Ein starker Schritt für Menschenrechte! Zeigt uns, wer unsere Schuhe macht!

Pressemitteilung

Schuhmarken und Händler müssen transparent über die Einhaltung der Menschenrechte berichten

SÜDWIND fordert als Teil der Kampagne Change Your Shoes von deutschen und europäischen Schuhunternehmen wie u. a. Deichmann und Birkenstock die Offenlegung ihrer gesamten Lieferkette.

Bonn, 9. Mai 2017 – 23 Milliarden Paar Schuhe werden weltweit pro Jahr produziert. Wir in Deutschland kaufen davon jährlich durchschnittlich fünf Paar. Woher kommen diese Schuhe? Wie wurden sie hergestellt? „Auf der Schuhverpackung oder am Schuh selbst sucht man vergeblich nach Informationen über Produktions- und Arbeitsbedingungen“, kritisiert Dr. Sabine Ferenschild von SÜDWIND. Mit der Forderung nach mehr Transparenz in der Schuhindustrie startet heute eine europaweite Kampagne.

In den vergangenen zwei Jahren fanden Recherchen zu den Arbeitsbedingungen im Schuhsektor in elf Ländern statt: „Die überwiegende Zahl der Befragten erhält keinen existenzsichernden Lohn“, sagt Ferenschild. In Indonesien nähen mehr als 40.000 HeimarbeiterInnen in Handarbeit Schuhoberteile und bekommen dafür zwischen 20 und 30 Cent pro Paar. Der Mindestlohn in Bosnien Herzegowina, Mazedonien und Rumänien liegt zwischen 145 und 165 Euro pro Monat. Im Vergleich dazu liegt dieser in der Provinz Dongguan, China bei umgerechnet 213 Euro. Weder chinesische noch osteuropäische ArbeiterInnen können mit diesem Lohn einen angemessenen Lebensunterhalt für sich und ihre Familien bestreiten. Türkische ArbeiterInnen berichten von Hautkrankheiten, Gleichgewichtsstörungen und Asthma durch das Hantieren mit Farben, Kleber und Lösungsmittel. Die Befragten beklagen, dass sie nicht krankenversichert sind und gewerkschaftliche Organisierung nicht zugelassen wird. „Wir haben in den letzten Jahren Hunderte Fälle von Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. Egal wo, die Geschichten der Arbeiterinnen und Arbeiter wiederholen sich in erschütternder Weise“, resümiert Sabine Ferenschild.

Eine weltweite und vielgliedrige Kette von Produktionsstätten trennt uns KonsumentInnen von den ProduzentInnen. SÜDWIND sowie die anderen Mitglieder der Change Your Shoes-Kampagne fordern ein Ende der Verschleierung von Produktionsbedingungen und die Veröffentlichung der gesamten Produktionskette. Diese Transparenz ermöglicht einerseits ArbeiterInnen und Gewerkschaften gezielt auf Probleme aufmerksam zu machen. KonsumentInnen können andererseits Informationen über Produktions- und Arbeitsbedingungen bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen.

In der heute gestarteten Petition „Ein starker Schritt für Menschenrechte“ werden deutsche Schuhunternehmen wie u. a. Deichmann, Birkenstock aufgefordert, ihre Zulieferkette zu veröffentlichen und über Menschenrechtsstandards zu informieren.

KonsumentInnen sind eingeladen, die Petition „Starker Schritt für Menschenrechte. Zeigt uns, wer unsere Schuhe macht“ unter www.suedwind-institut.de zu unterstützen.

Kontakt:

Dr. Sabine Ferenschild
Tel.: +49 (0)228-76 36 98-16
E-Mail: ferenschild@suedwind-institut.de

Change Your Shoes ist eine Initiative von 18 Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen, die sich für eine nachhaltige und ethische Schuhlieferkette einsetzen. Indem die Kampagne KonsumentInnen für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert, Lobbyarbeit bei PolitikerInnen und Labelorganisationen leistet und Unternehmen drängt, ihre Sorgfaltspflichten wahrzunehmen, zielt sie darauf ab, soziale und ökologische Bedingungen in der Schuh- und Lederindustrie zu verbessern.




Neue Studie beleuchtet kritische Arbeits- und Produktionsbedingungen in der italienischen Gerberei-Industrie

Pressemitteilung

Bonn, 16. Dezember 2015: Im Durchschnitt kaufen die Deutschen pro Person im Jahr über fünf Paar Schuhe. Italien ist traditionell das bedeutendste Land für die Lederherstellung in Europa mit 60 % Anteil des gesamten in der EU produzierten Leders. Die neue Studie „A tough story of leather“ der Initiative „Change Your Shoes“ gibt Einblick in die Lederherstellung in Italien und beleuchtet das beliebte Leder ‚Made In Italy‘.

Verheerende Arbeitsbedingungen
„Nicht nur in asiatischen Gerbereien gilt es die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Diese Studie zeigt auf, dass es allein von 2009 bis 2013 in der italienischen Region Santa Croce 720 Arbeitsunfälle gegeben hat. Prekäre Arbeitsverträge nehmen stark zu. So sind auch Vier-Stunden-Verträge übliche Praxis geworden“, erläutert Anton Pieper, Referent bei SÜDWIND.

Enorme Umweltauswirkungen
„Gerbereien benötigen extrem viel Wasser und es fallen große Mengen toxischer Abfälle an. Pro Kilogramm Leder entstehen bis zu 6,15 Kilogramm Feststoffabfälle. Die Abwassermenge in Santa Croce entspricht damit der einer Stadt mit über drei Mio. Einwohnern – die tatsächliche Einwohnerzahl von Santa Croce beträgt aber nur 110.000“, erklärt Lena Bullerdieck vom INKOTA netzwerk.

Missstände aufdecken
Im Gegensatz zu den Missständen in der Bekleidungsindustrie sind die menschenunwürdigen Arbeits- und Produktionsbedingungen in der Leder – und Schuhproduktion bis jetzt noch weitgehend unbekannt. Mit der Kampagne „Change Your Shoes“ treten SÜDWIND und das INKOTA netzwerk gemeinsam mit 16 weiteren Partnerorganisationen in Europa und Asien dafür ein, Missstände in der Schuh- und Lederproduktion aufzudecken.

Per App auf dem Weg nach Brüssel
Darüber hinaus ist es das Ziel von „Change Your Shoes“, die Schuhproduktion transparenter zu machen, denn wer Schuhe kauft, hat das Recht zu wissen, unter welchen Bedingungen diese Schuhe produziert wurden und welche Chemikalien zum Einsatz kamen. Um mehr Transparenz zu erreichen, startete „Change Your Shoes“ einen virtuellen Marsch nach Brüssel. „Mit unserer App „Change Your Shoes“ kann man spazierengehend oder im Laufschritt seine Schritte zählen. Die gesammelten Schritte tragen zu einem virtuellen Marsch nach Brüssel bei, der die Forderung nach mehr Transparenz und klaren Regulierungen gegenüber der EU unterstützen soll“, erklärt Pieper die Idee der App.

Hintergrundinformationen:

Studie „A tough story of leather”
http://www.suedwind-institut.de/fileadmin/fuerSuedwind/Publikationen/2015/2015-32_FAIR_-_Change_your_shoes_ENG.pdf
App „Change your Shoes”
http://changeyourshoes.cantat.com
Video „Change Your Shoes”

Website „Change your Shoes”
http://www.suedwind-institut.de/changeyourshoes/

Kontakt:

Anton Pieper, SÜDWIND Institut
E-Mail: pieper@suedwind-institut.de, Tel.: +49 (0) 1575-0478929

Lena Bullerdieck, INKOTA netzwerk
E-Mail: bullerdieck@inkota.de, Tel.: 030-420 8202-53


„Change Your Shoes“ ist eine Initiative von 18 Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen, die sich für eine nachhaltige und ethische Schuhlieferkette einsetzen. Indem die Kampagne die KonsumentInnen für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert, Lobbyarbeit bei PolitikerInnen und Labelorganisationen leistet und Unternehmen drängt ihre Sorgfaltspflichten wahrzunehmen, zielt die Kampagne darauf ab, die sozialen und ökologischen Bedingungen in der Schuh- und Lederindustrie zu verbessern. Die Kampagne steht im Zeichen des Europäischen Jahr für Entwicklung und dessen Motto „Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft“.

„Change Your Shoes“ wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt. Für den Inhalt dieses Artikels ist allein SÜDWIND verantwortlich. Der Inhalt kann in keiner Weise als Standpunkt der Europäischen Union angesehen werden.
Das SÜDWIND Institut Das

Das SÜDWIND Institut arbeitet seit fast 25 Jahren zu einem breiten Spektrum von Nord-Süd-Themen, immer mit dem Ziel, ungerechte Strukturen aufzudecken, diese öffentlich zu machen, Handlungsalternativen zu bieten und so zu Veränderungen beizutragen. Dabei ist SÜDWIND stets unabhängig geblieben – sowohl inhaltlich als auch finanziell.

Kontakt:

SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene
Kaiserstraße 201
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