Kohleausstieg: Deutschland verliert den Anschluss

Pressemitteilung Germanwatch

Germanwatch begrüßt heute vorgestellte Allianz der Länder, die im nächsten Jahrzehnt aus der Kohle aussteigen werden – Kritik an bisheriger Haltung Deutschlands

Bonn (16. Nov. 2017). Heute ist auf der Weltklimakonferenz in Bonn eine von Großbritannien, Kanada und den Marshall-Inseln angeführte Allianz zum Kohleausstieg vorgestellt worden. Deren Mitgliedsländer verpflichten sich, in den nächsten Jahren vollständig aus der Kohleverstromung auszusteigen. Hierzu erklärt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch: “Der weltweite Abschied von der Kohle hat begonnen und Deutschland droht den Anschluss zu verpassen. Es ist sehr gut, dass eine immer größere Gruppe von Ländern Pläne zum geordneten Kohleausstieg präsentiert. Wenn Deutschland im internationalen Klimaschutz eine Führungsrolle spielen will, muss die nächste Bundesregierung jetzt auch einen klaren Plan für einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle vorlegen, der zur Umsetzung der Klimaziele passt.”

Klimaszenarien zeigen, dass eine weitere Nutzung der Kohle zur Stromerzeugung und die Erreichung der Pariser Klimaziele nicht miteinander vereinbar sind. Bis zur Mitte des Jahrhunderts muss weltweit der Energiesektor ohne Kohle, Öl und Gas auskommen, in den Industrieländern früher. Dabei muss auf die CO2-intensivsten Brennstoffe – zuerst die Braun-, dann die Steinkohle – als erstes verzichtet werden. Bals: “Die Regierung Trump koordiniert den Abwehrkampf gegen den internationalen Kohleausstieg. Deutschland muss jetzt zeigen, dass es auf einem anderen Pfad ist.” Neben den Initiatoren sind an der Allianz unter anderem Mexiko, Frankreich, Finnland, Neuseeland, Italien und mehrere US-Bundesstaaten beteiligt. Alle diese Länder haben sich zu einem Enddatum für die Kohleverstromung verpflichtet, die Enddaten liegen zwischen 2021 und 2030.

Hinweis an Journalisten/innen bei der COP23 in Bonn: Die Kohleausstiegs-Allianz “Powering Past Coal” wird heute um 11:45 im Raum der EU-Delegation im Obergeschoss der Zone “Bula 3” (Nähe Medienzentrum) vorgestellt.

Experten/innen von Germanwatch stehen bei der COP23 für Rückfragen zur Verfügung.

Kontakt und Kontaktvermittlung für Medien:
Stefan Küper
Pressesprecher Germanwatch
(am besten per Handy erreichbar)

Germanwatch e.V.
Dr.Werner-Schuster-Haus
Kaiserstr. 201
D-53113 Bonn

Tel. +49 (0)228 / 604 92-23, Fax -19
mobil: 0151 / 252 110 72
E-Mail: kueper@germanwatch.org
www.germanwatch.org




COP23: Elektrobusse bringen Teilnehmer mit zertifiziertem Ökostrom zur Weltklimakonferenz

Bonner Stadtwerke organisieren “Clean Shuttle” für die COP23 / Grüner Strom-Label garantiert Glaubwürdigkeit des verwendeten Ökostroms

Bonn, 16. November 2017. Bis zu 25 000 Gäste aus aller Welt werden zum Klimagipfel der Vereinten Nationen (COP23) erwartet, der bis zum 17. November in Bonn stattfindet. Um eine schnelle und umweltfreundliche Mobilität der Teilnehmer*innen zu gewährleisten, haben die Bonner Stadtwerke unter der Regie des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen einen “Clean Shuttle” organisiert. Besonderheit: Alle Elektrobusse fahren mit hochwertigem Ökostrom, der mit dem Gütesiegel Grüner Strom zertifiziert ist.

„Elektromobilität ist nur dann besonders umweltfreundlich, wenn richtiger Ökostrom genutzt wird. Das gilt nicht nur für Elektrofahrzeuge, sondern auch für den Bahn- und Busverkehr“, so Dietmar Oeliger, Vorsitzender des Grüner Strom Label e.V. und verkehrspolitischer Leiter des Naturschutzbund Deutschland (NABU) – einer von sieben Trägerverbänden des Gütesiegels Grüner Strom. „Elektrofahrzeuge und Züge, die mit Kohlestrom fahren oder mit virtuellen Ökostrom-Zertifikaten einfach nur grün gestrichen werden, bringen die Verkehrswende nicht voran.“

Auf insgesamt drei neu geschaffenen Linien sind im Rahmen der COP23 rund 15 Elektro-, Wasserstoff- und Hybridbusse im Einsatz. Für die Teilnehmer der Klimakonferenz ist die Nutzung des “Clean Shuttles” kostenlos.

SWB Bus und Bahn, das Verkehrsunternehmen der Stadtwerke Bonn, ist bundesweit einer der Vorreiter beim Thema alternative Antriebe. Im Regelbetrieb laufen bereits sechs E-Busse, die im Rahmen des EU-Förderprojektes ZeEUS (Zero Emission Urban Bus Systems) eingesetzt werden.

Auch im Individualverkehr treiben die Stadtwerke Bonn seit Jahren E-Mobility voran, mit Förderprogrammen für die Anschaffung von Fahrzeugen, dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und dem Einsatz von E-Fahrzeugen im Unternehmensfuhrpark – jeweils in Kombination mit dem Einsatz von hochwertigem Ökostrom.

Die Stadtwerke Bonn sind zudem Pionier bei der Nutzung und Förderung Erneuerbarer Energien. „Wir setzten bereits seit dem Jahr 2000 auf Ökostrom mit Grüner Strom-Label, um unseren Kunden höchst mögliche Produktqualität anzubieten“, erklärt Robert Landen, Vertriebsleiter von SWB Energie und Wasser. Die E-Busse des “Clean Shuttle” werden mit Strom aus dem Ökostromtarif “BonnNatur Strom” betrieben, der mit dem Grüner Strom-Label ausgezeichnet ist. Das Ökostromlabel der Umweltverbände garantiert, dass der Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien stammt. Zusätzlich werden Investitionen in den Ausbau Erneuerbarer Energien getätigt, was “BonnNatur Strom” im Gegensatz zu vielen anderen Ökostromtarifen besonders nachhaltig macht.

SWB Energie und Wasser arbeitet derzeit an einem umfassenden Ausbau der Ladeinfrastruktur in Bonn. Neben 25 Ladepunkte im öffentlichen Raum sind eine Reihe von Projekten im Bau: in öffentlichen Tiefgaragen, in Bonner Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen.

Weitere Informationen zum “Clean Shuttle” und zur COP 23 unter www.cleanshuttle-bonn.com.
Weitere Informationen zum Grüner Strom-Label, dem Ökostromlabel der Umweltverbände, unter www.gruenerstrom.info.
Weitere Informationen zum “BonnNatur Strom” und der Förderung der E-Mobilität: www.stadtwerke-bonn.de/energieundwasser.html

Bildunterschrift: Die “CleanShuttle”-Busse fahren die COP23-Teilnehmer umweltfreundlich durch Bonn – mit Grüner Strom-zertifiziertem Ökostrom der SWB Energie und Wasser. (Foto: Martin Magunia/Stadtwerke Bonn)

Über den Grüner Strom Label e.V.
Der Grüner Strom Label e.V. zertifiziert grüne Energieprodukte. Der Verein vergibt zu diesem Zweck zwei Gütesiegel: Das Label Grüner Strom für Ökostrom mit Mehrwert und das Label Grünes Gas für umweltverträgliches Biogas. Hinter dem Verein stehen sieben gemeinnützige Umwelt- und Verbraucherverbände sowie Friedensorganisationen. Die Labels Grüner Strom und Grünes Gas sind in Deutschland die einzigen Gütesiegel für Ökostrom und Biogas, die von führenden Umweltverbänden getragen werden.

Über die Stadtwerke Bonn
Die Stadtwerke Bonn erbringen mit rund 2300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern grundlegende Leistungen für mehr Lebensqualität, wirtschaftliche Entwicklung und Zukunftsfähigkeit in Bonn und der Region. Als kommunales Unternehmen der Stadt Bonn sichert SWB Energie und Wasser die Versorgung mit Strom, Erdgas, Trinkwasser, Fernwärme und Energiedienstleistungen. SWB Bus und Bahn gestaltet Mobilität im Öffentlichen Nahverkehr mit Linienbussen, Stadt- und Straßenbahnen.

Ansprechpartner
Grüner Strom Label e.V.: Christian Knops, 0228 92667 14, c.knops@gruenerstromlabel.de
Stadtwerke Bonn: Werner Schui, 0228 711 2007, redaktion@stadtwerke-bonn.de




UN-Klimagipfel in Bonn: Ein Regelbuch und starke Botschaften an Berlin und Washington

Pressemitteilung Germanwatch

Germanwatch erwartet Fortschritte bei Umsetzung des Paris-Abkommens und Hilfe für die vom Klimawandel am stärksten Bedrohten, aber auch Druck auf die schwarz-gelb-grünen Verhandlungen in Berlin

Bonn (2. Nov. 2017). Wirksame Umsetzungsregeln für das Pariser Klimaabkommen, die Erhöhung der Klimaziele der Staaten und Unterstützung für die vom Klimawandel am stärksten bedrohten Menschen im globalen Süden – das sind aus Sicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch die zentralen Themen der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz. Doch neben den Verhandlungsergebnissen geht es auch um die politischen Signale, betont Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch: “Die Weltklimakonferenz macht Druck auf den Gastgeber. Hier in Deutschland sind die CO2-Emissionen seit 2009 nicht mehr gesunken. Wenn nicht die Stilllegung der Hälfte der Kohlekraftwerke bis 2020 in den Koalitionsverhandlungen beschlossen wird, wird das deutsche Klimaziel für 2020, die Emissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent zu verringern, krachend verfehlt.” Zum anderen gehe es um internationale Wirkung. “Wir brauchen ein klares Signal, dass die Umsetzung des Paris-Abkommens weltweit weiter vorankommt – trotz der klimapolitischen Geisterfahrt der US-Regierung”, so Bals. “Seit Paris sind die energiebedingten Emissionen weltweit nicht mehr gestiegen, spätestens ab 2020 sollten sie sinken, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern.”
Im Kern geht es bei den Verhandlungen unter Vorsitz der Fidschi-Inseln um drei Bereiche: Erstens müssen jetzt zum völkerrechtlich verbindlichen Vertrag von Paris die Umsetzungsregeln auf den Weg gebracht und nächstes Jahr verabschiedet werden. “Dieses Regelbuch muss zum Beispiel sicherstellen, dass eine Tonne CO2-Reduktion in China auch einer Tonne CO2-Reduktion in Deutschland entspricht”, erklärt Bals. “Oder auch, dass ein und dieselbe Finanzhilfe nicht mehrfach versprochen wird, indem zum Beispiel einfach längst zugesagte Entwicklungs- zu neuer Klimafinanzierung umetikettiert wird.” Es geht in Bonn darum, den Entwurf dieses Regelbuchs so weit zu erarbeiten, dass es im kommenden Jahr abgeschlossen werden kann, so die Erwartungshaltung von Germanwatch.

Zweitens müssen die Regeln festgelegt werden für die alle fünf Jahre stattfindenden Verschärfungsrunden für die Klimaziele der Staaten. Die erste beginnt im nächsten Jahr. Denn die bislang vorgelegten Ziele reichen längst nicht aus, um den Klimawandel auf deutlich weniger als 2 oder gar 1,5 Grad zu begrenzen, wie es das Paris-Abkommen vorsieht.

Drittens muss die Unterstützung für die vom Klimawandel am stärksten bedrohten Menschen im globalen Süden verbessert werden. Dazu muss der erfolgreiche Anpassungsfonds des Kyoto-Protokolls eine neue Heimat im Paris-Abkommen finden, um weiterhin Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels zu unterstützen. Darüber hinaus muss ein Arbeitsplan für die nächsten fünf Jahre erstellt werden, wie die Menschen unterstützt werden können, die heute schon Schäden und Verluste durch Folgen des Klimawandels erleiden, an die keine Anpassung mehr möglich ist. Auch dafür müssen Finanzierungsstrategien erarbeitet werden.

Hinweise für Redaktionen:
– Termine Germanwatch:
4.11. (Sa.), Teilnahme an Demo “Klima schützen – Kohle stoppen” in Bonn (als Gast dabei u.a. Saúl Luciano Lliuya aus Peru, Kläger bei “Klimaklage” gegen RWE)

9.11. (Do.), 10:30 Uhr: PK zur Vorstellung des Globalen Klima-Risiko-Index bei der COP (Bula-Zone)

15.11. (Mi.), 10 Uhr: PK zur Vorstellung des Klimaschutz-Index bei der COP (Bula-Zone)

– Germanwatch beobachtet die Verhandlungen bei der Weltklimakonferenz mit einem Team von Experten/innen. Kontaktvermittlung über Pressesprecher Stefan Küper (Kontakt s.u.).

– Fortlaufend Neuigkeiten und Themen-Schwerpunkte zur COP: https://germanwatch.org/cop23 oder bei Twitter: @Germanwatch

Kontakt für Medien:
Stefan Küper
Pressesprecher

Germanwatch e.V.
Dr.Werner-Schuster-Haus
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