Kastenfenster im Wiener Gründerzeithaus: Sanieren statt tauschen schont Ressourcen und Stadtbild

Wien, 17. September 2026. In den Gründerzeithäusern Wiens sitzen noch Zehntausende originale Kastenfenster aus Holz. Viele davon werden bei Sanierungen gegen Kunststoff- oder Aluminiumfenster getauscht, obwohl der Rahmen aus über hundert Jahre altem Kernholz meist völlig intakt ist. Die Wiener Tischlerei aus Rudolfsheim-Fünfhaus setzt auf den anderen Weg: Das bestehende Fenster wird aufgearbeitet, abgedichtet und mit Isolierglas nachgerüstet – statt es zu entsorgen.

Warum das alte Holz besser ist als das neue

Kastenfenster der Jahrhundertwende wurden aus langsam gewachsenem, harzreichem Nadelholz gefertigt, das heute in dieser Qualität kaum mehr am Markt ist. Schäden konzentrieren sich fast immer auf wenige Stellen: die unteren Rahmenecken, das Wetterschenkel-Profil und die Kittfalze. Diese Bereiche lassen sich mit eingesetzten Holzstücken – im Handwerk „Anschäften“ genannt – dauerhaft reparieren. Der Rest des Rahmens bleibt erhalten. Ein Komplettaustausch ersetzt hingegen ein funktionsfähiges Bauteil durch ein neues, dessen Herstellung Energie und Rohstoffe verbraucht und dessen Entsorgung als Sondermüll endet.

Doppelte Ebene, doppelter Nutzen

Der bauphysikalische Vorteil des Kastenfensters liegt in seiner Konstruktion: zwei Fensterebenen mit einem Luftraum von 15 bis 25 Zentimetern dazwischen. Wird der innere Flügel mit einer schlanken Isolierverglasung ausgestattet und werden beide Ebenen mit Lippendichtungen versehen, erreicht das sanierte Fenster Wärmedurchgangswerte, die mit einem modernen Zweifachglasfenster vergleichbar sind. Der Schallschutz ist durch den großen Scheibenabstand sogar in der Regel besser als bei Neubaufenstern gleicher Preisklasse.

Ablauf einer Sanierung

Die Arbeit beginnt mit einer Bestandsaufnahme vor Ort: Zustand von Rahmen, Flügeln, Beschlägen und Verglasung wird dokumentiert, die Fenster werden vermessen. In der Werkstatt werden die Flügel ausgehängt, alte Farbschichten entfernt, schadhafte Holzpartien ergänzt und die Profile nachgehobelt. Anschließend erhalten die Flügel eine neue Verglasung, Dichtungen und – wo nötig – überarbeitete oder ergänzte Beschläge. Der Anstrich erfolgt mit wasserbasierten, diffusionsoffenen Lacken. Nach dem Wiedereinbau werden die Flügel eingestellt, damit sie leicht schließen und dicht anliegen.

Denkmalschutz und Stadtbild

In vielen Wiener Schutzzonen ist der Erhalt der straßenseitigen Fenster ohnehin Vorschrift. Aber auch dort, wo keine Auflage besteht, prägt das Kastenfenster mit seinen schmalen Sprossen und der tiefen Laibung das Gesicht des Hauses. Ein Kunststofffenster mit breiten Rahmen verändert die Proportionen der Fassade sichtbar.

Über die Wiener Tischlerei

Die Wiener Tischlerei ist ein Handwerksbetrieb mit eigener Werkstatt und eigenem Montageteam in der Sechshauser Straße 62/11, 1150 Wien. Neben der Sanierung von Kastenfenstern plant, fertigt und montiert der Betrieb Möbel nach Maß, Einbauschränke, Küchen, Innentüren in Sondermaßen und Holztreppen in allen 23 Wiener Bezirken und im Umland. Tischlerei ist in Österreich ein reglementiertes Gewerbe; der Betrieb ist Mitglied der Wirtschaftskammer Wien. Weitere Informationen unter https://tischlerei-wien.com/.

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Wiener Tischlerei
Harald Berger
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