Revision der EU-Öko-Verordnung | Politik darf Ökolandbau nicht in die Sackgasse führen!

PRESSEMITTEILUNG

Der ökologische Anbauverband Biokreis warnt vor einer Einführung von Grenzwerten für Bio-Produkte, wie sie ein Vorschlag der EU-Ratspräsidentschaft zur Revision der EU-Öko-Verordnung vorsieht. Am 30.11. wollen die Verhandler in einem open-end-Trilog so viele Änderungsvorschläge wie möglich abschließen und in der Folge eine neue Verordnung schmieden. Steht der Kompromiss, muss dieser danach von EU-Parlament und -Rat formal angenommen werden.
Zu den Änderungen an der bestehenden Verordnung gehört auch die Vorlage, dass Bio-Produkte nicht mehr nach dem Prozess, in dem sie hergestellt wurden, sondern nach ihrer Beschaffenheit definiert werden. Damit würde das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt. Denn eventuelle Verunreinigungen durch Pestizide stammen meist von konventionellen Feldern oder Rückständen bei der Verarbeitung. „Ausgerechnet Bio-Bauern, die mit ihrer Betriebsweise Böden, Wasser und Luft schützen, würden dafür büßen, was ihre konventionellen Kollegen verschulden“, sagt Gottfried Erves, bundespolitischer Sprecher des Biokreis, und fordert: „Die neue Öko-Verordnung darf nicht zur Bedrohung für den Ökolandbau werden.“

Bremse für Bio-Flow
Die Ablösung der Prozesskontrolle durch die Produktkontrolle ist ein völlig falscher Weg. Wenn ein Landwirt durch die konsequente Einhaltung der Bio-Richtlinien nicht mehr sichergehen kann, dass er am Ende ein ökologisches Produkt produziert hat, wird das wirtschaftliche Risiko für ihn zu groß. Denn höhere Produktionskosten müssen mit höheren Preisen ausgeglichen werden. Dieser Unsicherheitsfaktor könnte die aktuell positive Entwicklung des Ökolandbaus in Europa merklich bremsen − das wäre umso dramatischer, da sich die Nachfrage nach Bio-Produkten in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat. Außerdem kann aus der Bewertung des Endprodukts keine Aussage darüber gemacht werden, wie nachhaltig und artgerecht tatsächlich gewirtschaftet wurde. „An der Güte von Milch lässt sich nicht mit Sicherheit ablesen, ob es der Kuh wirklich gut geht“, sagt Biokreis-Geschäftsführer Sepp Brunnbauer.

Weiterentwicklung statt Bruch
Die politischen Rahmenbedingungen müssen zukünftig so gestaltet werden, dass sich der Ökolandbau bestmöglich entwickeln kann. Da sich die Prozesskontrolle in den vergangenen Jahren bewährt hat, sollte sie nicht abgeschafft, sondern weiterentwickelt werden. Wichtig wäre es, Importe aus dem Ausland besser zu kontrollieren und die Prozesskontrolle dahingehend zu optimieren. Enge, regionale und vertrauensvolle Netzwerke, wie sie der Biokreis seit seiner Gründung pflegt, sollten auf dem Markt durch sicheren und transparenten grenzüberschreitenden Handel komplementiert werden.

Die Defizite bei der Überwachung und sachgerechten Umsetzung der Kontrolle insbesondere in Drittländern, aber auch in der EU sind bekannt, insbesondere wenn es um Verdachtsfälle oder festgestellte Verstöße geht. Dies war einer der Hauptgründe für die Revision des Bio-Rechts. Die vom EP eingebrachte „Liste wichtiger Aufgaben zur Verbesserung der Umsetzung“ sollte in der Öko-Verordnung verankert werden.

Qualität vor Geschwindigkeit!
Nach fast drei Jahren Verhandlungen über ein neues Bio-Recht wollen die Verhandlungspartner bis zum 12.12. zu einem Abschluss kommen. Seit dem Wechsel der Verhandlungsführung im Sommer von den Niederlanden zur Slowakei ist Bewegung in die Sache gekommen. Die Bereitschaft zur Einigung ist bei allen Beteiligten gewachsen. Die Verhandlungen sind nach zwölf Trilog-Runden weit fortgeschritten. Ob eine Einigung gelingen wird, wird sich im Dezember entscheiden. Es gibt zwar deutliche Fortschritte bei den Regeln für Erzeugung und Verarbeitung sowie über die Struktur und die Ermächtigungen einer neuen EU-Öko-Verordnung. Allerdings sind auch noch viele wichtige Fragen offen. „Bei aller Eile muss weiter sorgfältig gearbeitet werden“, sind sich Biokreis-Geschäftsführer Sepp Brunnbauer und bundespolitischer Sprecher Gottfried Erves einig. „Wir Bio-Unternehmer brauchen praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit.“

Kontakt:
Ronja Zöls
Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit
zoels@biokreis.de
Biokreis e.V.
Stelzlhof 1
94034 Passau
Tel: 0851/75650–0

Biokreis – Wir machen Bio lebendig! Rund 1200 Bio-Bauern und 150 Lebensmittel-Verarbeiter wirtschaften bundesweit nach unseren Richtlinien. Auch 200 Verbraucher gehören zu unseren Mitgliedern. Gemeinsam gestalten wir kreativ und konsequent ökologischen Landbau. Wir stehen seit 1979 für regionale, vertrauensvolle Netzwerke, Tierwohl, handwerkliche Lebensmittelverarbeitung und treten basisdemokratisch mit neuen Ideen, politischer Arbeit und wirksamer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere ganzheitliche Vorstellung von Ökolandbau sowie dessen Weiterentwicklung ein.




Naturland und Lammsbräu: Gemeinsam mit Europaabgeordnetem Deß für praxisgerechte Neufassung der EU-Öko-Verordnung

Presseinformation

– Europaabgeordneter und agrarpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion Albert Deß zum politischen Austausch mit Neumarkter Lammsbräu und Naturland auf Öko-Hof Stephan in Seubersdorf bei Neumarkt

-Neufassung der EU-Öko-Verordnung darf positive Entwicklung der bayerischen Öko- Branche nicht ausbremsen und muss praxisgerecht sein

– Forderungskatalog der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) überreicht

Seubersdorf, 11.08.2015 – Die Generalbevollmächtige von Neumarkter Lammsbräu und AöL-Vorstand Susanne Horn und der Naturland Präsidiumsvorsitzende Hans Hohenester sind sich mit dem Europaabgeordneten und agrarpolitischen Sprecher der EVP-Fraktion Albert Deß einig: Die Neufassung der EU-Öko-Verordnung darf auf keinem Fall zu Lasten der bayerischen Öko-Branche gehen. Der Europaabgeordnete besuchte an diesem Dienstag, auf Einladung von Neumarkter Lammsbräu und Naturland, den Naturland Hof Stephan in Seubersdorf, in der Nähe von Neumarkt in der Oberpfalz. „Der Öko-Landbau leistet nicht nur einen unverzichtbaren gesellschaftlichen Beitrag, indem er für gesunde Böden, mehr Artenvielfalt und eine lebenswerte Umwelt sorgt, er schafft auch nachweislich Arbeitsplätze und eine nachhaltige Wertschöpfung in der Region“, so Hans Hohenester. „Lammsbräu und seine Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe EZÖB, zu der auch der Naturland Hof Stephan gehört, machen das seit über zwei Jahrzehnten absolut beispielhaft vor“, so Hohenester weiter.

„Die positiven Entwicklungen der letzten 25 Jahre dürfen jetzt nicht durch eine praxisuntaugliche Neufassung der EU-Öko-Verordnung gefährdet werden“, warnte der Naturland Präsidiumsvorsitzende. Statt beispielsweise die bewährte Prozesskontrolle des Öko-Landbaus aus konventionellem Denken heraus unnötig in Frage zu stellen müsse der Öko-Landbau durch geeignete Maßnahmen weiter gestärkt werden, wie es der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner mit seinem BioRegio 2020 Programm vormache, so der Hohenester. „Nach dem leider in vielerlei Hinsicht untauglichen Vorschlag des EU-Agrarministerrats zur Neufassung der EU-Öko-Verordnung vom 16. Juni, ist jetzt das EU-Parlament gefordert“, ergänzt die Lammsbräu-Generalbevollmächtigte Horn. „Das Parlament muss jetzt auf Basis seines schon am 7. Mai vorgelegten Berichts einen gangbaren Weg finden, der der Öko-Branche in Bayern und ganz Europa nützt, anstatt sie unnötig auszubremsen“, so Horn. Wie dieser aussehen sollte, skizziert ein Zwölf-Punkte-Papier der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL), das Horn beim Austausch an die Gesprächspartner aus Politik und Öko-Branche übergab.

Ähnlich sieht das Albert Deß, Europaabgeordneter und agrarpolitischer Sprecher der EVP Fraktion. „Der Vorschlag der Kommission ist von Anfang an in die falsche Richtung gegangen. Ich teile hier die Besorgnis der Öko-Branche. Eine Überarbeitung der EU-Öko-Verordnung muss das Ziel haben den Öko-Landbau auch für die Zukunft auf eine stabile Basis zu stellen und für mehr Öko-Landbau und nicht für weniger zu sorgen.“ Der Europaabgeordnete sagte deshalb zu, sich in Brüssel und Straßburg für eine praxisgerechte Neufassung der EU-Öko-Verordnung einzusetzen und dabei den Forderungen der Öko-Branche das nötige Gehör zu verschaffen.

Sollte es in den Verhandlungen von Rat und Parlament zur Revision der EU-Öko-Verordnung nicht gelingen, den Rechtsrahmen für die Öko-Landwirtschaft praxistauglich weiterzuentwickeln, müsse aber auch ein vorrübergehender Abbruch der Verhandlungen eine Option sein, so die Vertreter von Naturland und Lammsbräu unisono.

Zum Hintergrund
Im März 2014 hat die EU-Kommission eine umstrittene Vorlage für ein neues Bio-Recht vorgelegt. Der EU-Agrarrat stimmte seine Position dazu im Juni 2015 ab. Im Herbst starten EU-Agrarrat und -Parlament den von der EU-Kommission moderierten Trilog-Prozess, um das neue EU-Öko-Recht final auszuhandeln.

Neumarkter Lammsbräu

Neue Wege beschreiten und sich dabei an den Grundprinzipien der Natur orientieren – das kennzeichnet die Neumarkter Lammsbräu seit langem. Als junger Chef einer Familienbrauerei mit über 380-jährigen Geschichte, machte sich der heutige Inhaber Dr. Franz Ehrnsperger schon in den 1970er Jahren auf die Suche nach den besten Rohstoffen für sein Bier – und wurde im ökologischen Landbau fündig. Und auch die Idee dahinter überzeugte ihn. Die aus dieser Überzeugung entstandenen Umweltrichtlinien prägen das Unternehmen bis heute und legten den Grundstein für eine ganz eigene „Bio-Tradition“. Inzwischen ist die Neumarkter Lammsbräu Marktführer für Bio-Bier und produziert mit rund 110 Mitarbeitern und unter ausschließlicher Verwendung kontrolliert-ökologischer Zutaten 80.500 hl Bier und 98.600 hl alkoholfreie Getränke pro Jahr, darunter die now-Bio-Limonaden und das erste nach Bio-Richtlinien zertifizierte Mineralwasser BioKristall. Getränke, die nicht nur höchsten Genuss versprechen, sondern immer auch die Gewissheit beinhalten, mit jedem Schluck den Umweltschutz zu fördern.

Mehr zu Lammsbräu unter www.lammsbraeu.de/

Naturland

Seit über 30 Jahren gehen Naturland Bauern und Verarbeiter als Pioniere voran. Aktuell wirtschaften in Deutschland mehr als 2.600 Naturland Betriebe auf einer Fläche von gut 136.000 ha, international bewirtschaften über 38.000 Bauern eine Fläche von gut 113.000 ha. Für Naturland bedeutet Öko-Landbau, Tradition mit der Moderne und Erfahrungen mit dem Mut zu Neuem zu verbinden. Naturland Bauern und Verarbeiter wirtschaften nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Sie bewahren die Artenvielfalt, sorgen für fruchtbare Böden, schützen das Wasser und wirken dem Klimawandel entgegen. So entwickeln sie die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft beständig weiter. Naturland Bauern und Verarbeiter wirtschaften mit Blick auf die nachfolgenden Generationen und entwickeln Lösungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Ihr Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise lautet: ökologisch, zukunftsweisend und fair.
Zum Hintergrund

Mehr zu Naturland unter http://www.naturland.de/de/

Pressekontakt Lammsbräu:

Dr. Daniel Haussmann
Thomas Pfaff Kommunikation
Tel.: +49-89-992496-54
E-Mail: haussmann@pfaff-kommunikation.de

Pressekontakt Naturland:

Sebastian Mittermaier
Referent Agrarpolitik/Landbau
Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
Tel  +49 (0) 89-89 80 82-27 / 0172 6598387
E-Mail: s.mittermaier@naturland.de