Notfallpädagogik gegen die Verzweiflung – Unvorstellbare Zerstörung nach dem stärksten Hurrikan seit 9 Jahren

Karlsruhe, 19.11.2016
Wenige Wochen nach dem verheerenden Hurrikan Matthew reiste am 29. Oktober ein Team der Notfallpädagogik der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners nach Haiti. Maximale Windgeschwindigkeiten und sintflutartige Starkregen hatten ganze Landstriche des bitterarmen Landes verwüstet, Bäume wurden entwurzelt und Häuser zerstört. Mit Unterstützung von Aktion Deutschland Hilft, weiteren Spendern und in Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen konnte ein zehnköpfiges Team zwei Wochen vor Ort mit Lehrern und Kindern arbeiten.

Bereits am 12. Januar 2010 wurde der verarmte Inselstaat durch ein Erdbeben der Stufe 7 getroffen. Viele haben die Erinnerungen an diese Katastrophe auch nach 6 Jahren nur unzureichend verarbeitet und leiden immer noch unter den Folgen. Nun wurden die seelischen Wunden durch den Sturm erneut aufgerissen, die Menschen wurden retraumatisiert. Hinzu kommen weitere Probleme durch die Zerstörung der Landwirtschaft und der Natur für die Menschen. Viele Bauern haben ihre Ernte und somit die einzige Einkommensquelle verloren und wissen nun nicht, wie es weitergehen soll. Zur Bewältigung dieser Erlebnisse und zur Stabilisierung der Betroffenen ist die psycho-soziale Unterstützung unerlässlich.

Auf zum Teil abenteuerlichen Routen erreichten unsere Ehrenamtlichen Mitarbeiter auch jene entlegenen Gebiete, die besonders hart vom Wirbelsturm getroffen wurden. Notfallpädagogische Seminare in Schulen, die momentan als Notunterkünfte fungieren, vermittelten den Lehrern traumapädagogisches Grundwissen und notfallpädagogische Methoden. Die Angebote für Kinder und Jugendliche geben diesen Sicherheit, Struktur und Kontinuität und ermöglichen ihnen den Aufbau neuen Vertrauens in sich und die Umwelt. Auch den Lehrern hilft die Arbeit; sie berichten von wiedererlangter Energie und frischen Ideen für den Schulalltag als auch im Umgang mit traumatisierten Kindern.

Neben pädagogischer Erster Hilfe brachte das Team auch medizinische Versorgung nach Haiti: Kontrolluntersuchungen, Wundversorgung und chronische Schmerzen mussten behandelt werden. Auch Einzelbetreuungen für auffallend stark Betroffene wurden durch den Einsatz möglich. Eines dieser besonders traumatisierten Kinder ist der 13-jährige Ed: Sein Sehvermögen beträgt lediglich 5%, er hat eine Kieferfehlstellung und eine operierte Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Beim Erdbeben 2010 verlor er seine Mutter. Er lebt nun notgedrungen bei Verwandten, die mit der Betreuung des behinderten Jungen überfordert sind und ihn mehr schlecht als recht versorgen. Ed spricht kaum, mit Erwachsenen hat er seit dem Hurrikan kein Wort mehr gewechselt. Zudem konnte er durch den traumatischen Stress kaum mehr schlafen. Nach einer Massage durch unsere Notfallpädagogin konnte er endlich Entspannung finden und anschließend einige Stunden schlafen. Durch die Zuwendung und notfallpädagogische Übungen sprach er nach 5 Tagen erstmals seit dem Sturm wieder.

Manchmal reichen aber auch einfach Aufmerksamkeit oder kleine Beschäftigungen, die die Kinder Selbstwirksamkeit erleben lassen. So kann bereits die Initialzündung zur Aktivierung ihrer Selbstheilungskräfte gegeben werden.

Kontakt
Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.
Neisser Str. 10
D-76139 Karlsruhe
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Fax: +49 (0)721 354806-180
notfallpaedagogik@freunde-waldorf.de
Um Einsätze wie diesen finanzieren zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Jeder Beitrag hilft uns, Kinder in Not zu unterstützen.

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Stichwort “Notfallpädagogik”

Kontakt Presse:
Reta Lüscher-Rieger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik
Tel.: 0721-354806 140
Fax: 0721-354806 180
E-Mail: r.luescher-rieger @freunde-waldorf.de
Webseite: www.freunde-waldorf.de

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 20.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich fast 2.000 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten. Seit 2006 sind die Freunde der Erziehungskunst im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten sie bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008 und 2013), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Japan (2011) und Kenia (2012 – 2013), Bosnien und Herzegowina (2014), Griechenland (2015), Slowenien (2015), Nepal (2015-2016), Ecuador (2016), Gaza (2009 – 2016), Philippinen (2013-2016), Kurdistan-Irak (2013-2016).




Saatgut-Hilfe für Haiti | Landwirtschaft nach Hurrikan wieder aufbauen – BNN und Naturland richten Spendenkonto ein

Spendenaufruf, 18.10.2016

Hurrikan Matthew hat das Land Haiti, das zu den ärmsten der Welt gehört, schwer getroffen. Noch hat die reine Katastrophenhilfe oberste Priorität, um die Menschen mit dem unmittelbar Notwendigsten zu versorgen. Zugleich muss aber in der Landwirtschaft jetzt schon an die nächste Aussaat gedacht werden, damit die haitianischen Bauern nicht langfristig auf Lebensmittelhilfen angewiesen bleiben.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) und Naturland haben deshalb ein Spendenkonto eingerichtet, damit Haiti und seine Menschen auch über die unmittelbare Nothilfe hinaus die Unterstützung bekommen, die das gebeutelte Land nun dringend benötigt. Denn mit den Ernten, die der Hurrikan vernichtet hat, ist auch das Saatgut verloren gegangen, das die Bauern traditionell nach der Ernte für die neue Aussaat zurücklegen. Wenn im Januar nicht Mais, Hirse und Bohnen in den Boden kommen, ist eine weitere Anbausaison verloren.

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, BÖLW-Vorsitzender und langjähriges Naturland Präsidiumsmitglied, hat seit Jahrzehnten enge Kontakte in das Land. Als Entwicklungshelfer hat er drei Jahre lang im jetzt am stärksten betroffenen Südwesten Haitis gearbeitet. Löwenstein ist vertraut mit der Situation im Land und mit der Arbeit vieler dort tätiger Entwicklungsorganisationen.

Eine davon ist die Nichtregierungs-Organisation ORE (Organization for the Rehabilitation of the Environment; www.oreworld.org). Ihr Tätigkeitsradius umfasst genau die Gegend, über die das Zentrum des Sturmes gezogen ist. ORE züchtet seit über 30 Jahren Saatgut zusammen mit den Bauern. Schon jetzt besorgt und verteilt ORE Gemüsesaatgut, das unmittelbar ausgesät werden kann. Aber auch für die Januar-Aussaat muss jetzt mit der Beschaffung begonnen werden. „Mit nachbaufähigem Saatgut soll den Bauern zudem eine Alternative geboten werden, damit sie nicht von gentechnisch verändertem Saatgut abhängig werden, das sie für jede Aussaat neu kaufen müssen“, sagte Löwenstein.

Unter dem Stichwort „Saatgut-Hilfe für Haiti“ haben der BNN und Naturland deshalb ein Spendenkonto eingerichtet, um ORE dabei zu unterstützen, dass die haitianischen Bauern schnell mit passendem Saatgut versorgt werden. Der BNN und Naturland werden als Grundstock 1.000 Euro in den Fonds einzahlen. Jede weitere Unterstützung ist willkommen – ob von Erzeugern, Verarbeitern, Handelsunternehmen oder Verbraucherinnen und Verbrauchern. Jede Spende zählt!

Spenden bitte auf folgendes Konto überweisen:

Kontoinhaber: Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
Bank: Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg
IBAN: DE72 7025 0150 0028 5993 97
BIC: BYLADEM1KMS
Verwendungszweck: Saatgut-Hilfe für Haiti
Bei Spenden bis zu 200 Euro erkennt das Finanzamt Ihren Überweisungsbeleg als Spendenbeleg an. Für höhere Spenden bitte vollständige Adresse auf dem Überweisungsformular angeben.

Kontakt:
Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
Kleinhaderner Weg 1, 82166 Gräfelfing
Markus Fadl | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 089/89 80 82 31 | Email: m.fadl@naturland.de

Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V.
Michaelkirchstraße 17/18, 10179 Berlin
Marcel-Philipp Werdier | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030/847 12 24 56 | Email: werdier@n-bnn.de