Niger: Ausnahmezustand in Grenzregion zu Nigeria verschärft humanitäre Krise

[PRESSE-INFO]

Oxfam-Bericht beschreibt Auswirkungen auf den Alltag der Menschen

Berlin, 3.2.2017. In der Region Diffa im westafrikanischen Niger droht eine ernste Nahrungsmittelkrise, warnt die internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem aktuellen Bericht. Ein Grund ist die radikalislamische Gruppierung Boko Haram aus Nigeria, die auch auf der anderen Seite der Grenze in Niger operiert. Entscheidend ist jedoch der Ausnahmezustand, den die nigrische Regierung 2015 über die südöstliche Region Diffa verhängt hat. Seitdem sind die Haushaltseinkommen in der Region um bis zu neunzig Prozent eingebrochen.

Markus Nitschke, Referent für Krisen und Konflikte bei Oxfam Deutschland, erklärt: „Der Ausnahmezustand untergräbt die Lebensgrundlage der Menschen in Diffa. Er behindert das Wirtschaftsleben der gesamten Region. Deswegen breitet sich der Hunger immer weiter aus. Viele Menschen sind inzwischen von humanitärer Hilfe abhängig. Andere gehen erhebliche Risiken ein, damit ihre Familien überleben können. Zudem stellen die Menschen, die ihre angestammte Umgebung verlassen mussten, eine zusätzliche Belastung für diejenigen Dörfer dar, in denen sie Zuflucht gefunden haben. Der Preis, den die Bevölkerung für den Kampf gegen Boko Haram zahlt, ist zu hoch. Darum muss die Regierung den Ausnahmezustand lockern: Die Bevölkerung muss wieder in die Lage versetzt werden, ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.“

Grenzüberschreitender Handel kommt zum Erliegen

Der aktuelle Oxfam-Bericht „Red gold and fishing in the Lake Chad Basin“ beschreibt, welche Folgen der Ausnahmezustand auf den Alltag der Menschen in der Region hat: Im Zuge der Notstandsregelung wurden in Diffa Märkte geschlossen, die Fischerei im Tschadsee untersagt und der Nachschub an Düngemitteln und Treibstoff beschränkt. Damit fehlen dringend benötigte Ressourcen für den Anbau von Pfeffer, der wegen seiner wichtigen Rolle für die regionale Exportwirtschaft auch als „rotes Gold“ bezeichnet wird. Der grenzüberschreitende Handel zwischen Niger und Nigeria ist fast völlig zum Erliegen gekommen.

Zugang zu Ackerflächen massiv eingeschränkt

Massiv eingeschränkt wurde auch die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung in Diffa. Familien mussten vorübergehend ihre Dörfer und ihr Ackerland verlassen. Weite Teile der Region wurden militärisches Sperrgebiet, einschließlich des Tschadsees, und sind für die Zivilbevölkerung gesperrt.

Laut einer von Oxfam für den Bericht durchgeführten Umfrage ist der Anteil der Bevölkerung, der vom Pfefferanbau lebt, seit Beginn des Konflikts um 96 Prozent gesunken. Diejenigen, die weiterhin Pfeffer anbauen, können damit heute nur noch gut die Hälfte des Einkommens erwirtschaften, die sie vor dem Konflikt hatten. Kleinbauern und Farmpächter sagten, sie könnten heute im Schnitt nur noch ein Fünftel der Ackerfläche nutzen, die ihnen früher zur Verfügung stand.

Wer trotz Ausnahmezustand und Verbot weiterhin an der Fischerei festhält, muss sich nicht nur vor Boko-Haram-Angriffen fürchten, sondern auch davor, vom Militär aufgegriffen und angeklagt zu werden. Diese Sorge teilen auch viele kleinbäuerliche Produzent/innen, die die Grenze zu Nigeria überqueren, um sich dort Treibstoff und Düngemittel zu beschaffen, was zurzeit illegal ist.

Weiterführende Informationen:

– Link zum Bericht „Red gold and fisching in the Lake Chad Basin“: https://www.oxfam.de/system/files/report-red-gold-fishing-lake-chad-010217-en.pdf
– Der Bericht „Red gold and fishing in the Lake Chad Basin“ basiert auf der umfangreichen Oxfam-Analyse „A Modified Emergency Market Mapping Analysis and Protection Analysis: Smoked fish and dried red pepper income market systems Diffa Region, Eastern Niger“. Diese steht unter folgendem Link zum Download bereit: http://policy-practice.oxfam.org.uk/publications/a-modified-emergency-market-mapping-analysis-and-protection-analysis-smoked-fis-620163

Pressekontakt:

Steffen Küßner, Tel.: 030-45 30 69 710, 0177-8809977, E-Mail: skuessner@oxfam.de

Oxfam ist eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiert, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten im Oxfam-Verbund 18 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 3.200 lokalen Partnern in mehr als 90 Ländern.

Mehr unter www.oxfam.de

Oxfam Deutschland e.V.
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin




OEOO nimmt als einzige internationale NGO am Ölreinigungsprojekt der nigerianischen Regierung teil

München, 17. März 2016 – Die Münchner Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. (OEOO) ist auf Einladung von Hajiya Amina, der nigerianischen Umweltministerin, die einzige internationale NGO, die am staatlichen Reinigungsprogramm für die Ogoni People ab Anfang April 2016 teilnehmen darf. Mitarbeiter von OEOO waren seit Mitte Dezember 2015 vor Ort, um verschiedene Reinigungsprojekte und Produktdemonstrationen im Nigerdelta voranzutreiben und weitere Kontakte zu nationalen Politikern und Umweltgruppen zu knüpfen. Nnimmo Bassey, weltbekannter Umweltaktivist und Träger des Alternativen Nobelpreises, unterstützt die Reinigungsprojekte von OEOO und öffnete dem Verein die Tür zum staatlichen Umweltministerium Nigerias. Für zukünftige Reinigungsprojekte sucht OEOO nun Paten und Sponsoren.

Das Nigerdelta in Nigeria ist eines der erdölreichsten Gebiete Afrikas, doch wird die Landschaft regelmäßig durch Ölunfälle an den Förderanlagen und Pipelines stark verschmutzt, die Umweltschäden sind immens. Experten schätzen, dass in den letzten Jahrzehnten mehr als zwei Millionen Tonnen Rohöl ins Ökosystem des Nigerdeltas gelangt sind und die Lebensgrundlagen vieler Bauern und Fischer zerstört haben. Das Volk der Ogoni erhob international schwerste Vorwürfe gegen die Erdölförderung und wurde so zum Vorkämpfer für die Wiederherstellung der Umwelt. Der versuchte Genozid durch die Zerstörung ihrer Dörfer und die Ermordung ihrer Anführer ist eine der Ursachen für die prekäre Sicherheitslage im Nigerdelta. Um hier Entspannung zu erreichen, wurde das OGONI Project von der nigerianischen Regierung initiiert, das diesen Menschen ihre Lebensgrundlage (Ackerland, saubere Flüsse und vor allem sauberes Trinkwasser) zurückzugeben soll.

Die Münchner Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. (OEOO) engagiert sich bereits seit 2015 und hatte in einem ersten Pilotprojekt im Nigerdelta mithilfe des Ölbinde-Mittels PURE der Firma DEUREX auf eigene Kosten ein ölverseuchtes Gewässer gereinigt. Damit wollte man Politikern, Entscheidern und NGOs vor Ort demonstrieren, dass mit PURE eine Rekultivierung des verschmutzten Nigerdeltas relativ einfach und kostengünstig möglich ist. PURE ist ein umweltfreundliches Öl- und Chemikalienbindemittel auf Wachsbasis, das die bis zu 10-fache Menge seines Eigengewichts an Öl oder Schadstoffen binden kann. Das Bindemittel nimmt kein Wasser auf und schwimmt – auch vollgesogen – immer an der Oberfläche. Mit Öl vollgesogenes Gewebe kann mit einfachsten Mitteln ausgepresst und vielfach erneut verwendet werden.

Der Umweltminister des von den Ölverschmutzungen besonders betroffenen Bundesstaats Bayelsa, Imiruo Wills, hatte sich die Technik letzten Sommer vorführen lassen und OEOO zu einem weiteren Projekt eingeladen. Die beiden OEOO-Mitarbeiter Dipl.-Ing. Emmanuel Duru und Dr. Rüdiger Stöhr waren deshalb nun erneut in Nigeria. Emmanuel Duru, selbst Nigerianer und Ingenieur für Umwelttechnik, der bereits internationale Berufserfahrung im Zusammenhang mit Ölunfällen besitzt, kennt die Gegebenheiten vor Ort und hat seit Dezember verschiedene Reinigungsprojekte koordiniert, bei denen er die Wirksamkeit des Ölbindemittels PURE bei der Bekämpfung von Ölverschmutzungen erfolgreich demonstrieren konnte. Auch Mikrobiologe Dr. Rüdiger Stöhr stieß Ende Januar für drei Wochen dazu.

Neben den erfolgreichen Demonstrationen der Wirksamkeit des PURE Materials in den Bundesstaaten Riverstate mit der Hauptstadt Port Harcourt und Bayelsa State mit Yenagoa zeigte OEOO seinen Ansatz der Gewässerreinigung vor verschiedenen politischen Gremien und NGOs des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas. Dabei stieß das Team von OEOO regelmäßig auf großes Interesse und hinterließ eine begeisterte Zuhörerschaft. So konnte die Münchner Umweltorganisation zahlreiche einflussreiche Fürsprecher gewinnen. Größte Unterstützung erfuhr OEOO durch die beiden nigerianischen Umweltaktivisten Nnimmo Bassey und Celestine AkpoBari. Nnimmo Bassey ist Direktor der Health of Mother Earth Foundation und ehemaliger Präsident der Environmental Right Action. Er ist als Träger des Right Livelihood Awards 2010 (des „alternativen Nobelpreises“) auch in Deutschland bekannt. Nnimmo Bassey will eng mit OEOO kooperieren und berät die Münchner Organisation bei ihrem weiteren Vorgehen. Zudem hat er OEOO dem staatlichen Umweltministerium für ganz Nigeria empfohlen (ähnlich wie Deutschland ist auch Nigeria eine Bundesrepublik mit 36 Bundesstaaten). Ende März 2016 überzeugt sich Hajiya Amina, die nigerianische Umweltministerin, in Abuja persönlich von der Wirksamkeit des PURE-Ölbindemittels.

Doch es gab auch Vorfälle, die die Schwierigkeiten des Landes mit Korruption verdeutlichen. So wurde eine Reinigungsaktion mit Beteiligung der lokalen Bevölkerung organisiert, um Verschmutzungen durch eine gebrochene Pipeline in direkter Nähe zu einem Dorf zu beseitigen. Auch sollte OEOO mit Transportmitteln und Sicherheitspersonal unterstützt werden. Doch die Gemeindevorsteher (Chiefs) forderten plötzlich hohe Geldgeschenke, weshalb OEOO die Aktion kurzerhand abbrechen musste.

Erklärtes Ziel von OEOO bei den Reinigungsaktionen ist nicht nur der Natur- und Umweltschutz, sondern auch, die lokale Bevölkerung in die Umweltreinigung einzubeziehen und ihnen so das Überleben zu sichern. Mit der Reinigung der verschmutzten Natur ließen sich über Jahre hinweg Arbeitsplätze vor Ort schaffen, die Lebensgrundlage der dort lebenden Menschen könnte so langfristig wieder hergestellt werden. So würde auch das Umweltbewusstsein bei Menschen aufgebaut, die heute hauptsächlich mit dem täglichen Überleben beschäftigt sind. OEOO hat nun die Zusage erhalten, in ein seit Jahren geplantes Reinigungsprogramm für Ogoni People, das Anfang April 2016 anlaufen soll, mit aufgenommen zu werden. Die Einladung durch Umweltministerin Hajiya Amina Mohammed wird gerade vorbereitet. Dieses Ogoni Projekt stellt eine Form der Wiedergutmachung für das Unrecht und die immensen Umweltzerstörungen dar, die den Ogoni People und ihrem Land über Jahrzehnte zugefügt wurden.

 

Das erste große Reinigungsprojekt nimmt Fahrt auf

Anfang April beginnt für OEOO erst so richtig die Arbeit: Für eine Demonstration im Feldmaßstab muss neues PURE-Ölbindemittel nach Nigeria verschifft werden. OEOO wird Schulungen anbieten, in denen die Menschen lernen, selbst das PURE-Ölbindemittel effektiv einzusetzen. Das Recycling muss organisiert werden. Für diese ganzen Aufgaben suchen wir Partner und Sponsoren vor Ort, die das Projekt unterstützen. Nnimmo Bassey hat bereits seine Unterstützung zugesagt.

„Unser erstes Säuberungsprojekt nimmt nun Fahrt auf und überzeugt immer weitere Kreise des politischen Establishments vor Ort“, beschreibt Günther Bonin, Gründer und Vorsitzender des Umweltvereins One Earth – One Ocean e.V., die Situation. „Als einziger nicht nigerianischer Teilnehmer am Ogoni-Projekt können wir nun helfen, einem Volk, das durch die Ölverschmutzungen beinahe komplett vernichtet wurde, nun seinen Lebensraum zurückzugewinnen. Doch es wird nicht bei diesem ersten Projekt bleiben. Deshalb suchen wir Menschen, Organisationen und Sponsoren, die uns als Paten bei weiteren Reinigungsprojekten unterstützen. Wir wollen den Menschen vor Ort eine sinnvolle Perspektive und Arbeit geben.“

Und Bonin weiter: „Neben Sponsoren für die langfristige Finanzierung unserer Projekte aus Nigeria suchen wir Menschen und Organisationen, die sich als Paten für überschaubare Geländeprojekte engagieren möchten. Jedes Projekt wird von uns transparent abgewickelt und abgerechnet. Es wird zudem eine Übersichtskarte geben, die den Reinigungsprozess und Zustand der Natur zeitnah dokumentiert.“

 

Bildunterschriften:

  1. Eine stark verunreinigte Gegend im Tidenbereich des Nigers wird mit PURE gereinigt. Dabei bindet das Ölbindemittel das Öl von der Wasseroberfläche.
  1. Nnimmo Bassey, Direktor der Health of Mother Earth Foundation und Träger des Right Livelihood Awards 2010 (des „alternativen Nobelpreises“), im Gespräch mit Rüdiger Stöhr von One Earth – One Ocean e.V.

 

One Earth – One Ocean e. V.

Die Umweltorganisation One Earth – OneOcean mit Sitz in München Garching hat das Ziel, Gewässer vom Plastikmüll, aber auch Öl und Schadstoffen zu befreien. Bereits heute schwimmen auf den Weltmeeren riesige Teppiche aus Plastikmüll, der größte davon im Pazifik ist so groß wie Mitteleuropa, d.h. wie Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Luxemburg, Ungarn und Tschechien zusammen. Schreitet die Verschmutzung im derzeitigen Tempo weiter voran, werden die Meere in wenigen Jahren vollständig vermüllt sein.

Gründer von One Earth – One Ocean (OEOO) ist Günther Bonin, 60, ehemals Inhaber einer IT-Firma und passionierter Segler. Seine Vision der „maritimen Müllabfuhr“ gliedert sich in mehrere Stufen: In einem ersten Schritt wird der Plastikmüll mit speziell von ihm entwickelten Geräten auf den Meeren eingesammelt, sortiert und zerkleinert. Trennung und Recycling des Mülls erfolgt an Land. In einer späteren Phase soll das gesammelte Plastik direkt an Bord von Tankern in Öl rückverwandelt werden. Aus einer Tonne Plastik lassen sich ca. 900 Liter Öl rückgewinnen. Seit 2015 hat Bonin sein IT-Unternehmen umgewidmet in eine AG zur Reinigung von Gewässern, um den Verein administrativ zu unterstützen.

Was wie die Utopie eines Idealisten klingt, nimmt mittlerweile konkrete Formen an. Mehr als 100 Unternehmen und Privatpersonen, darunter die Deutsche Telekom AG, unterstützen das Projekt in unterschiedlicher Weise. Der prominenteste unter ihnen ist Thomas Hahn, der bei BMW Oracle das Siegerschiff des America’s Cup mitkonstruierte. Hahn unterstützt OEOO auch bei der Entwicklung der Müllschlucker-Schiffe. Erste Prototypen sind bereits fertiggestellt und im Einsatz. Im August 2013 wurde One Earth – One Ocean e.V. mit dem renommierten GreenTec Award 2013, Europas größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis, ausgezeichnet.

Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.oneearth-oneocean.com oder auf der Facebook-Seite unter https://www.facebook.com/pages/One-Earth-One-Ocean/163573257046660

One Earth – One Ocean e. V.

Günther Bonin

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