Oxfam-Bericht zum Weltwassertag – Im Gaza-Streifen ist die Gesundheit von rund zwei Millionen Menschen bedroht

[Presse-Info]

Internationaler Wiederaufbau-Mechanismus für das 2014 zerstörte Gebiet funktioniert nicht.

Berlin, 22.03.2017. Im Gaza-Streifen ist die Gesundheit von knapp zwei Millionen Menschen bedroht, weil die im Krieg von 2014 zerstörte Wasser- und Sanitärversorgung nicht erneuert werden kann. Grund hierfür ist die von Israel verhängte Versorgungsblockade des dicht besiedelten Landstrichs. Die vor zwei Jahren vereinbarten UN-Regeln zum Wiederaufbau funktionieren nicht, lebenswichtige Güter erreichen das Gebiet nur sehr eingeschränkt. Das zeigt ein aktueller Oxfam-Bericht, den die internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation anlässlich des Weltwassertages am 22.3. vorstellt.

Der Bericht belegt, dass der von den Vereinten Nationen ausgehandelte Mechanismus zum Wiederaufbau des Gaza-Streifens (GRM) grundlegende Mängel aufweist und der internationalen Verantwortung für die Menschen in Gaza nicht gerecht wird.

• 2.950 der Güter für den Aufbau einer Wasser- und Abwasserinfrastruktur warten noch auf eine Genehmigung im Rahmen des GRMs.
• Nur 16 Prozent aller durch den GRM genehmigten Güter für die Wasser- und Hygieneversorgung haben den Gaza-Streifen tatsächlich erreicht.
• Ein Großteil der von der israelischen Regierung als „Dual-use“-Güter eingestuften Gegenstände (mögliche Verwendung sowohl für zivile als auch militärische Zwecke) für den Wasser- und Hygienesektor durchläuft bürokratische Prozesse von 61 bis 100 Tagen, bevor sie entweder genehmigt oder abgelehnt werden.
• Weniger als die Hälfte der Wasser- und Hygieneprojekte, die unter dem GRM realisiert werden sollten, konnten bis jetzt fertiggestellt werden.

Oxfams Landesdirektor Chris Eijkemans: „Sauberes Trinkwasser ist in Gaza Mangelware, die hygienischen Verhältnisse sind vielerorts katastrophal. Längst ist klar, dass der internationale Wiederaufbauplan gescheitert ist. Das Grundproblem ist die seit zehn Jahren bestehende völkerrechtswidrige Versorgungsblockade Gazas durch Israel. Zwar konnten in den vergangenen zwei Jahren mit Hilfe des UN-Aufbaumechanismus einige Güter nach Gaza gelangen, doch indem Vereinte Nationen und Regierungen die willkürlichen Beschränkungen hinnehmen, legitimieren und verfestigen sie die unrechtmäßige Blockade.“

Beschränkungen sind unverhältnismäßig

Dreh- und Angelpunkt der Blockade ist die sogenannte „Dual-use“-Güterliste, mit der die israelische Regierung die Einfuhr militärisch verwendbarer ziviler Güter verhindern will. Dem Bericht zufolge geht die Liste jedoch weit über diesen Zweck hinaus und führt dazu, dass eine Vielzahl von Materialien und Geräten, die für die Aufrechterhaltung lebenswichtiger ziviler Infrastruktur benötigt wird, nicht oder nur mit großer Verzögerung eingeführt werden kann.

Die Lage wird durch die innerpalästinensische Spaltung zwischen der offiziellen Behörde im Westjordanland und den De-facto-Behörden im Gaza-Streifen verschärft, da beide Parteien kaum oder gar nicht miteinander kommunizieren oder sich abstimmen. Oxfam fordert die palästinensischen Verantwortlichen auf, den Versöhnungsprozess in den Vordergrund zu stellen, die Koordinierung zu verbessern und die Entwicklung des Gaza-Streifens entschlossen voranzutreiben.

Hintergrundinformationen

•Der Bericht „Treading Water. The worsening water crisis and the Gaza Reconstruction Mechanism“ steht unter Sperrfrist (22.3.2017, 1:01 Uhr MEZ) unter folgendem Link zum Download bereit: https://oxfam.box.com/s/12ahz1s59rdgdxqg3awa4tgcl6y1k4vj
• Ein Großteil – schätzungsweise 70 Prozent – der Güter, die für den Wasser- und Hygienesektor gebraucht werden, fallen unter die Kategorie „dual-use“ (mögliche Verwendung sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke) oder werden eigenständig von Israel als solche eingestuft.
• Der GRM gibt israelischen Behörden die Möglichkeit, aufgrund von Sicherheitsbedenken die Einfuhr von Gütern abzulehnen, selbst von solchen, die für den Aufbau und Betrieb der Infrastruktur in Gaza notwendig sind. Israel kann wegen Sicherheitsbedenken zudem Projekte signifikant verzögern – obwohl diese Güter und Vorhaben durch die internationale Gemeinschaft finanziert und streng überwacht werden.

Pressekontakt:

Steffen Küßner, Tel.: 030-45 30 69 710, E-Mail: skuessner@oxfam.de

Oxfam ist eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten im Oxfam-Verbund 19 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 3.500 lokalen Partnern in mehr als 90 Ländern.

Mehr unter www.oxfam.de

Oxfam Deutschland e.V.
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin
Deutschland




Kindergarten-Gründung in Gaza – Nachhaltige Unterstützung in der Krisenregion

Karlsruhe, 06.10.2016

Von 23. bis 30. Oktober 2016 wird erneut ein Notfallpädagogisches Team der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners in den Gaza-Streifen reisen, um kriegstraumatisierte Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Der Einsatz wurde unter anderem möglich durch zahlreiche Einzelspenden an die ehrenamtlichen Teammitglieder.

Seit vielen Jahren beruhigen sich die Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen kaum, die Bevölkerung ist permanenten Spannungen ausgesetzt. Der letzte notfallpädagogische Einsatz fand 2014 statt. Damals endete der bisher schlimmste Gazakrieg. Die Bilanz waren über 2200 getötete Palästinenser, darunter allein 500 Kinder. Tausende Menschen wurden verletzt, rund 20.000 Häuser zerstört oder beschädigt. Seit dem hat sich an der Situation vor Ort trotzdem kaum etwas verändert. Viele Familien sind über mehrere Generationen traumatisiert und werden durch die ständige Bedrohung und die wiederholt aufflammenden Konflikte immer wieder aufs Neue belastet. Besonders schlimm ist die Situation für die vielen Kinder und Jugendlichen.

Bereits 2009 kam es zu einem ersten notfallpädagogischen Einsatz im Gaza-Streifen, der aus Sicherheitsgründen jedoch nach wenigen Tagen abgebrochen werden musste. In der Zwischenzeit folgten zahlreiche Einsätze in den Gaza-Streifen, durch die Freundschaften und dauerhafte Kooperationen entstanden. Unser langjähriger Projektpartner trägt seit Jahren zum Wiederaufbau bei, wo ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht wurden. Es entstand bereits ein Jugendzentrum und ein Child Friendly Space. Nun baut Reem Abu Jaber mit weitern Helfern einen Kindergarten und ein Bildungszentrum. Die Einrichtungen erschließen in Gaza ein pädagogisch neues Feld, bei dem die Erziehung des ganzen Menschen im Zentrum steht, betont Peter Elsen, Eurythmist und Mitglied des Notfallpädagogischen Teams. Der Bau des neuen Kindergartens ist schon weit fortgeschritten und kann nun mit Spendengeldern aus einem Sponsorenlauf im Rahmen des WOW-Day fertiggestellt werden. Die Einweihung wird dann noch in diesem Jahr stattfinden. Aus diesem Grund steht beim aktuellen Einsatz im Oktober neben der direkten pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen die fachliche Schulung palästinensischer Pädagogen im Vordergrund. Die neuen und alten lokalen Mitarbeiter, die die Notfallpädagogen zum Teil schon aus vergangenen Einsätzen kennen, sollen weiter geschult und beraten werden. Kurze Fortbildungseinheiten und Praxisbeispiele sollen sie unterstützen und ihnen eine Hilfe beim Aufbau des Kindergartens und des Bildungszentrums sein.

Das vierköpfige Team besteht aus zwei Waldorf-Pädagogen, einem Sozial- & Erlebnispädagogen, einer Kunsttherapeutin und einem Eurythmisten. Sie alle sind erfahrene Notfallpädagogen und haben bereits mehrfach an Einsätzen im Gaza-Streifen teilgenommen.

Spendenkonto
GLS Bank Bochum BLZ 430 609 67 Konto 800 800 700
IBAN DE06 4306 0967 0800 8007 00
BIC GENODEM1GLS Stichwort „Notfallpädagogik“
Kontakt Presse:
Reta Lüscher-Rieger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik Tel.: 0721-354806 140
Fax: 0721-354806 180 E-Mail: r.luescher-rieger @freunde-waldorf.de Webseite: www.freunde-waldorf.de

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 20.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich fast 2.000 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten.

Seit 2006 sind die Freunde der Erziehungskunst im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten sie bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008 und 2013), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Japan (2011) und Kenia (2012 – 2013), Bosnien und Herzegowina (2014), Griechenland (2015), Slowenien (2015), Nepal (2015-2016), Ecuador (2016), Gaza (2009 – 2016), Philippinen (2013-2016), Kurdistan-Irak (2013-2016).

Pressekontakt
Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.
Friends of Waldorf Education
Abteilung Notfallpädagogik
Department Emergency Pedagogy

Neisser Str. 10
D- 76139 Karlsruhe

Tel +49 (0)721/354806 -183
Fax +49 (0)721/354806 -180
E-Mail r.luescher-rieger@freunde-waldorf.de
www.freunde-waldorf.de
www.facebook.com/FreundeNFP