TTIP – Bundesregierung und EU-Kommission verschleiern Folgen für Entwicklungsländer – Ökonomen rechnen mit drastischen Einkommensverlusten für Menschen in ärmsten Regionen der Welt

Pressemitteilung – Thema: Freihandelsabkommen

Berlin, 6. Februar 2015. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat der Bundesregierung und der Europäischen Kommission vorgeworfen, die Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens TTIP zu verschleiern. „Der Studienlage zufolge ist TTIP ein echtes Armutsprogramm für Menschen in den ärmsten Ländern der Welt – darüber sprechen weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch Vizekanzler Sigmar Gabriel noch Jean-Claude Juncker aufrichtig“, kritisierte foodwatch-Sprecher Martin Rücker. „Mehr noch: Die Bundesregierung hat eine hochgradig dubiose Studie vorgelegt, mit der die erwartbaren negativen Folgen für Entwicklungsländer verschleiert werden.“

Am 21. Januar hatte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Studie des ifo-Instituts vorgestellt, der zufolge ein Freihandelsabkommen zwischen EU und USA keine nennenswerten negativen Folgen auf Entwicklungsländer habe (Gabriel Felbermayr et al.: „Mögliche Auswirkungen der Transatlantischen Handels-und Investitionspartnerschaft (TTIP) auf Entwicklungs-und Schwellenländer“). Ein Vertreter der Europäischen Kommission bezeichnete TTIP daraufhin nach Medienangaben als „Goldgrube“ für Entwicklungsländer.

In einer für die Bertelsmann Stiftung erstellten Studie hatte das ifo-Institut unter Federführung desselben Autors dagegen vor „dramatischen“ Verlusten für Entwicklungsländer („Verlierer“) gewarnt und – je nach Ausgestaltung des TTIP-Abkommens – berechnet, dass die Menschen in Ländern wie Guinea mit einem Real-Einkommensverlust von bis zu minus 7,4 Prozent, in Botswana von bis zu minus 4,1 Prozent zu rechnen hätten. Das ifo-Institut rückt von diesen Berechnungen auch nicht ab, hat für die neue Studie im Auftrag des BMZ jedoch seine Annahmen verändert:

– Das ifo-Institut unterstellt in der BMZ-Studie, dass es zu so genannten Spillover-Effekten kommt – dass TTIP also auch zu Handelserleichterungen in Drittländern außerhalb der Freihandelszone führe. Das ifo-Institut selbst schreibt jedoch: „Die empirische Evidenz für diese Annahme ist allerdings dünn.“

– Die genannten Spillover-Effekte stellt das ifo-Institut als unabdingbare Voraussetzung dafür dar, die negativen Folgen von TTIP für Entwicklungsländer abzumildern. Um diese Effekte „möglichst wahrscheinlich“ zu machen, machen die Ökonomen eine Reihe von „Empfehlungen“, die letztlich dazu führen würden, dass Entwicklungsländer mehr oder weniger der Freihandelszone beitreten: Vom Abbau von Zöllen auch für Drittstaaten über eine Einbindung von Entwicklungsländern in TTIP-Gremien zur Verabredung gemeinsamer Standards bis hin zum Vorschlag: „die [Welthandelsorganisation] WTO reformieren“. Solche Vorschläge mögen zwar wünschenswert sein – sie sind jedoch größtenteils unrealistisch, stehen überhaupt nicht auf der politischen Agenda oder liegen in der Entscheidungskompetenz Dritter, können also gar nicht von den TTIP-Partnern EU und USA als Ausgleich für die negativen Folgen des Abkommens beschlossen werden. So werden durch ein ganzes Bündel von unrealistischen Annahmen die erwarteten negativen Effekte „weggerechnet“.

– Zudem hat das ifo-Institut „Expertengespräche“ durchgeführt, in denen vor allem Wirtschaftslobbyisten, d.h. potenzielle TTIP-Profiteure, die Einschätzung vertraten, dass die negativen Folgen von TTIP „nicht bedeutend“ seien. Die Aussagen flossen zwar nicht in Modellberechnungen ein, prägen jedoch das Gesamtbild der Studie.

Eine ausführliche Auswertung der beiden ifo-Studien hat foodwatch heute in einem Hintergrundpapier veröffentlicht. Letztlich erwähnen die Wissenschaftler den entscheidenden Hinweis in ihrer Studie für das Bundesministerium selbst nach Durchsicht des Verhandlungsmandats, das die Regierungen der EU-Staaten der Europäischen Kommission erteilt haben: „Die entwicklungspolitische Verträglichkeit wird allerdings unter den Zielen des Abkommens nicht explizit gefordert.“

foodwatch-Sprecher Martin Rücker: „Wohlstand für alle – so heißt sinngemäß das Argument, mit dem die TTIP-Befürworter das Abkommen durchsetzen wollen. Dieselbe Bundesregierung, die mangelnde Transparenz bei den TTIP-Verhandlungen beklagt, schweigt die erwarteten Folgen von TTIP für Entwicklungsländer erst tot und tut jetzt auch noch so, als sei alles doch gar kein Problem – mithilfe einer Studie, die die Grenze zur Unseriosität deutlich überschritten hat.“

Link: Selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative „STOP TTIP“: www.foodwatch.de/aktion-ttip

Redaktionelle Hinweise:

– foodwatch-Hintergrundpapier: TTIP und die Folgen für Entwicklungsländer: bit.ly/1vuqZXG
– FAQ – Fragen und Antworten zu TTIP, CETA und TiSA: www.ttip-faq.foodwatch.de

– Gabriel Felbermayr et al.: „Mögliche Auswirkungen der Transatlantischen Handels-und Investitionspartnerschaft (TTIP) auf Entwicklungs- und Schwellenländer“ (ifo-Studie für das BMZ, 21.01.2015): bit.ly/18Rce71

– Gabriel Felbermayr et al.: „Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP): Wem nutzt ein transatlantisches Freihandelsabkommen?“ (ifo-Studie für die Bertelsmann-Stiftung, 2013): bit.ly/18Rcy5G

Pressekontakt:
foodwatch e.V.
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Energiegründern ein Gesicht geben – das neue RKW-Projekt „Energiegründer“

Pressemitteilung
Eschborn, 25. September 2014

Energiegründern ein Gesicht geben – das neue RKW-Projekt
„Energiegründer“

Das RKW Kompetenzzentrum startet ab September 2014 ein neues Projekt zur Förderung der Gründerkultur in Deutschland. Das Projekt „Energiegründer“ macht mit der Website www.energiegruender.de auf Gründungen im Energiesektor aufmerksam. Ziel des Projekts ist es, ein stärkeres Bewusstsein für Energiegründer zu schaffen und die Gründeraktivitäten nachhaltig zu steigern. Unterstützt wird das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Viele Energiegründer in Deutschland sind sehr erfolgreich – doch ihre Geschichten weitgehend unbekannt. Dabei gründeten nach einer vom ZEW im Frühjahr 2014 veröffentlichten Studie in den Jahren 2009 bis 2011 jährlich rund 3.000 Unternehmen alleine im Marktsektor „eEnergie-Erzeugung“. Von 2000 bis 2012 hat sich der Bestand an Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien insgesamt von rund 26.000 auf ca. 60.000 mehr als verdoppelt. Die fehlende Wahrnehmung über Energiegründer hat zur Folge, dass viele potenzielle Gründer nicht wissen, dass sie im Bereich Energieerzeugung gute Karrierechancen haben. Das liegt daran, dass der Begriff „Energiegründer“ noch nicht weit genug verbreitet ist und die Gründer vorwiegend im Hintergrund arbeiten.

Um zukünftig Gründer für den Energiesektor zu begeistern, möchte das RKW Kompetenzzentrum die Energiegründer und ihre Innovationen als Vorbilder darstellen. Dabei stehen vor allem die persönlichen Geschichten und Visionen der Gründer im Vordergrund. Diese persönliche Darstellung zeigt nicht nur, was Energiegründer machen, sondern auch,
wer dahinter steckt – sie bekommen ein Gesicht.

Die Website www.energiegruender.de ist in zwei Bereiche unterteilt: Zum einen werden die einzelnen Energiegründer wöchentlich vorgestellt. Im Laufe des Projektes entsteht so eine umfassende Sammlung von und mit Energiegründern. Zum anderen gibt es einen Blog zur Vernetzung der Akteure untereinander. Dieser informiert über aktuelle Themen aus der Energiegründerszene und liefert Informationen sowie Fortschreibungen über die Lebenszyklen der Gründungen. Im weiteren Verlauf des Projektes sind verschiedene Veranstaltungen und im Herbst 2015 ein Wettbewerb zwischen den teilnehmenden Energiegründern geplant.

Die Energiegründungen umfassen unter anderem Unternehmensgründungen, Spin-Offs von Universitäten oder die Etablierung von Vereinen, die mit ihren innovativen Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag zur Energiewende leisten. Anmeldungen erfolgen unter energiegruender@rkw.de

Mitmachen darf jeder, dessen Projekt oder Idee bereits heute in ökologischer Dimension etwas verbessert oder verändert, die Vernetzung und den Wissenstransfer zum Thema Energie unterstützt oder den Dialog über Lösungen im Energiebereich fördert. Im Energiesektor werden die Bereiche Energieversorgung, Gasversorgung, Kälte- und Wärmeversorgung sowie Dienstleistungen und Investitionsgüterproduktion erfasst. Die Energiewende lässt sich jedoch nicht ausschließlich auf den Energiesektor reduzieren, sondern zusätzlich leisten Unternehmen aus einem breiten Spektrum an Sektoren und Wirtschaftszweigen Beiträge zur Energiewende.

Das Projekt Energiegründer wurde in enger Zusammenarbeit mit dem BMWi und in Abstimmung mit Partnern geplant und umgesetzt. Mit Borderstep, Bettervest und Climate-KIC Centre Hessen konnten bereits wichtige Partner für die Entwicklung der Online-Plattform gewonnen werden.

Über das RKW Kompetenzzentrum:
Das RKW Kompetenzzentrum unterstützt kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland dabei, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und zu halten. In der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft werden praxisnahe Empfehlungen und Lösungen zu den Themen Fachkräftesicherung, Innovation und Gründung entwickelt. Das RKW Kompetenzzentrum ist eine bundesweit aktive, gemeinnützige Forschungs- und Entwicklungseinrichtung des RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft e. V.

Pressekontakt:
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