

– Information zum Adventskalender von Netto Marken-Discount aus den Schriftsätzen zum Gerichtsverfahren: www.tinyurl.com/gericht-netto

– LGL Bayern zur Adventskalender-Untersuchung: www.tinyurl.com/advent-bayern

– LGL-Bescheid vom 14.12.: www.tinyurl.com/bescheid-lgl

– Erste foodwatch-Anfrage an das LGL und das bayerische Staatsministerium (9.12.): www.tinyurl.com/anfrage-bayern

– Förmlicher VIG-Antrag von foodwatch an das LGL (11.12.): www.tinyurl.com/vig-antrag-lgl

– LGL-Antwort auf den foodwatch-Antrag nach VIG (11.12.): www.tinyurl.com/antwort1-lgl

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

Pressekontakt:
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Behörde prüft „im Eilverfahren“ Nennung mineralölbelasteter Adventskalender – foodwatch wirft Bayerischer Verbraucherschutzministerin verfehlte Informationspolitik vor

Pressemitteilung

Berlin, 14. Dezember 2015. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) prüft nun doch eine kurzfristige Nennung der mit gefährlichen Mineralölen belasteten Schokoladen-Adventskalender. Zuvor hatte foodwatch die Veröffentlichung der bislang zurückgehaltenen Informationen beantragt. „Wir werden das Verfahren als Eilverfahren führen“, teilte das LGL mit. Allerdings sei es „frühestens am Mittwoch, den 16.12.2015, möglich“, die Informationen herauszugeben. Zunächst seien die betroffenen Unternehmen zur Anhörung angefragt worden. Dieser formale Schritt ist nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erforderlich, auf das sich die Verbraucherorganisation behelfsweise bei ihrem Auskunftsantrag berufen hatte. foodwatch kritisierte jedoch, dass Bayern die gesundheitsrelevanten Informationen ohne Antrag längst von sich aus hätte publik machen können – ohne Anhörung der Unternehmen und damit sehr viel schneller.

„Es ist ein Schildbürgerstreich, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Die Verantwortung für diese verfehlte Politik trägt die bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf“, kritisierte foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Erst weisen die Behörden Mineralölbelastungen in Adventskalendern nach, lassen die Produkte aber einfach im Handel und muten zahlreichen Kindern vermeidbare gesundheitliche Risiken zu. Dann hält Bayern die Namen der betroffenen Produkte geheim, obwohl das Lebensmittelrecht den Behörden die Möglichkeit einräumt, diese sofort und ohne Antrag publik zu machen. Jetzt wird die Veröffentlichung der Namen zwar geprüft, aber nur nach einem förmlichen Antragsverfahren, so dass noch mehr Zeit verloren geht. Am Ende wird, vielleicht, wenn die betroffenen Unternehmen nichts dagegen haben, doch noch eine Information erfolgen – dann, wenn die belastete Schokolade fast vollständig verzehrt ist.“

Das LGL hatte eigenen Angaben zufolge im November elf Adventskalender analysiert und in fünf Schokoladen so genannte aromatische Mineralöle (MOAH) gefunden. Über die Untersuchung hatte das LGL am 1. Dezember auf seiner Internetseite berichtet, ohne dabei Messdaten und ohne die Namen der getesteten bzw. belasteten Produkte zu nennen. Die Kalender blieben also nicht nur im Verkauf – in Bayern, aber offenbar auch darüber hinaus -, den Verbraucherinnen und Verbrauchern wurde zudem jede konkrete Information vorenthalten.

Auch wenn es für aromatische Mineralöle bislang keine gesetzlichen Grenzwerte gibt, haben die Behörden im eigenen Ermessen die Möglichkeit, belastete Produkte aus dem Handel zu nehmen und öffentlich über die Belastung zu informieren. Im aktuellen Falle wäre dies nach Auffassung von foodwatch dringend geboten gewesen. Das LGL selbst bewertet aromatische Mineralöle als „besonders bedenklich, da hier potentiell krebserregende Substanzen enthalten sein können“, und betont: „Der Übergang auf Lebensmittel ist daher vor allem bei dieser Fraktion unerwünscht.“ Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA bezeichnet MOAH zudem als potenziell erbgutverändernd. Wegen dieser Risikobewertung gibt es für aromatische Mineralöle keine unbedenklichen Schwellenwerte – ein Risiko besteht, sobald die Substanzen in Lebensmitteln nachgewiesen wurden.

foodwatch hatte die bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf Ende der vergangenen Woche aufgefordert, die Namen der belasteten Adventskalender öffentlich zu machen. Eine entsprechende E-Mail-Aktion unter www.adventskalender.foodwatch.de unterzeichneten seither bereits mehr als 16.000 Menschen. Doch anstatt die Möglichkeit einer aktiven Informationspolitik nach dem Lebensmittelrecht (§ 40 LFGB) zu nutzen, verwies das LGL gegenüber Medien auf das Verbraucherinformationsgesetz (VIG), in dem geregelt ist, welche Informationen auf Antrag veröffentlicht werden müssen. Das VIG sieht dafür jedoch langwierige formale Abläufe vor – unter anderem die Anhörung der betroffenen Unternehmen. Die üblichen Fristen von zwei Monaten für einen solchen Fall hat das LGL durch die Ankündigung eines „Eilverfahrens“ nun immerhin außer Kraft gesetzt. Bei einer aktiven Information unabhängig von einem Antrag wären die Behörden jedoch weder an Fristen noch an eine Anhörung der Unternehmen gebunden gewesen.

Aus Sicht von foodwatch zeigt die Posse um die belasteten Adventskalender die Notwendigkeit einer klaren gesetzlichen Regelung auf Bundesebene. Sprecher Martin Rücker: „Solange die Behörden Ermessensspielräume haben, wird zu oft wirtschaftlichen Interessen der Vorrang vor dem Gesundheitsschutz gegeben. Es ist die Aufgabe von Bundesernährungsminister Christian Schmidt, im Lebensmittelrecht endlich klarzustellen: Gesundheitsrelevante Informationen sollen nicht nur, sondern müssen sofort und ohne Wenn und Aber veröffentlicht werden.“

Link:

– E-Mail-Aktion an Bayerns Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf: www.adventskalender.foodwatch.de

Quellen und weiterführende Informationen:

– LGL-Antwort auf den foodwatch-Antrag nach VIG: www.tinyurl.com/lgl-antwort1

– LGL Bayern zur Adventskalender-Untersuchung: www.tinyurl.com/advent-bayern

– foodwatch-Anfrage an das LGL und das bayerische Staatsministerium: www.tinyurl.com/anfrage-bayern

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: www.tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: www.tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

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Bayerische Behörde findet riskante Mineralöle in Adventskalendern – und tut nichts

Pressemitteilung – Thema: Mineralölrückstände in Lebensmitteln

Berlin, 10. Dezember 2015. Die Behörden in Bayern haben in der Schokolade mehrerer Adventskalender riskante Mineralölrückstände gefunden – jedoch keine Maßnahmen zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten ergriffen. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte am Donnerstag, dass weder der Verkauf der belasteten Produkte gestoppt wurde noch eine öffentliche Warnung ergangen sei. Auf Anfrage von foodwatch wollten weder das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz noch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Angaben zu den betroffenen Produkten und den nachgewiesenen Rückstandsmengen machen.

„Mit ihrer Geheimhaltungspolitik tragen die Behörden nicht zu mehr Gesundheitsschutz bei, sondern sie verhindern ihn. Das Signal aus Bayern an die Hersteller lautet: Selbst wenn wir in einem Produkt riskante Substanzen finden, Konsequenzen hat das keine. Mit solchen Possen wird Gesundheitsschutz ad absurdum geführt“, kritisierte Luise Molling von foodwatch. Die Verbraucherorganisation startet heute unter www.adventskalender.foodwatch.de eine E-Mail-Aktion an die Bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf mit der Forderung, die Namen der belasteten Produkte unverzüglich publik zu machen, bevor auch die letzte Schokolade aus den Adventskalendern verzehrt ist.

Das LGL hatte eigenen Angaben zufolge im November elf Adventskalender analysiert und in fünf Schokoladen so genannte aromatische Mineralöle (MOAH) gefunden. Die Behörde selbst bezeichnet diese als „besonders bedenklich, da hier potentiell krebserregende Substanzen enthalten sein können“, und betont: „Der Übergang auf Lebensmittel ist daher vor allem bei dieser Fraktion unerwünscht.“ Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA bezeichnet MOAH zudem als potenziell erbgutverändernd. Wegen dieser Risikobewertung gibt es für aromatische Mineralöle keine unbedenklichen Schwellenwerte – ein Risiko besteht, sobald die Substanzen in Lebensmitteln nachgewiesen wurden.

foodwatch warf dem LGL eine grobe Verharmlosung der Risiken vor. Mit Blick auf die angeblich „geringen Konzentrationen“ der nachgewiesenen Rückstände und die Belastung der Bürgerinnen und Bürger mit aromatischen Mineralölen aus anderen Quellen kommt die Behörde zu dem Schluss, dass der Verzehr von Adventskalenderschokolade „nach Auffassung des LGL jedoch keinen Anlass zur Besorgnis“ gebe. Eine solche Bewertung bezeichnete foodwatch mit Blick auf die wissenschaftlichen Risikobewertungen als haltlos.

Das LGL hatte über seine Untersuchung am 1. Dezember auf seiner Internetseite berichtet – ohne Messdaten und ohne die Namen der getesteten bzw. belasteten Produkte zu nennen. foodwatch verwies darauf, dass die Öffentlichkeit nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) ohnehin einen Anspruch auf Nennung der belasteten Produkte habe. Durch die Rechtsprechung ist geklärt, dass behördlich erhobene Messdaten keine Betriebsgeheimnisse darstellen und damit im Falle eines Antrags nach dem VIG herausgegeben werden müssten. Allerdings dauert eine solche Behördenauskunft nach VIG formal mindestens zwei Monate. Weil die belasteten Adventskalender damit erst weit nach Ende der Adventszeit bekannt geworden wären, hat foodwatch auf einen solchen förmlichen Antrag bewusst verzichtet und Ministerium sowie LGL formlos angefragt.

In seiner Zeit als Bundesverbraucherminister hatte sich der heutige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer unter anderem bei der Einführung des VIG zu dem Prinzip bekannt: „Schwarze Schafe beim Namen nennen“. Die Praxis in dem von ihm regierten Bayern ist davon weit entfernt.

Links:

– E-Mail-Aktion: in Kürze unter adventskalender.foodwatch.de

Quellen und weiterführende Informationen:

– LGL Bayern zur Adventskalender-Untersuchung: www.tinyurl.com/advent-bayern

– Unbeantwortete foodwatch-Anfrage an das LGL und das bayerische Staatsministerium: www.tinyurl.com/anfrage-bayern

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: www.tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: www.tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

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Von wegen „unbedenklich“: Rewe kündigt Änderung bei mineralölbelasteter Bio-Eigenmarke an – Weiteres Unternehmen reagiert auf foodwatch-Test

Pressemitteilung – Thema: Mineralölrückstände in Lebensmitteln

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion HEUTE (Donnerstag, 10.12.) um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Ecke Schivelbeiner Str./Seelower Str. +++

Berlin, 10. Dezember 2015. Nach längerem Abwiegeln hat die Handelskette Rewe auf einen foodwatch-Test reagiert und Änderungen bei einer mit bedenklichen Substanzen belasteten Eigenmarke angekündigt. Die Verbraucherorganisation hatte in „Rewe Bio Weichweizengrieß“ Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen, die als potenziell krebserregend und erbgutschädigend gelten. Rewe hatte auf den Test wochenlang gar nicht reagiert und das Produkt zuletzt entgegen den wissenschaftlichen Risikobewertungen öffentlich als „unbedenklich“ bewertet. Da Mineralölrückstände häufig aufgrund ungeeigneter Verpackungsmaterialien ins Lebensmittel gelangen, kündigte Rewe nun an, das Produkt im kommenden Jahr in einer neuen Verpackung anzubieten. Das geht aus einer Antwort des Bioverbands Naturland, unter dessen Siegel das Produkt erscheint, an foodwatch hervor.

foodwatch begrüßte diesen Schritt, kritisierte aber, dass Rewe die Produkte in der bisherigen Verpackung offenbar nicht aus dem Verkauf nehmen wolle. „Rewe erkennt endlich an, dass die Mineralölbelastung seines Produkts eben doch ein Problem darstellt: Wenn das Produkt wirklich unbedenklich wäre, wie Rewe unzutreffend behauptet hat, müsste ja auch nichts geändert werden“, erklärte Luise Molling von foodwatch. „Will Rewe seine Kunden konsequent vor einem Gesundheitsrisiko schützen, dann muss das Unternehmen dies allerdings jetzt tun und nicht erst nächstes Jahr. Der gerade bei Kindern beliebte Weichweizengrieß der Eigenmarke gehört öffentlich zurückgerufen und aus dem Verkauf genommen, bis das Produkt in der neuen, sicheren Verpackung erscheint.“

Die Ergebnisse einer umfangreichen Laboranalyse mit insgesamt 120 Lebensmitteln hatte foodwatch bereits Ende Oktober öffentlich gemacht. Dabei waren in einer Charge des Bio-Weichweizengrieß‘ von Rewe wie in acht weiteren Produkten aus Deutschland die besonders kritischen aromatischen Mineralöle nachgewiesen worden. Weil eine Reaktion von Rewe auf diesen Nachweis ausblieb, schrieb foodwatch das Handelsunternehmen Anfang November direkt an und wies noch einmal auf die Testresultate hin – doch Rewe ließ auch dieses Schreiben unbeantwortet. Schließlich veröffentlichte foodwatch selbst einen „Produktrückruf“, zudem beschwerten sich hunderte Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem auf Facebook bei Rewe – woraufhin das Unternehmen in den vergangenen Tagen in einer knappen Erklärung alle Probleme abstritt und sein Produkt als „unbedenklich“ bezeichnete. Weil aromatische Mineralöle jedoch nach Einschätzung der EU-Lebensmittelbehörde EFSA potenziell krebserregend und erbgutverändernd sind, gibt es keine unbedenklichen Werte, wenn die Substanzen in einem Produkt nachgewiesen sind.

Nun bewegte sich Rewe also doch. Über die geplante Verpackungsänderung informierte der Anbauverband Naturland, unter dessen Siegel der Rewe-Bio-Weichweizengrieß verkauft wird, foodwatch am gestrigen Mittwoch per E-Mail. Rewe habe „versichert“, heißt es darin, „dass die Produktverpackung im kommenden Jahr vorsorglich mit einem zusätzlichen Innenbeutel versehen wird, der eine Migration von MOAHs [aromatischen Mineralölen; Anmerkung foodwatch] auch aus Quellen, die nicht in der Verantwortung des Unternehmens liegen, zuverlässig ausschließt.“ Den Verweis auf die Verantwortung Dritter interpretiert foodwatch als Absicherung, denn natürlich tragen Hersteller und Handel Verantwortung für die bei Produktion, Verpackung oder Lagerung auftretenden Verunreinigungen. foodwatch hatte Naturland zuvor angeschrieben und um Stellungnahme zu der Belastung des Rewe-Produkts gebeten.

Vor Rewe hatten bereits die Unternehmen Hahne und Curti Verpackungsänderungen für im foodwatch-Test negativ aufgefallene Produkte angekündigt. Kaufland und Curti hatten einen öffentlichen Produktrückruf veranlasst, Real zudem ein belastetes Reis-Produkt von reis-fit ausgelistet. Dasselbe Produkt steht bei Rewe weiterhin im Markt. Auf Facebook erklärte Rewe dazu, dass das Produkt nur dann aus dem Verkauf genommen werde, wenn nicht foodwatch, sondern „der Hersteller oder eine autorisierte Behörde über eine mögliche Belastung“ informieren würde. Luise Molling von foodwatch kritisierte diese Haltung: „Wem die Gesundheit der Kunden wichtig ist, dem ist es egal, woher ein Hinweis auf ein Gesundheitsrisiko kommt – die richtige Antwort auf einen solchen Hinweis ist: prüfen und dann handeln.“

Links:

– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de

– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion HEUTE (Donnerstag, 10.12.) um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Ecke Schivelbeiner Str./Seelower Str. +++

Redaktionelle Hinweise:

– Fotos von der foodwatch-Aktion bei Rewe ab ca. 15.30 Uhr unter www.tinyurl.com/rewe-fotos

– Footage-Material zum Labortest: www.tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:

– foodwatch-Korrespondenz mit Naturland: www.tinyurl.com/naturland-antwort

– Rewe-Stellungnahme auf Facebook (Screenshot 9.12.): www.tinyurl.com/screenshot-rewe

– Antwortschreiben von Real an foodwatch: www.tinyurl.com/real-antwort

– Antwortschreiben von Metro an foodwatch: www.tinyurl.com/metro-antwort

– Anschreiben von foodwatch an Rewe: www.tinyurl.com/rewe-anschreiben

– foodwatch-Rückruf des Rewe-Produktes: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf

– Offizieller Rückruf des Curti-Produktes bei Kaufland: www.tinyurl.com/kaufland-curti-rueckruf

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: www.tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: www.tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: www.tinyurl.com/pp77zat

– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: www.tinyurl.com/zhxc5zv

Pressekontakt:

Martin Rücker
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Vor Ort während der Aktion: +49(0)1 74 / 3 75 16 89




Nach foodwatch-Test: Real stoppt Verkauf von „reis-fit Spitzenlangkornreis“ – Rewe lässt mineralölbelastete Marke im Handel und erntet „Shitstorm“ auf Facebook

Pressemitteilung – Thema: Mineralölrückstände in Lebensmitteln

– Hersteller und Handel reagieren auf nachgewiesene Mineralölrückstände
– Metro fordert Erklärungen von Kellogg’s wegen belasteter Cornflakes
– Rewe vergrätzt Kunden durch Verweis auf Stellungnahme eines Lobbyverbandes

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion am Donnerstag, 10. Dezember um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Schivelbeiner Str. / Ecke Seelower Str. +++

Berlin, 8. Dezember 2015. Die Handelskette Real hat auf einen foodwatch-Test reagiert und den Spitzen-Langkornreis der Marke „reis-fit“ ausgelistet. Sie werde „das Produkt erst wieder verkaufen, wenn uns von dem Lieferanten überzeugend nachgewiesen werden konnte, dass Maßnahmen eingeleitet wurden, um Mineralölgehalte auf ein Minimum zu reduzieren“, schrieben Qualitätsmanager des Unternehmens in einem Brief an die Verbraucherorganisation. In einer Laboranalyse hatte foodwatch in einer Charge des reis-fit-Produkts Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen, die die EU-Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd einstuft. Real ist nach dem Reisproduzenten Curti bereits das zweite Unternehmen, das nach dem foodwatch-Test einen Verkaufsstopp veranlasst.

Der Großhändler Metro ist zudem nach eigenen Angaben auf den Cerealienproduzenten Kellogg’s zugegangen und fordert von diesem eine Erklärung für die Rückstände in dessen Cornflakes (alle Quellen siehe unten). Dagegen hält das Handelsunternehmen Rewe bislang am Verkauf seiner ebenfalls belasteten Eigenmarke „Rewe Bio Weichweizengrieß“ fest – und erntete dafür erboste Reaktionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern im Internet.

„Es ist unverantwortlich, dass Rewe Gesundheitsrisiken in Kauf nimmt und eine Marke, die noch dazu von vielen kleinen Kindern verzehrt wird, einfach weiter verkauft“, kritisierte Luise Molling von foodwatch. „Rewe steht bei seiner Eigenmarke in der vollen Verantwortung – es wäre an der Zeit, dass das Unternehmen endlich die Gesundheit seiner Kundschaft an die oberste Stelle rückt.“ Auch das reis-fit-Produkt wird bei Rewe weiterhin angeboten. foodwatch kündigte daher eine Protestaktion an einem Berliner Rewe-Markt für den kommenden Donnerstag an.

foodwatch warnte erneut vor dem Verzehr aller Produkte, in denen aromatische Mineralöle nachgewiesen wurden, und forderte Hersteller und Handel auf, Rückrufe zu veranlassen. Dies gelte insbesondere auch für reis-fit-Hersteller Euryza, dessen belastete Reis-Marke bei anderen Händlern weiterhin im Regal steht.

Ende Oktober bereits hatte foodwatch die Ergebnisse des umfangreichen Labortests mit 120 Produkten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden veröffentlicht. In Deutschland war demnach jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten – Liste siehe unten) mit den besonders kritischen aromatischen Mineralölrückständen belastet. Die Rückstände gelangen aufgrund ungeeigneter Materialien für Verpackung oder Umverpackung oder aufgrund von unsauberen Produktionsprozessen in die Lebensmittel – daher gilt: Sind Rückstände in einer Charge nachgewiesen, ist die Belastung weiterer Chargen zumindest naheliegend. foodwatch schrieb daraufhin zunächst alle Hersteller, später auch die größten Handelsketten an und fragte nach Konsequenzen aus dem Testergebnis. Mit unterschiedlichen Reaktionen:

– Der Cerealienproduzent Hahne sagte zu, die Verpackung seiner Haferflocken zu überarbeiten, um Rückstände künftig zu vermeiden.

– Der italienische Hersteller Curti nahm den in Deutschland bei Kaufland vertriebenen „Curtiriso Natur Langkorn Parboiled Reis“ aus dem Verkauf. Kaufland lehnte zunächst auch auf Anraten des Lobbyverbandes BLL eine Information der Kundschaft ab – nachdem foodwatch jedoch selbst einen „Rückruf“ publiziert hatte, verbreiteten Curti, Kaufland und schließlich auch die Behörden eine offizielle, öffentliche Produktwarnung.

– Real stoppte den Verkauf des „reis-fit Spitzen-Langkorn“-Reis‘. In einem Brief an foodwatch erklärte die Handelskette, dass die von foodwatch getestete Charge zwar nicht an Real ausgeliefert worden sei, forderte zunächst aber weitere „Maßnahmen“ vom Hersteller.

– Metro gab ebenfalls in einem Brief an foodwatch an, von Kellogg’s „weitere Informationen“ einzufordern, bevor Metro „weitere Maßnahmen einleiten“ werde. Kellogg’s sei mit einer Untersuchung der Problematik befasst.

Andere Hersteller und Handelskonzerne ließen die foodwatch-Anfragen unbeantwortet oder verwiesen lediglich auf eine Stellungnahme des Lobbyverbandes BLL vom 2. Dezember. Dieser bestätigte darin in Übereinstimmung mit behördlichen Risikobewertungen, dass aromatische Mineralöle in Lebensmitteln „unerwünscht“ seien. Allerdings bezeichnete der BLL belastete Produkte aufgrund ihrer angeblich niedrigen Rückstandsgehalte als „unbedenklich“. foodwatch kritisierte dies als grobe und unwissenschaftliche Verharmlosung. Zur Einordnung der Werte zog der BLL den veralteten Entwurf einer „Mineralölverordnung“ heran, der von der Bundesregierung niemals in Kraft gesetzt wurde. Die in diesem Entwurf aufgeführten Werte beziehen sich zudem gar nicht auf die Gesamtmenge der Mineralölrückstände im Produkt, sondern allein auf die aus den Verpackungen auf Lebensmittel übergegangenen Mineralöle – Rückstände aus anderen Quellen lassen sie außen vor. Ferner ignoriert der BLL die Tatsache, dass es für potenziell krebserregende und erbgutverändernde Substanzen überhaupt keinen unbedenklichen Schwellenwert gibt. Solche Substanzen sollten, wie etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) feststellt, in Lebensmitteln überhaupt nicht nachweisbar sein. Bei allen genannten Produkten hat das von foodwatch beauftragte Labor die Rückstände zweifelsfrei nachgewiesen und bestimmt.

Auch Rewe hatte zunächst Anfragen unbeantwortet gelassen, schließlich dann seinen Bio-Weichweizengrieß unter Verweis auf die BLL-Stellungnahme als „unbedenklich“ eingestuft und foodwatch mit „juristischen Schritten“ gedroht, nachdem die Verbraucherorganisation einen eigenen „Produktrückruf“ für die Rewe-Marke veröffentlicht hatte. Die Reaktion quittierten hunderte Verbraucherinnen und Verbraucher mit Anfragen und verärgerten Kommentaren auf der Facebook-Seite von Rewe. Der Link auf den von foodwatch verbreiteten Rückruf wurde dort in kurzer Zeit so häufig gepostet, dass er offenbar aufgrund eines Facebook-Algorithmus‘ automatisch geblockt wurde.

Links:

– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de

– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion am Donnerstag, 10. Dezember um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Schivelbeiner Str. / Ecke Seelower Str. +++

Liste der ausweislich des foodwatch-Tests mit aromatischen Mineralölrückständen belasteten und weiter im Verkauf befindlichen Marken: reis-fit Spitzen-Langkornreis, Müller’s Mühle Minuten Spitzen Langkorn Reis, Korn Mühle Weichweizen-Grieß, Rewe Bio Weichweizengrieß, Kellogg’s Cornflakes, Jonas Rote Linsen, Hahne Haferflocken, Sweet Family Puder Zucker (Nordzucker). Messwerte und Details zu den getesteten Chargen: www.mineraloel-test.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:

– Produktfotos, weiteres Bildmaterial und O-Töne zum Download: www.mineraloel-material.foodwatch.de

– Footage-Material zum Labortest: www.tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:

– Antwortschreiben von Real: www.tinyurl.com/real-antwort

– Antwortschreiben von Metro: www.tinyurl.com/metro-antwort

– Anschreiben von foodwatch an Rewe: www.tinyurl.com/rewe-anschreiben

– Rewe behält sich rechtliche Schritte vor (Kommentar auf der facebook-Seite vom 7.12.2015): www.tinyurl.com/rewe-fb

– foodwatch-Rückruf des Rewe-Produktes: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf

– Offizieller Rückruf des Curti-Produktes bei Kaufland: www.tinyurl.com/kaufland-curti-rueckruf

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: www.tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: www.tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: www.tinyurl.com/pp77zat

– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: www.tinyurl.com/zhxc5zv

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Am Donnerstag vor Ort während der Aktion: +49(0)1 74 / 3 75 16 89




Rewe droht foodwatch mit rechtlichen Schritten wegen Produktwarnung – Belasteter Bio-Weichweizengrieß weiter im Handel

Pressemitteilung

– Rewe-Marke mit potenziell krebserregenden Mineralölrückständen belastet
– Testergebnisse seit Ende Oktober bekannt
– foodwatch warnt vor dem Verzehr des Rewe-Produkts

Berlin, 3. Dezember 2015. Weil foodwatch vor dem Verzehr eines belasteten Rewe-Produktes warnt, hat der Handelskonzern der Verbraucherorganisation mit rechtlichen Schritten gedroht. „Rewe behält sich ausdrücklich vor, im Sinne der Verbraucher rechtliche Schritte zu prüfen“, schrieb das Unternehmen am Donnerstag auf seiner facebook-Seite (tinyurl.com/zwv4qnv). Zuvor hatte foodwatch eine Verzehrwarnung für den Bio-Weichweizengrieß der Rewe-Eigenmarke ausgesprochen, weil der Handelskonzern trotz bekannter Laboranalysen untätig blieb.

In einem Labortest waren bei dieser Marke Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen worden, die die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt. Obwohl die Testergebnisse seit Ende Oktober öffentlich sind, reagierte Rewe bis heute nicht darauf. Ein – aus Sicht von foodwatch gebotener – Produktrückruf blieb aus, Schreiben von foodwatch unbeantwortet.

Die Verbraucherorganisation erneuerte ihre Verzehrwarnung. Luise Molling von foodwatch erklärte: „Rewe verspricht, dass Lebensmittelsicherheit ‚oberste Priorität‘ habe – und bricht dieses Versprechen, wenn eine mit vermeidbaren Rückständen belastete Marke nicht aus dem Verkehr gezogen, sondern einfach weiter verkauft wird. Das gilt erst recht für ein Produkt wie Grieß, das häufig von Kindern verzehrt wird. Sollte der Handelskonzern nicht selbst aktiv werden, müssen die Behörden reagieren und dieses Produkt aus dem Verkehr ziehen.“

Nachdem Rewe selbst bislang nicht aktiv wurde, hatte foodwatch heute selbst einen öffentlichen Rückruf unter www.tinyurl.com/rewe-rueckruf veröffentlicht sowie den Verbraucherinnen und Verbrauchern empfohlen, bereits gekaufte Grieß-Packungen in ihre Rewe-Filialen zurückzubringen und dort den Einkaufspreis zurückzuverlangen.

Bereits Ende Oktober 2015 hatte foodwatch die Ergebnisse eines umfassenden Mineralöltests mit 120 Lebensmitteln aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden publiziert. In der Laboranalyse wurden in einer Charge des Rewe-Bio-Weichweizengrieß‘ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 30.4.2016 aromatische Mineralöle nachgewiesen. Weil Mineralölrückstände durch ungeeignete Verpackungsmaterialien oder fehlerhafte Produktionsprozesse in die Lebensmittel gelangen, ist nach Auffassung von foodwatch der Verdacht naheliegend, dass auch weitere als die getesteten Chargen betroffen sind. Vor allem Verpackungen oder Umverpackungen aus Recyclingpapier enthalten oft Mineralöle und eine Vielzahl anderer bedenklicher Substanzen wie Weichmacher und Lösungsmittel.

Im Gegensatz zu Rewe hatte der italienische Hersteller Curti in der vorvergangenen Woche den bei Kaufland vertriebenen und ebenfalls mit aromatischen Mineralölen belasteten „Curtiriso Langkorn-Naturreis“ aus dem Verkauf genommen. Nach Aufforderung von foodwatch veranlassten Kaufland und Curti schließlich auch einen öffentlichen Produktrückruf, der zudem über das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betriebene Portal lebensmittelwarnung.de verbreitet wurde.

Links:
– foodwatch-Rückruf: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf
– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de
– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:
– Rewe-Produktfoto, weiteres Bildmaterial und O-Töne zum Download: tinyurl.com/q5ba8a3
– Footage-Material zum Labortest: tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:
– Rewe behält sich rechtliche Schritte vor (Kommentar auf der facebook-Seite): tinyurl.com/zwv4qnv
– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz
– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf
– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf
– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: tinyurl.com/pp77zat
– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: tinyurl.com/zhxc5zv

Pressekontakt:
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Produktrückruf: „Rewe Bio-Weichweizengrieß“ mit gefährlichen Mineralöl-Rückständen belastet – foodwatch warnt vor dem Verzehr

Pressemitteilung

Berlin, 3. Dezember 2015. Die Verbraucherorganisation foodwatch warnt vor dem Verzehr des Bio-Weichweizengrieß‘ von Rewe. In einem Labortest wurden bei der Handelsmarke Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen, die die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt. foodwatch empfiehlt allen Verbraucherinnen und Verbrauchern, bereits gekaufte Grieß-Packungen in ihre Rewe-Filialen zurückzubringen und den Einkaufspreis zurückzuverlangen.

Aufgrund ihrer Risikobewertung gelten aromatische Mineralöle nach übereinstimmender Einschätzung von Behörden und dem Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL als „unerwünschte Einträge“ – sie sollten also noch nicht einmal in Spuren in den Lebensmitteln nachweisbar sein. Luise Molling von foodwatch erklärte: „Das Rewe-Produkt ist nach unserer Auffassung nicht verkehrsfähig und muss schnellstmöglich aus den Regalen geräumt werden – das gilt erst recht für Grieß, der häufig von Kindern verzehrt wird. Sollte der Handelskonzern nicht selbst handeln, müssen die Behörden reagieren und dieses Gesundheitsrisiko aus dem Verkehr ziehen.“ Weil Rewe selbst bislang nicht aktiv wurde, veröffentlichte foodwatch heute selbst einen öffentlichen Rückruf unter www.tinyurl.com/rewe-rueckruf.

Bereits Ende Oktober 2015 hatte foodwatch die Ergebnisse eines umfassenden Mineralöltests mit 120 Lebensmitteln aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden publiziert. In der Laboranalyse wurden in einer Charge des Rewe-Bio-Weichweizengrieß‘ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 30.4.2016 aromatische Mineralöle nachgewiesen. Weil keine Reaktion erfolgte, schrieb die Verbraucherorganisation Rewe Anfang November an und wies auf die Testergebnisse hin. Eine Antwort von Rewe blieb jedoch aus, ebenso der aus Sicht von foodwatch angebrachte Rückruf des Produkts.

Dagegen hatte der italienische Hersteller Curti in der vorvergangenen Woche den bei Kaufland vertriebenen und ebenfalls mit aromatischen Mineralölen belasteten „Curtiriso Langkorn-Naturreis“ aus dem Verkauf genommen. Nach Aufforderung von foodwatch veranlassten Kaufland und Curti schließlich auch einen öffentlichen Produktrückruf, der zudem über das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betriebene Portal lebensmittelwarnung.de verbreitet wurde.

Weil Mineralölrückstände durch ungeeignete Verpackungsmaterialien oder fehlerhafte Produktionsprozesse in die Lebensmittel gelangen, ist der Verdacht naheliegend, dass auch weitere als die getesteten Chargen betroffen sind. Vor allem Verpackungen oder Umverpackungen aus Recyclingpapier enthalten oft Mineralöle und eine Vielzahl anderer bedenklicher Substanzen wie Weichmacher und Lösungsmittel.

Links:
– foodwatch-Rückruf: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf
– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de
– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:
– Rewe-Produktfoto, weiteres Bildmaterial und O-Töne zum Download: tinyurl.com/q5ba8a3
– Footage-Material zum Labortest: tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:
– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz
– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf
– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf
– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: tinyurl.com/pp77zat
– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: tinyurl.com/zhxc5zv

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Adventskalender von Netto Marken-Discount laut Behörde mit riskanten Mineralölen belastet – Edeka-Tochter will Information der Öffentlichkeit durch bayerisches Landesamt vor Gericht verhindern – foodwatch veröffentlicht Produktnamen dennoch

Pressemitteilung

Berlin, 16. Dezember 2015. Die Handelskette Netto Marken-Discount will die bayerische Lebensmittelbehörde auf juristischem Wege von der Weitergabe einer gesundheitsrelevanten Information abhalten. Wie die Verbraucherorganisation foodwatch erfuhr, ist die Edeka-Tochter vor Gericht gezogen um zu verhindern, dass der Name eines nach Behördenangaben mit potenziell krebserregenden Mineralölen belasteten Adventskalenders öffentlich genannt wird. Das Verfahren gegen das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist bereits in zweiter Instanz vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig (Az 20 CS 15.2677). Das LGL hatte per Bescheid an diesem Montag angekündigt, Messergebnisse seiner Untersuchung von Adventskalendern am heutigen Mittwoch an foodwatch zu übermitteln und im Internet zu veröffentlichen. Dagegen geht Netto Marken-Discount vor. Das Verwaltungsgericht Regensburg hatte den Antrag binnen weniger Stunden zurückgewiesen (Az.: RO 5 S 15.2163), dagegen legte das Unternehmen Beschwerde ein.

Da die Verbraucherorganisation dem Verfahren beigeladen ist, hat sie jedoch die Schriftsätze der Netto-Anwälte per Fax erhalten – und damit auch Kenntnis von den relevanten Informationen. Sie macht sie daher unabhängig von einem endgültigen Gerichtsbeschluss ihrerseits öffentlich. Aus den Unterlagen geht hervor, dass nach den Dokumenten des LGL in folgendem Produkt riskante aromatische Mineralöle nachgewiesen wurden:

Adventskalender „Santa Claus In Town“, hergestellt für Netto Marken-Discount

„Netto Marken-Discount und sein Lieferant sind dafür verantwortlich, dass zahlreichen Kinder ein Gesundheitsrisiko beim Verzehr der Schokolade aus den Adventskalendern zugemutet wird. Es ist einfach nur widerlich, dass das Unternehmen jetzt auch noch versucht, eine Information der Öffentlichkeit vor Weihnachten zu verhindern“, erklärte foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir diese gesundheitsrelevanten Informationen öffentlich machen, nachdem wir sie auf Umwegen erhalten haben.“

Nach Angaben des LGL ergab die Messung eine Konzentration von 0,6 mg/kg aromatische Mineralöle (MOAH) in der Schokolade. Da MOAH nach Einschätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd gelten, besteht ein Risiko bei jeder noch so geringen Spur, einen sicheren Schwellenwert gibt es nicht. Die Handelskette Real hatte erst kürzlich ein niedriger belastetes Markenprodukt aus dem Verkauf genommen.

Das LGL hatte eigenen Angaben zufolge im November elf Adventskalender analysiert. Über die Untersuchung hatte die Behörde am 1. Dezember auf ihrer Internetseite berichtet, ohne dabei Messdaten und ohne die Namen der getesteten bzw. belasteten Produkte zu nennen. Die Kalender blieben also nicht nur im Verkauf, den Verbraucherinnen und Verbrauchern wurde zudem vorenthalten, welche Kalender verunreinigt sind. Eine Anfrage von foodwatch auf Nennung der Namen ließen sowohl die Pressestelle des LGL als auch die des Verbraucherschutzministeriums zunächst unbeantwortet. Am Donnerstag der vergangenen Woche startete foodwatch daraufhin eine E-Mail-Aktion unter www.adventskalender.foodwatch.de, über die in kurzer Zeit mehr als 17.000 Menschen Ministerin Ulrike Scharf aufforderten, die Namen öffentlich zu machen. Schließlich stellte foodwatch zudem einen förmlichen Antrag unter Berufung auf das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). Das LGL gab dem Antrag statt und setzte in einem „Eilverfahren“ immerhin auch die für solche Fälle geltenden Auskunftsfristen von zwei Monaten außer Kraft, die zu einer Veröffentlichung der Angaben frühestens im Februar 2016 geführt hätten. Zunächst jedoch bat die Behörde, wie beim VIG üblich, die betroffenen Unternehmen um Stellungnahme, wodurch eine Information der Öffentlichkeit weitere Tage nach hinten geschoben wurde.

Netto Marken-Discount ist nach Kenntnis von foodwatch das einzige Unternehmen, dass auf juristischem Wege eine Veröffentlichung der Angaben zu verhindern sucht. foodwatch geht davon aus, dass das LGL noch am heutigen Mittwoch die Namen offenbar belasteten Adventskalender anderer Hersteller übermitteln wird.

Dem LGL und dem bayerischen Verbraucherschutzministerium warf die Verbraucherorganisation schwere Versäumnisse vor. „Bereits Ende November hätten die Behörden in Bayern den Verkauf der belasteten Kalender stoppen und die Öffentlichkeit informieren können“, kritisierte foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Das Lebensmittelrecht gibt den Behörden die Möglichkeit, bei Gesundheitsgefahren sofort zu handeln und sofort zu informieren – es verpflichtet sie aber nicht dazu. Der Schildbürgerstreich rund um die Adventskalender zeigt, dass sich dies dringend ändern muss.“ Erforderlich sei eine bundesgesetzliche Klarstellung, dass Informationen über Gesundheitsrisiken sofort aktiv von den Behörden verbreitet werden müssen.

Link:

E-Mail-Aktion für einen besseren Schutz vor Mineralöl in Lebensmitteln: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Quellen und weiterführende Informationen:

– LGL Bayern zur Adventskalender-Untersuchung: www.tinyurl.com/advent-bayern

– Förmlicher VIG-Antrag von foodwatch an das LGL (11.12.): www.tinyurl.com/vig-antrag-lgl

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

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E-Mail: presse@foodwatch.de
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foodwatch-Aktion bei Kaufland: Krebsverdächtige Lebensmittel aus dem Regal geräumt – Verbraucheraktivisten organisieren selbst öffentlichen Rückruf von Kellogg’s Cornflakes & Co.

Pressemitteilung – Thema: Mineralölrückstände in Lebensmitteln

• Gefährliche Mineralölrückstände in mehreren Produkten nachgewiesen
• foodwatch fordert gesamten Handel auf, betroffene Artikel aus dem Verkauf zu nehmen
• Aktion in Kaufland-Filiale in Berlin-Wedding

Berlin, 24. November 2015. Weil Kaufland krebsverdächtige Lebensmittel trotz eines belastenden Labortests einfach weiter verkauft, hat die Verbraucherorganisation foodwatch selbst einen Rückruf der Produkte gestartet. Aktivistinnen und Aktivisten besuchten am Dienstagmittag die Kaufland-Filiale im Berliner Stadtteil Wedding und plakatierten dort zur Information der Verbraucherinnen und Verbraucher einen „Öffentlichen Produktrückruf“ der Kellogg’s Cornflakes sowie zweier Reis-Produkte von Müller’s Mühle (Minuten Spitzen Langkorn Reis) und reis-fit (Spitzen-Langkorn). Gleichzeitig kauften die Verbraucheraktivisten symbolisch alle in der Kaufland-Filiale erhältlichen Packungen der drei Artikel auf, damit „echte“ Kaufland-Kundinnen und -Kunden keinem Gesundheitsrisiko ausgesetzt werden.

In einem Ende Oktober veröffentlichten Labortest im Auftrag von foodwatch wurden in den untersuchten Chargen der drei Marken sogenannte aromatische Mineralöle nachgewiesen, die die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt. Einen solchen Analysebefund wies auch der „Natur Langkorn Parboiled Reis“ von Curtiriso aus dem Kaufland-Sortiment auf – dieses Produkt jedoch hatte die Handelskette in der vergangenen Woche vollständig aus dem Verkauf genommen und am Freitag öffentlich zurückgerufen. Weshalb Kaufland die anderen belasteten Marken dagegen im Regal beließ, ist unklar.

„Es war die richtige Entscheidung, das eine krebsverdächtige Produkt zurückzurufen – aber aus denselben Gründen muss Kaufland auch die anderen krebsverdächtigen Produkte aus dem Verkauf nehmen und öffentlich zurückrufen“, forderte Luise Molling von foodwatch. „Verbraucher können einem Lebensmittel nicht ansehen, ob es mit gefährlichen Mineralölen belastet ist. Wir sind darauf angewiesen, dass Hersteller und Handel ihrer Pflicht nachkommen und solche Belastungen vermeiden – oder spätestens dann handeln, wenn sie um die Belastung wissen. Wenn das nicht funktioniert, müssen wir Verbraucher das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Wir handeln in Notwehr, weil weder Bundesregierung noch Länderbehörden die Verbraucher vor bekannten und eindeutig nachgewiesenen Gesundheitsgefahren schützen“, sagte Luise Molling mit Blick auf den selbstorganisierten Rückruf.

foodwatch hat heute zudem alle Handelsunternehmen schriftlich aufgefordert, diejenigen Produkte zurückzurufen, bei denen aromatische Mineralöle nachgewiesen wurden. In der bislang umfangreichsten Laboranalyse zu dieser Problematik hatte foodwatch insgesamt 120 Produkte aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden testen lassen. 43 Prozent davon enthielten die hochgradig schädlichen aromatischen Mineralöle. In Deutschland war jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten) mit aromatischen Mineralölrückständen belastet. Weil die Rückstände durch ungeeignete Verpackungsmaterialien oder fehlerhafte Produktionsprozesse in die Lebensmittel gelangen, ist der Verdacht naheliegend, dass auch weitere als die getesteten Chargen betroffen sind. Vor allem Verpackungen oder Umverpackungen aus Recyclingpapier enthalten oft Mineralöle und eine Vielzahl anderer bedenklicher Substanzen wie Weichmacher und Lösungsmittel.

Die Ergebnisse des Tests sind seit Ende Oktober veröffentlicht. Von den neun nachweislich mit aromatischen Mineralölen belasteten Marken in Deutschland sind acht weiterhin im Handel. foodwatch hatte alle Hersteller angeschrieben und zum Rückruf aufgefordert. Der nordrhein-westfälische Cerealienproduzent Hahne kündigte daraufhin an, die Verpackung seiner Haferflocken zu ändern, ebenso der italienische Hersteller Curti. Dieser veranlasste zudem gemeinsam mit dem Handelsunternehmen Kaufland einen Rückruf seines Reis-Produktes.

Das Problem Mineralölrückstände ist auch der Politik seit Jahren bekannt, wie die Bundesregierung in einem Schreiben an foodwatch bestätigte. Statt jedoch selbst tätig zu werden, verweist man auf die – ebenfalls untätige – EU. foodwatch forderte, bei Papierverpackungen eine sogenannte funktionale Barriereschicht verpflichtend vorzuschreiben sowie erstmals Grenzwerte für Mineralölrückstände im Lebensmittel zu erlassen. Die besonders gefährlichen aromatischen Mineralöle dürfen überhaupt nicht nachgewiesen werden.

Links:

– Rückruf: tinyurl.com/kaufland-rueckruf
– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de
– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:

– Fotos von der foodwatch-Aktion bei Kaufland bis ca. 14 Uhr unter tinyurl.com/q5ba8a3
– Footage-Material zum Labortest: tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:
– foodwatch-Korrespondenz mit Curti und Kaufland: tinyurl.com/kaufland-korrespondenz
– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf
– Forschungsprojekt des Bundesernährungsministeriums 2012: download.ble.de/09HS012.pdf
– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: tinyurl.com/pp77zat

Pressekontakt:

foodwatch e.V.
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Öffentlicher Produktrückruf: „Curtiriso Langkorn-Naturreis“ aus dem Kaufland-Sortiment mit gefährlichen Mineralöl-Rückständen belastet – Ware aus dem Verkauf genommen

Pressemitteilung

• Nach foodwatch-Labortest: Handelsunternehmen räumt Produkte aus den Regalen
• Kaufland verweigert auf Anraten des Lobbyverbands BLL aber Kundeninformation
• foodwatch ruft Käufer auf, das belastete Produkt in die Filialen zurückzubringen

+++ Aktion in Berlin am Dienstag, 24.11. um 12 Uhr: foodwatch wird Rückruf in Kaufland-Filiale Residenzstraße 85, 13409 Berlin-Wedding plakatieren und Kunden informieren +++

Berlin, 20. November 2015. Kaufland hat den mit potenziell gesundheitsgefährdenden Mineralölen belasteten Curtiriso Langkorn-Naturreis aus dem Verkauf genommen. Das Handelsunternehmen reagierte damit auf Ergebnisse eines Labortests der Verbraucherorganisation foodwatch. Allerdings lehnte es Kaufland auf Anraten des Lobbyverbandes BLL ab, mit einer öffentlichen Warnung auch diejenigen Kundinnen und Kunden zu informieren, die den belasteten Reis bereits gekauft haben. Anstelle des Unternehmens veröffentlichte daher foodwatch unter tinyurl.com/kaufland-produktrueckruf einen öffentlichen Rückruf. Der Reis sollte nicht verzehrt werden: Im Labortest waren in dem Produkt des italienischen Herstellers Curti aromatische Mineralöle nachgewiesen worden, die die EU- Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt.

„Das betroffene Produkt sollte wegen ernsthafter Gesundheitsrisiken auf keinen Fall verzehrt werden. Wir raten allen Kundinnen und Kunden, den Reis in ihre Kaufland-Filiale zurückzubringen und eine Erstattung des Kaufpreises zu verlangen“, erklärte Luise Molling von foodwatch. Deutlich kritisierte sie das Vorgehen von Kaufland: „Hersteller und Händler waren sich einig darin, dass der Reis aufgrund der Mineralölbelastung aus dem Verkauf genommen werden musste. Es ist weder zu erklären noch zu verantworten, dass Kaufland keinen öffentlichen Rückruf startet, um alle diejenigen zu informieren, die den potenziell gesundheitsschädlichen Reis bereits gekauft haben.“

Neben der Rückruf-Veröffentlichung im Internet kündigte foodwatch an, anstelle von Kaufland selbst Verbraucheraushänge am kommenden Dienstag um 12 Uhr in der Kaufland-Filiale in Berlin-Wedding (Residenzstr. 85, 13409 Berlin) zu plakatieren und die anwesenden Kundinnen und Kunden zu informieren, sollte der Handelskonzern bis dahin nicht selbst aktiv werden. Parallel forderte foodwatch die für Lebensmittelkontrollen zuständigen Länderministerien sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf, die Produktwarnung zu verbreiten.

foodwatch hatte Ende Oktober die Ergebnisse einer umfangreichen Laboranalyse von insgesamt 120 Produkten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden veröffentlicht. 43 Prozent davon enthielten aromatische Mineralöle, in Deutschland war jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten) belastet – darunter unter anderem Cornflakes, Reis und Grieß. Es ist seit langem bekannt, dass Mineralölrückstände häufig aus den Druckfarben stammen, die in Verpackungen oder Umverpackungen aus Recycling-Karton enthalten sind und die besonders gut auf trockene, lange haltbare Lebensmittel übergehen können.

Curti, der italienische Hersteller des belasteten Reis‘, hatte foodwatch gegenüber angekündigt, dass er seine Verpackung überarbeiten wolle und in einem ersten Schritt seinen deutschen Abnehmer Kaufland anhalte, die Ware zurückzurufen. Tatsächlich erklärte Kaufland auf Anfrage von foodwatch per E-Mail: „Nachdem beim Produkt Curtiriso Langkorn-Naturreis Parboiled 4×125 g Beutel pro Verpackung Mineralölrückstände nachgewiesen wurden, wurde die komplette Ware aus dem Verkauf genommen.“ In einer Stichprobe bei Berliner Kaufland-Filialen fand foodwatch dies bestätigt und dokumentierte die leergeräumten Regalflächen mit Fotos. Allerdings lehnte der Handelskonzern eine Information der Kunden, die den Reis bereits gekauft haben, ab – ein Ergebnis von Beratungen mit dem Branchenlobbyverband BLL, wie Kaufland in einer weiteren E-Mail angab: „Zur Beurteilung der Befunde haben wir den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) hinzugezogen. Dieser bestätigte uns, dass keine gesundheitliche Risikobewertung vorliegt, welche einen öffentlichen Rückruf impliziert.“
Der vom BLL erweckte Eindruck ist jedoch falsch: Nicht nur die EU-Lebensmittelbehörde EFSA sieht die Risiken aromatischer Mineralöle (MOAH) – auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont, aufgrund der Risikoeinschätzung „sollte kein nachweisbarer Übergang von MOAH auf Lebensmittel stattfinden.“

Am Regal in einer Kauflandfiliale hieß es irreführend, die Ware sei „ausverkauft“. Einen Hinweis auf potenzielle Gesundheitsgefahren unterließ Kaufland auch hier.

Links:

– Rückruf: tinyurl.com/kaufland-produktrueckruf
– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de
– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:

– Fotos von den leeren Reis-Regalen bei Kaufland: tinyurl.com/fotos-kaufland
– Footage-Material zum Labortest: tinyurl.com/pwgyc7c

+++ Aktion in Berlin am Dienstag, 24.11. um 12 Uhr: foodwatch wird Rückruf in Kaufland-Filiale Residenzstraße 85, 13409 Berlin-Wedding plakatieren und Kunden informieren +++

Quellen und weiterführende Informationen:

– foodwatch-Korrespondenz mit Curti und Kaufland: tinyurl.com/kaufland-korrespondenz
– Zitat des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): tinyurl.com/ovgvtkz
– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf
– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf
– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: tinyurl.com/pp77zat

Pressekontakt:

foodwatch e.V.
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90