Negativpreis für Klimalüge: Rewe gewinnt Goldenen Windbeutel 2021

Pressemitteilung

  • Verbraucher:innen wählen angeblich „klimaneutrales“ Hähnchenbrustfilet zur Werbelüge des Jahres
  • foodwatch-Aktion am Rewe-Firmensitz in Köln
  • Öko-Institut stützt foodwatch-Kritik an falschen CO2-Zertifikaten von Climate Partner

+++ Foto von der Verleihung bei Rewe: https://t1p.de/Foto-Windbeutel2021 +++

Berlin, 14.12.2021. Rewe erhält den Negativpreis Goldener Windbeutel: Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch wählten rund 28 Prozent der mehr als 63.000 Teilnehmer:innen das als „klimaneutral“ beworbene Hähnchenbrustfilet der Rewe-Eigenmarke Wilhelm Brandenburg zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Die Werbung erwecke den Eindruck, dass sich die Produktion des Hähnchens nicht schädlich auf das Klima auswirke. Tatsächlich werde das Hähnchenbrustfilet weder emissionsfrei hergestellt noch würde der bei der Produktion anfallende CO2-Ausstoß ausgeglichen. foodwatch-Recherchen belegen: Das Wald-Projekt in Peru, durch das die Treibhausgas-Emissionen angeblich kompensiert wurden, schützt den dortigen Wald nicht. Fleisch als „klimaneutral“ zu bewerben, sei zudem grundsätzlich irreführend, so foodwatch. Dreiviertel aller Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft entfallen auf die Tierhaltung.

„Rewe rechnet Fleisch mit falschen CO2-Zertifikaten klimafreundlich und täuscht damit umweltbewusste Verbraucher:innen“, kritisierte Manuel Wiemann, Wahlleiter des Goldenen Windbeutels. „Für den Klimaschutz muss Deutschland die Tierzahlen drastisch reduzieren. Rewe verkauft Fleisch als gut für das Klima, was eine glatte Lüge ist. Mit diesem Greenwashing muss Schluss sein. Grüne Werbelügen auf unökologischen Produkten müssen gestoppt werden!“


(Foto: dpa/Henning Kaiser)

Mit einer Aktion an der Rewe-Zentrale in Köln hat foodwatch am heutigen Dienstag versucht, den Negativpreis an die Konzernführung zu überreichen. Eine lebensgroße Hähnchenverpackung protestierte mit dem Schild „Ich will keine Klimalüge sein!“. Die Aktivist:innen der Verbraucherorganisation standen jedoch – trotz vorheriger Anmeldung – vor verschlossenen Türen: Rewe stand für ein Gespräch nicht zur Verfügung. In einer schriftlichen Stellungnahme hatte der Handelskonzern die Kritik in der vergangenen Woche zurückgewiesen: Der Anbieter Climate Partner, über den die Supermarkkette die CO2-Zertifikate gekauft hatte, hätte versichert, die foodwatch-Vorwürfe seien unbegründet, so Rewe. Manuel Wiemann von foodwatch erklärte dazu: „Rewe zeigt den Verbraucher:innen die kalte Schulter. Der Ausgleich eigener Emissionen über den Kauf von C02-Zertifikaten ist ein moderner Ablasshandel, mit dem Unternehmen ruckzuck auf dem Papier „klimaneutral“ werden können – ohne selbst ernsthaft etwas für mehr Klimaschutz tun zu müssen. Es kann nicht verwundern, dass die Profiteure dieses Geschäftsmodells sich gegenseitig eine weiße Weste bescheinigen.“

Für die vermeintliche „Klimaneutralität“ der in Bayern verkauften Wilhelm Brandenburg-Geflügelprodukte kompensiert Rewe Treibhausgas-Emissionen über den Anbieter „Climate Partner“. Dafür werden ausschließlich Zertifikate eines Projekts zum Waldschutz in Tambopata/ Peru gekauft. Eine von foodwatch in Auftrag gegebene Recherche zeigt jedoch: Das Projekt erfüllt nicht die grundlegenden Anforderungen an Kompensationsprojekte. Es schafft keinen zusätzlichen Nutzen für das Klima. Nach Projektbeginn hat die Entwaldung nicht wie versprochen abgenommen, sondern sogar zugenommen. foodwatch hat Rewe sowie die Lohmann & Co. AG (PHW-Gruppe), die das Hähnchenbrustfilet im Auftrag von Rewe herstellt, deshalb Anfang Dezember wegen irreführender Klima-Werbung abgemahnt. Beide verweigerten die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung. Das Unternehmen Climate Partner warf foodwatch methodische Fehler vor, ohne jedoch wichtige Quellen und Berechnungen transparent zu machen. Ein wissenschaftliches Gutachten des unabhängigen Öko-Instituts bestätigt die Stichhaltigkeit wesentlicher Kritikpunkte von foodwatch am Tambopata-Projekt.

Neben dem Hähnchenbrustfilet von Rewe waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2021 nominiert. Mehr als 63.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Mitte November ein. Das Ergebnis im Detail:

1. Platz: Wilhelm Brandenburg Hähnchen-Brustfilet von Rewe (17.661 Stimmen, entspricht rund 27,8 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen)
2. Platz: Volvic Natürliches Mineralwasser von Danone (17.031 Stimmen, 26,8 Prozent)
3. Platz: Mövenpick Green Cap Kaffeekapseln von J.J. Darboven (9.930 Stimmen, 15,6 Prozent)
4. Platz: Katjes Wunderland Fruchtgummis (9.894 Stimmen, 15,6 Prozent)
5. Platz: Clean Protein Bar von Naturally Pam by Pamela Reif (8.972 Stimmen, 14,1 Prozent)

Um auf das Problem der Verbrauchertäuschung im Lebensmittelbereich hinzuweisen, verleiht foodwatch seit 2009 den Goldenen Windbeutel – 2021 zum elften Mal. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und das „Smart Water“ von Coca-Cola (2018). Vergangenes Jahr gewann der Käsereikonzern Hochland für seinen Grünländer Käse, der mit „Milch von Freilaufkühen“ warb – die Tiere standen aber tatsächlich im Stall. Hochland änderte daraufhin die Verpackung.

Quellen und weiterführende Informationen:

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foodwatch mahnt Rewe wegen irreführender Klima-Werbung ab – Handelsunternehmen vermarktet klimaschädliches Produkt als „klimaneutral“

Pressemitteilung

Berlin, 2. Dezember 2021. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den Handelskonzern Rewe abgemahnt, weil dieser das Hähnchenfleisch seiner Rewe-Eigenmarke Wilhelm Brandenburg als „klimaneutral“ bewirbt. Verbraucher:innen könnten die Werbung so verstehen, dass sich die Produktion des Hähnchenfilets nicht schädlich auf das Klima auswirke. Tatsächlich werde das Hähnchenbrustfilet weder emissionsfrei hergestellt noch würden die bei der Produktion anfallenden Emissionen ausgeglichen. foodwatch-Recherchen belegen: Das Wald-Projekt in Peru, durch das die Treibhausgas-Emissionen kompensiert werden sollen, schützt den dortigen Wald und damit auch das Klima nicht. Das Hähnchenbrustfilet von Rewe ist einer der Kandidaten für die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2021 (www.goldener-windbeutel.de), dem Preis für die dreisteste Werbelüge des Jahres. foodwatch spricht sich für eine klare Regulierung von „nachhaltigen“ Werbeversprechen aus.

„Von wegen Klimaretter – das Hähnchenfleisch von Rewe ist eine dreiste Klimalüge. Mit manipulierten Zertifikaten rechnet Rewe Fleisch klimaneutral – doch durch das Kompensationsprojekt in Peru werden Bäume nicht geschützt, sondern gefällt“, kritisierte Manuel Wiemann, Wahlleiter des Goldenen Windbeutels. „Klima- und Umweltwerbung auf unökologischen Produkten muss gestoppt werden!“

Die Tierhaltung trägt weltweit mit über 15 Prozent zu den vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen und damit zum Klimawandel bei. Es sei grundsätzlich irreführend, Fleisch als „klimaneutral“ zu bewerben, kritisierte foodwatch. Für die vermeintliche „Klimaneutralität“ der in Bayern verkauften Wilhelm Brandenburg-Geflügelprodukte kompensiert Rewe Treibhausgas-Emissionen über den Anbieter „Climate Partner“. Dafür werden ausschließlich Zertifikate eines Projekts zum Waldschutz mit nachhaltigem Paranussanbau in Tambopata/ Peru gekauft. Eine von foodwatch in Auftrag gegebene Recherche zeigt: Das Projekt erfüllt nicht die grundlegenden Anforderungen an Kompensationsprojekte. Es schafft keinen zusätzlichen Nutzen für das Klima und existierte mindestens in den ersten Jahren nur auf dem Papier. Die Zertifikate für das Geflügelfleisch von Rewe stammen aus den Jahren 2010-2012. Für diesen Zeitraum hat das Projekt nachweislich keinerlei Emissionsreduktionen bewirkt, die Zertifikate sind also falsch. Dass das Projekt keinen zusätzlichen Nutzen für Wald und Klima bringt, zeigt auch die tatsächliche Entwaldungsrate. Nach Projektbeginn hat die Entwaldung nicht wie versprochen abgenommen, sondern zugenommen. Lag die Entwaldungsrate vor Projektbeginn bei durchschnittlich 0,15 Prozent pro Jahr (2001-2010), verdoppelte sie sich nach Projektbeginn auf durchschnittlich 0,29 Prozent (2010-2020). Das Projekt konnte also keinerlei Abholzung verhindern – im Gegenteil, es wurden mehr Bäume gefällt als vorher. Neben Rewe hat foodwatch auch die Lohmann & Co. AG (PHW-Gruppe) abgemahnt. Der größte deutsche Geflügelzüchter stellt das Produkt im Auftrag von Rewe her. Die beiden Unternehmen haben bis zum 6. Dezember Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben.

Neben Rewe hat foodwatch Produkte von Danone, Naturally Pam, Darboven und Katjes für den Goldenen Windbeutel 2021 nominiert. Die meisten von ihnen präsentieren sich als besonders klima- und umweltfreundlich – können diese Werbeversprechen aber nicht halten, kritisierte foodwatch. Verbraucher:innen können noch bis zum 12. Dezember auf www.goldener-windbeutel.de aus den fünf Kandidaten ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen.

Links:

Online-Abstimmung Goldener Windbeutel: www.goldener-windbeutel.de

Quellen und weiterführende Informationen:

Abmahnung Rewe
Factsheet zum Rewe-Hähnchenbrustfilet
foodwatch-Recherche zum Tambopata-Waldschutzprojekt in Peru
Fotostrecke der Windbeutel-Kandidaten zum Download (inkl. Rewe)

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Mineralöl-Belastung: Dunkin‘ Donuts weist Forderung nach Verkaufsstopp zurück – Happy Donazz nimmt belastete Produkte aus den Regalen – Rewe reagiert gar nicht

Pressemitteilung

Berlin, 8. November 2016. Die Backwaren-Kette Dunkin‘ Donuts hält einen Verkaufsstopp seiner mit Mineralöl belasteten Produkte für nicht nötig. Das erklärte eine Sprecherin gegenüber der Verbraucherorganisation foodwatch. Stattdessen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben „weiterführende Analysen bei einem unabhängigen Institut in Deutschland beauftragt.“

foodwatch kritisierte die Reaktion der Donuts-Kette. Bei Tests der Zeitschrift Öko-Test (Oktober-Ausgabe) waren in den Donuts-Sorten Sugar, Strawberry Frosted und Chocolate Frosted „sehr stark erhöhte“ Werte der potenziell gesundheitsgefährdenden gesättigten Mineralöle (MOSH) sowie Rückstände von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen worden. Diese gelten als potenziell krebserregend und erbgutschädigend. „Dunkin‘ Donuts erkennt offenbar den Ernst der Lage nicht und setzt seine Kunden wissentlich gesundheitlichen Risiken aus“, sagte Johannes Heeg, bei foodwatch zuständig für das Thema Mineralöl.

Demgegenüber reagierte der Anbieter Happy Donazz umsichtig. „Alle Schmierstoffe und Öle auch außerhalb des direkten Produktionsumfeldes wurden […] als mögliche Quelle überprüft und falls notwendig gegen lebensmittelechte Produkte ersetzt. Parallel haben wir die von Ökotest getesteten drei Sorten bis zur genauen Klärung aus dem Sortiment genommen. Der Classic Chocolate, der Homers und der Rainbow liegen somit […] nicht mehr in den Auslagen der Happy Donazz Stores“, schrieb das Unternehmen in einer E-Mail an foodwatch. Andere Anbieter hingegen lassen ihre – laut Öko-Test zum Teil sogar noch stärker belasteten – Donuts offenbar weiterhin im Angebot. Nur Ikea stoppte umgehend den Verkauf.

Insgesamt waren in den Analysen von Öko-Test Donuts von 15 Anbietern durch Mineralölrückstände negativ aufgefallen. Auf Anfrage von foodwatch verwiesen Le Crobag, Tasty Donuts, Backwerk, McDonald’s, Edeka, Globus und Real zwar auf Gespräche mit den Lieferanten, Minimierungsstrategien oder kündigten eine intensive Suche nach der Quelle der Verunreinigungen an, reagierten aber nicht auf einen geforderten Verkaufsstopp. Allein Rewe antwortete bis heute gar nicht auf die foodwatch-Anfrage.

„Nur Ikea und Happy Donazz haben konsequent gehandelt, indem sie den Verkauf belasteter Produkte gestoppt haben“, sagte Johannes Heeg von foodwatch. „Rewe hingegen verweigert jegliche Reaktion und beweist damit einmal mehr: Wir dürfen den Schutz der Verbraucher nicht den Herstellern und Händlern überlassen. Bundesregierung und Europäische Union müssen endlich sichere Grenzwerte für Mineralöl-Rückstände in Lebensmitteln vorschreiben.“

Mit einer E-Mail-Aktion unter www.mineraloel-aktion.foodwatch.de fordert foodwatch die EU-Kommission auf, die Verbraucher durch gesetzliche Vorgaben vor Mineralölbelastungen in Lebensmitteln zu schützen. Ende Oktober hatten foodwatch-Aktivisten die bisher schon mehr als 100.000 Unterschriften aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis übergeben.

Link:
– E-Mail-Aktion für einen besseren Schutz vor Mineralölbelastungen: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:
– Übersicht Reaktionen der Anbieter: tinyurl.com/pve95sb
– Briefe: tinyurl.com/ngqhp3d
– Öko-Test zur Donut-Analyse: oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=108449&bernr=04

Quellen und weiterführende Informationen:
– foodwatch-Hintergrundpapier zu Mineralöl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– Fragen und Antworten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz

Pressekontakt:

foodwatch e.V.
Sylvie Ahrens
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 290




foodwatch-Test: Rewe-Eigenmarken enthalten gefährliche Mineralöle – foodwatch fordert Rückruf

Pressemitteilung

Berlin, 9. Juni 2016. Lebensmittel der Rewe-Eigenmarken sind stark mit gesundheitsgefährdenden Mineralölen belastet. Das ist das Ergebnis eines neuen Labortests der Verbraucherorganisation foodwatch. Demnach sind drei von sechs getesteten Rewe-Produkten betroffen: „Rewe Bio Vollkornsemmelbrösel“ enthalten aromatische Mineralöle (MOAH), die krebserregend und erbgutverändernd sein können. In den Produkten „ja! Langkorn-Spitzenreis“ und „Rewe Bio Dinkelflakes“ konnte die Verbraucherorganisation stark erhöhte Werte gesättigter Mineralöle (MOSH) nachweisen. MOSH können sich im menschlichen Körper anreichern und die Organe schädigen. Öko-Test hatte kürzlich in einem Veggie-Schnitzel der Rewe-Gruppe erhöhte MOSH-Werte gemessen, woraufhin Rewe einen Verkaufsstopp veranlasste.

„Rewe muss jetzt konsequent sein: Was für Veggie-Schnitzel gilt, muss auch für Vollkornsemmelbrösel gelten! Lebensmittel mit derartigen Mineralölverunreinigungen haben im Supermarktregal nichts verloren“, sagte Johannes Heeg von foodwatch.

Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ hatte in seiner Juni-Ausgabe von erhöhten MOSH-Werten im „Naturgut Bio-Veggie-Schnitzel“ berichtet – einer Eigenmarke des zur Rewe-Gruppe gehörenden Discounters Penny. In einem Schreiben an Öko-Test, das foodwatch vorliegt, kündigte Rewe an, das Produkt „bis zur eindeutigen Klärung des Sachverhalts“ aus dem Regal zu nehmen. foodwatch forderte von Rewe, auf die aktuellen Testergebnisse ebenso zu reagieren und die betroffenen Produkte aus dem Verkehr zu ziehen. Für das mit krebsverdächtigen MOAH belastete Produkt „Bio Vollkornsemmelbrösel“ müsse Rewe zudem einen Produktrückruf veranlassen.

„Rewe kennt die Gefahren von Mineralöl in Lebensmittel nur zu gut. Es ist endlich Zeit für Lösungen: Nur eine wirksame Barriereschicht zwischen Verpackung und Lebensmittel kann den Übergang von Mineralölen aus Verpackungen sicher verhindern. Zudem muss Rewe den Produktionsprozess so sauber halten wie es technisch möglich ist“, forderte Johannes Heeg.

Aromatische Mineralöle (MOAH) sind laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) potenziell krebserregend und erbgutverändernd. Gesättigte Mineralöle (MOSH) lagern sich im menschlichen Körper vor allem in Organen wie Leber und Milz, aber auch den Lymphknoten ab. Über Jahre hinweg kann es so zu Organschäden kommen. Besonders Kinder sind gefährdet: Laut der EFSA sind diese stärker mit Mineralölen belastet als Erwachsene. Mineralöle können über unterschiedliche Wege in Lebensmittel übergehen. Eine wesentliche Quelle sind Druckfarben aus Altpapier-Verpackungen und Pappkartons, die zur Lagerung und zum Transport verwendet werden – aber auch durch in der Produktion verwendete Maschinenöle oder Abgase aus Industrie und Verkehr.

In den vergangenen Monaten waren in einer ganzen Reihe von Tests Mineralöl-Verunreinigungen in Lebensmitteln öffentlich geworden – foodwatch fand sie etwa in Schoko-Osterhasen und in Bio-Haferflocken von Alnatura, Öko-Test in sogenannten Superfoods und Dr. Oetker-Produkten und Stiftung Warentest in Olivenölen.

foodwatch fordert eine Null-Toleranz für die besonders kritischen aromatischen Mineralöle (MOAH) und strikte Höchstwerte für gesättigte Mineralöle (MOSH). Dazu müssten Hersteller gesetzlich verpflichtet werden, „funktionelle Barrieren“ einzusetzen: Mit einem geeigneten Innenbeutel oder einer Beschichtung der Verpackung ließen sich Produkt und Verpackung voneinander trennen, sodass weder Mineralöle noch hunderte weitere, zum Teil gesundheitsgefährdende Chemikalien auf die Produkte übergehen können, so foodwatch. Solange es keine europäische Regelung gibt, sei die Bundesregierung in der Pflicht ein nationales Gesetz zu beschließen.

Link:
– E-Mail-Aktion gegen Mineralöle in Lebensmitteln: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Quellen und weiterführende Informationen:
– foodwatch-Testergebnisse im Überblick: tinyurl.com/h3utuly
– Kellogg‘s „Special K Classic“ mit Mineralölen belastet tinyurl.com/hep8khu
– Test: Gefährliche Mineralöle in Alnatura-Haferflocken: tinyurl.com/hqhxdl5
– foodwatch-Test zu Mineralölen in Reis, Nudeln & Co: tinyurl.com/pmwtgr2
– Test: Krebsverdächtige Mineralöle in Schoko-Osterhasen: tinyurl.com/hw6yp5n
– Hintergrundinformationen zu Mineralölen in Lebensmitteln: tinyurl.com/h573v5v

Pressekontakt:
Andreas Winkler
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Aldi Süd dreht Lebensmittelwirtschaft Öl-Hahn zu: Discounter verlangt von Lieferanten Lebensmittel ohne Mineralölverunreinigungen

Pressemitteilung – Thema: Mineralöl in Lebensmitteln

– Aldi Süd akzeptiert bei seinen Eigenmarken keine Mineralölverunreinigungen mehr
– Discounter macht klare Vorgaben an Zulieferbetriebe
– foodwatch fordert: Edeka, Rewe, Lidl und Co. müssen dem Beispiel von Aldi Süd folgen

Berlin, 3. März 2016. Alle Lebensmittel, die als Eigenmarke von Aldi Süd verkauft werden, müssen in Zukunft frei von gefährlichen Mineralölverunreinigungen sein. Das hat der Discounter schriftlich von seinen Zulieferbetrieben verlangt. „Die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Lebensmitteln ist ein zentrales Anliegen von Aldi Süd“, heißt es in einem Rundschreiben vom Februar an alle Lieferanten, das die Verbraucherorganisation foodwatch heute öffentlich machte. „Aldi Süd hat das Ziel, dass bei den Eigenmarken des Food-Sortimentes keine Mineralölbestandteile im Lebensmittel nachweisbar sind. Aus diesem Grunde fordern wir Sie auf, Maßnahmen zu ergreifen, welche die Einhaltung dieser Vorgabe im Lebensmittel bis zum Ende des MHDs, bzw. bei frischem Obst und Gemüse bis zum erwarteten Zeitpunkt des Verzehrs, sicherstellen. (…) Aldi Süd wird die Umsetzung der Maßnahmen prüfen und bei zukünftigen Kaufentscheidungen berücksichtigen.“ [Hervorhebungen im Original]

„Aldi Süd dreht der Lebensmittelwirtschaft den Öl-Hahn zu! Das ist ein Paukenschlag für die gesamte Branche. Nach jahrelangem Herumlavieren muss die Lebensmittelindustrie endlich ihre Produktionsprozesse und Verpackungen sauber machen“, sagte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch. „Krebsauslösende und erbgutschädigende Mineralölbestandteile in Lebensmitteln sind inakzeptabel – und sie sind technisch vermeidbar. Es ist höchste Zeit, dass Edeka, Rewe, Lidl und Co. dem Vorbild von Aldi Süd folgen.“

Mineralöle sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper. Sowohl die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) als auch das zuständige deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verweisen auf das krebserregende und erbgutschädigende Potenzial aromatischer Mineralöle (MOAH). In den vergangenen Monaten waren in einer ganzen Reihe von Tests Verunreinigungen in Lebensmitteln öffentlich geworden – Öko-Test fand sie in Dr. Oetker-Produkten, das Bayerische Landesgesundheitsamt in Adventskalendern, Stiftung Warentest in Olivenölen. Im Januar hatte die Marke „Lafer. Lecker. Leben“ von TV-Koch Johann Lafer wegen hoher MOAH-Werte den Verkauf einer Pfeffer-Spezialität („Malabar-Pfeffer schwarz“) gestoppt. Den umfangreichsten Labortest hatte foodwatch im Oktober 2015 veröffentlicht. Demnach war jedes fünfte getestete Lebensmittel in Deutschland (9 von 42 Produkten) mit MOAH belastet. Die beteiligten Unternehmen reagierten äußerst unterschiedlich auf die Nachweise: Während etwa Real und Kaufland bzw. der italienische Hersteller Curti den Rückruf zweier Reisprodukte veranlassten, beließen Kellogg’s (Cornflakes) oder Rewe (Bio-Weichweizengrieß) ihre ebenfalls mit MOAH belasteten Marken weiter im Handel.

Link:
– E-Mail-Protestaktion von foodwatch für einen besseren Schutz vor Mineralölbelastungen: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Quellen und weiterführende Informationen:
– Schreiben von Aldi Süd an Zulieferbetriebe: tinyurl.com/huzkgy7
– foodwatch-Hintergrundpapier zu Mineralöl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– Testergebnisse von foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de
– Stiftung Warentest zum Olivenöltest: www.tinyurl.com/stiwa-oliven
– Öko-Test zu Dr. Oetker: www.tinyurl.com/oekotest-oetker
– Presseerklärung zum Verkaufsstopp der Lafer-Pfefferspezialität: www.tinyurl.com/pm-lafer
– LGL Bayern zur Adventskalender-Untersuchung: www.tinyurl.com/advent-bayern
– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz

Pressekontakt:
Andreas Winkler
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Von wegen „unbedenklich“: Rewe kündigt Änderung bei mineralölbelasteter Bio-Eigenmarke an – Weiteres Unternehmen reagiert auf foodwatch-Test

Pressemitteilung – Thema: Mineralölrückstände in Lebensmitteln

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion HEUTE (Donnerstag, 10.12.) um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Ecke Schivelbeiner Str./Seelower Str. +++

Berlin, 10. Dezember 2015. Nach längerem Abwiegeln hat die Handelskette Rewe auf einen foodwatch-Test reagiert und Änderungen bei einer mit bedenklichen Substanzen belasteten Eigenmarke angekündigt. Die Verbraucherorganisation hatte in „Rewe Bio Weichweizengrieß“ Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen, die als potenziell krebserregend und erbgutschädigend gelten. Rewe hatte auf den Test wochenlang gar nicht reagiert und das Produkt zuletzt entgegen den wissenschaftlichen Risikobewertungen öffentlich als „unbedenklich“ bewertet. Da Mineralölrückstände häufig aufgrund ungeeigneter Verpackungsmaterialien ins Lebensmittel gelangen, kündigte Rewe nun an, das Produkt im kommenden Jahr in einer neuen Verpackung anzubieten. Das geht aus einer Antwort des Bioverbands Naturland, unter dessen Siegel das Produkt erscheint, an foodwatch hervor.

foodwatch begrüßte diesen Schritt, kritisierte aber, dass Rewe die Produkte in der bisherigen Verpackung offenbar nicht aus dem Verkauf nehmen wolle. „Rewe erkennt endlich an, dass die Mineralölbelastung seines Produkts eben doch ein Problem darstellt: Wenn das Produkt wirklich unbedenklich wäre, wie Rewe unzutreffend behauptet hat, müsste ja auch nichts geändert werden“, erklärte Luise Molling von foodwatch. „Will Rewe seine Kunden konsequent vor einem Gesundheitsrisiko schützen, dann muss das Unternehmen dies allerdings jetzt tun und nicht erst nächstes Jahr. Der gerade bei Kindern beliebte Weichweizengrieß der Eigenmarke gehört öffentlich zurückgerufen und aus dem Verkauf genommen, bis das Produkt in der neuen, sicheren Verpackung erscheint.“

Die Ergebnisse einer umfangreichen Laboranalyse mit insgesamt 120 Lebensmitteln hatte foodwatch bereits Ende Oktober öffentlich gemacht. Dabei waren in einer Charge des Bio-Weichweizengrieß‘ von Rewe wie in acht weiteren Produkten aus Deutschland die besonders kritischen aromatischen Mineralöle nachgewiesen worden. Weil eine Reaktion von Rewe auf diesen Nachweis ausblieb, schrieb foodwatch das Handelsunternehmen Anfang November direkt an und wies noch einmal auf die Testresultate hin – doch Rewe ließ auch dieses Schreiben unbeantwortet. Schließlich veröffentlichte foodwatch selbst einen „Produktrückruf“, zudem beschwerten sich hunderte Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem auf Facebook bei Rewe – woraufhin das Unternehmen in den vergangenen Tagen in einer knappen Erklärung alle Probleme abstritt und sein Produkt als „unbedenklich“ bezeichnete. Weil aromatische Mineralöle jedoch nach Einschätzung der EU-Lebensmittelbehörde EFSA potenziell krebserregend und erbgutverändernd sind, gibt es keine unbedenklichen Werte, wenn die Substanzen in einem Produkt nachgewiesen sind.

Nun bewegte sich Rewe also doch. Über die geplante Verpackungsänderung informierte der Anbauverband Naturland, unter dessen Siegel der Rewe-Bio-Weichweizengrieß verkauft wird, foodwatch am gestrigen Mittwoch per E-Mail. Rewe habe „versichert“, heißt es darin, „dass die Produktverpackung im kommenden Jahr vorsorglich mit einem zusätzlichen Innenbeutel versehen wird, der eine Migration von MOAHs [aromatischen Mineralölen; Anmerkung foodwatch] auch aus Quellen, die nicht in der Verantwortung des Unternehmens liegen, zuverlässig ausschließt.“ Den Verweis auf die Verantwortung Dritter interpretiert foodwatch als Absicherung, denn natürlich tragen Hersteller und Handel Verantwortung für die bei Produktion, Verpackung oder Lagerung auftretenden Verunreinigungen. foodwatch hatte Naturland zuvor angeschrieben und um Stellungnahme zu der Belastung des Rewe-Produkts gebeten.

Vor Rewe hatten bereits die Unternehmen Hahne und Curti Verpackungsänderungen für im foodwatch-Test negativ aufgefallene Produkte angekündigt. Kaufland und Curti hatten einen öffentlichen Produktrückruf veranlasst, Real zudem ein belastetes Reis-Produkt von reis-fit ausgelistet. Dasselbe Produkt steht bei Rewe weiterhin im Markt. Auf Facebook erklärte Rewe dazu, dass das Produkt nur dann aus dem Verkauf genommen werde, wenn nicht foodwatch, sondern „der Hersteller oder eine autorisierte Behörde über eine mögliche Belastung“ informieren würde. Luise Molling von foodwatch kritisierte diese Haltung: „Wem die Gesundheit der Kunden wichtig ist, dem ist es egal, woher ein Hinweis auf ein Gesundheitsrisiko kommt – die richtige Antwort auf einen solchen Hinweis ist: prüfen und dann handeln.“

Links:

– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de

– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion HEUTE (Donnerstag, 10.12.) um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Ecke Schivelbeiner Str./Seelower Str. +++

Redaktionelle Hinweise:

– Fotos von der foodwatch-Aktion bei Rewe ab ca. 15.30 Uhr unter www.tinyurl.com/rewe-fotos

– Footage-Material zum Labortest: www.tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:

– foodwatch-Korrespondenz mit Naturland: www.tinyurl.com/naturland-antwort

– Rewe-Stellungnahme auf Facebook (Screenshot 9.12.): www.tinyurl.com/screenshot-rewe

– Antwortschreiben von Real an foodwatch: www.tinyurl.com/real-antwort

– Antwortschreiben von Metro an foodwatch: www.tinyurl.com/metro-antwort

– Anschreiben von foodwatch an Rewe: www.tinyurl.com/rewe-anschreiben

– foodwatch-Rückruf des Rewe-Produktes: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf

– Offizieller Rückruf des Curti-Produktes bei Kaufland: www.tinyurl.com/kaufland-curti-rueckruf

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: www.tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: www.tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: www.tinyurl.com/pp77zat

– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: www.tinyurl.com/zhxc5zv

Pressekontakt:

Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90

Vor Ort während der Aktion: +49(0)1 74 / 3 75 16 89




Nach foodwatch-Test: Real stoppt Verkauf von „reis-fit Spitzenlangkornreis“ – Rewe lässt mineralölbelastete Marke im Handel und erntet „Shitstorm“ auf Facebook

Pressemitteilung – Thema: Mineralölrückstände in Lebensmitteln

– Hersteller und Handel reagieren auf nachgewiesene Mineralölrückstände
– Metro fordert Erklärungen von Kellogg’s wegen belasteter Cornflakes
– Rewe vergrätzt Kunden durch Verweis auf Stellungnahme eines Lobbyverbandes

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion am Donnerstag, 10. Dezember um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Schivelbeiner Str. / Ecke Seelower Str. +++

Berlin, 8. Dezember 2015. Die Handelskette Real hat auf einen foodwatch-Test reagiert und den Spitzen-Langkornreis der Marke „reis-fit“ ausgelistet. Sie werde „das Produkt erst wieder verkaufen, wenn uns von dem Lieferanten überzeugend nachgewiesen werden konnte, dass Maßnahmen eingeleitet wurden, um Mineralölgehalte auf ein Minimum zu reduzieren“, schrieben Qualitätsmanager des Unternehmens in einem Brief an die Verbraucherorganisation. In einer Laboranalyse hatte foodwatch in einer Charge des reis-fit-Produkts Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen, die die EU-Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd einstuft. Real ist nach dem Reisproduzenten Curti bereits das zweite Unternehmen, das nach dem foodwatch-Test einen Verkaufsstopp veranlasst.

Der Großhändler Metro ist zudem nach eigenen Angaben auf den Cerealienproduzenten Kellogg’s zugegangen und fordert von diesem eine Erklärung für die Rückstände in dessen Cornflakes (alle Quellen siehe unten). Dagegen hält das Handelsunternehmen Rewe bislang am Verkauf seiner ebenfalls belasteten Eigenmarke „Rewe Bio Weichweizengrieß“ fest – und erntete dafür erboste Reaktionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern im Internet.

„Es ist unverantwortlich, dass Rewe Gesundheitsrisiken in Kauf nimmt und eine Marke, die noch dazu von vielen kleinen Kindern verzehrt wird, einfach weiter verkauft“, kritisierte Luise Molling von foodwatch. „Rewe steht bei seiner Eigenmarke in der vollen Verantwortung – es wäre an der Zeit, dass das Unternehmen endlich die Gesundheit seiner Kundschaft an die oberste Stelle rückt.“ Auch das reis-fit-Produkt wird bei Rewe weiterhin angeboten. foodwatch kündigte daher eine Protestaktion an einem Berliner Rewe-Markt für den kommenden Donnerstag an.

foodwatch warnte erneut vor dem Verzehr aller Produkte, in denen aromatische Mineralöle nachgewiesen wurden, und forderte Hersteller und Handel auf, Rückrufe zu veranlassen. Dies gelte insbesondere auch für reis-fit-Hersteller Euryza, dessen belastete Reis-Marke bei anderen Händlern weiterhin im Regal steht.

Ende Oktober bereits hatte foodwatch die Ergebnisse des umfangreichen Labortests mit 120 Produkten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden veröffentlicht. In Deutschland war demnach jedes fünfte getestete Lebensmittel (9 von 42 Produkten – Liste siehe unten) mit den besonders kritischen aromatischen Mineralölrückständen belastet. Die Rückstände gelangen aufgrund ungeeigneter Materialien für Verpackung oder Umverpackung oder aufgrund von unsauberen Produktionsprozessen in die Lebensmittel – daher gilt: Sind Rückstände in einer Charge nachgewiesen, ist die Belastung weiterer Chargen zumindest naheliegend. foodwatch schrieb daraufhin zunächst alle Hersteller, später auch die größten Handelsketten an und fragte nach Konsequenzen aus dem Testergebnis. Mit unterschiedlichen Reaktionen:

– Der Cerealienproduzent Hahne sagte zu, die Verpackung seiner Haferflocken zu überarbeiten, um Rückstände künftig zu vermeiden.

– Der italienische Hersteller Curti nahm den in Deutschland bei Kaufland vertriebenen „Curtiriso Natur Langkorn Parboiled Reis“ aus dem Verkauf. Kaufland lehnte zunächst auch auf Anraten des Lobbyverbandes BLL eine Information der Kundschaft ab – nachdem foodwatch jedoch selbst einen „Rückruf“ publiziert hatte, verbreiteten Curti, Kaufland und schließlich auch die Behörden eine offizielle, öffentliche Produktwarnung.

– Real stoppte den Verkauf des „reis-fit Spitzen-Langkorn“-Reis‘. In einem Brief an foodwatch erklärte die Handelskette, dass die von foodwatch getestete Charge zwar nicht an Real ausgeliefert worden sei, forderte zunächst aber weitere „Maßnahmen“ vom Hersteller.

– Metro gab ebenfalls in einem Brief an foodwatch an, von Kellogg’s „weitere Informationen“ einzufordern, bevor Metro „weitere Maßnahmen einleiten“ werde. Kellogg’s sei mit einer Untersuchung der Problematik befasst.

Andere Hersteller und Handelskonzerne ließen die foodwatch-Anfragen unbeantwortet oder verwiesen lediglich auf eine Stellungnahme des Lobbyverbandes BLL vom 2. Dezember. Dieser bestätigte darin in Übereinstimmung mit behördlichen Risikobewertungen, dass aromatische Mineralöle in Lebensmitteln „unerwünscht“ seien. Allerdings bezeichnete der BLL belastete Produkte aufgrund ihrer angeblich niedrigen Rückstandsgehalte als „unbedenklich“. foodwatch kritisierte dies als grobe und unwissenschaftliche Verharmlosung. Zur Einordnung der Werte zog der BLL den veralteten Entwurf einer „Mineralölverordnung“ heran, der von der Bundesregierung niemals in Kraft gesetzt wurde. Die in diesem Entwurf aufgeführten Werte beziehen sich zudem gar nicht auf die Gesamtmenge der Mineralölrückstände im Produkt, sondern allein auf die aus den Verpackungen auf Lebensmittel übergegangenen Mineralöle – Rückstände aus anderen Quellen lassen sie außen vor. Ferner ignoriert der BLL die Tatsache, dass es für potenziell krebserregende und erbgutverändernde Substanzen überhaupt keinen unbedenklichen Schwellenwert gibt. Solche Substanzen sollten, wie etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) feststellt, in Lebensmitteln überhaupt nicht nachweisbar sein. Bei allen genannten Produkten hat das von foodwatch beauftragte Labor die Rückstände zweifelsfrei nachgewiesen und bestimmt.

Auch Rewe hatte zunächst Anfragen unbeantwortet gelassen, schließlich dann seinen Bio-Weichweizengrieß unter Verweis auf die BLL-Stellungnahme als „unbedenklich“ eingestuft und foodwatch mit „juristischen Schritten“ gedroht, nachdem die Verbraucherorganisation einen eigenen „Produktrückruf“ für die Rewe-Marke veröffentlicht hatte. Die Reaktion quittierten hunderte Verbraucherinnen und Verbraucher mit Anfragen und verärgerten Kommentaren auf der Facebook-Seite von Rewe. Der Link auf den von foodwatch verbreiteten Rückruf wurde dort in kurzer Zeit so häufig gepostet, dass er offenbar aufgrund eines Facebook-Algorithmus‘ automatisch geblockt wurde.

Links:

– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de

– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

+++ ACHTUNG REDAKTIONEN: foodwatch-Aktion am Donnerstag, 10. Dezember um 14 Uhr am Rewe-Markt in Berlin-Prenzlauer Berg, Schivelbeiner Str. / Ecke Seelower Str. +++

Liste der ausweislich des foodwatch-Tests mit aromatischen Mineralölrückständen belasteten und weiter im Verkauf befindlichen Marken: reis-fit Spitzen-Langkornreis, Müller’s Mühle Minuten Spitzen Langkorn Reis, Korn Mühle Weichweizen-Grieß, Rewe Bio Weichweizengrieß, Kellogg’s Cornflakes, Jonas Rote Linsen, Hahne Haferflocken, Sweet Family Puder Zucker (Nordzucker). Messwerte und Details zu den getesteten Chargen: www.mineraloel-test.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:

– Produktfotos, weiteres Bildmaterial und O-Töne zum Download: www.mineraloel-material.foodwatch.de

– Footage-Material zum Labortest: www.tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:

– Antwortschreiben von Real: www.tinyurl.com/real-antwort

– Antwortschreiben von Metro: www.tinyurl.com/metro-antwort

– Anschreiben von foodwatch an Rewe: www.tinyurl.com/rewe-anschreiben

– Rewe behält sich rechtliche Schritte vor (Kommentar auf der facebook-Seite vom 7.12.2015): www.tinyurl.com/rewe-fb

– foodwatch-Rückruf des Rewe-Produktes: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf

– Offizieller Rückruf des Curti-Produktes bei Kaufland: www.tinyurl.com/kaufland-curti-rueckruf

– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de

– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: www.tinyurl.com/ovgvtkz

– EFSA Scientific Opinion: www.tinyurl.com/p9kausf

– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf

– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: www.tinyurl.com/pp77zat

– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: www.tinyurl.com/zhxc5zv

Pressekontakt:

Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90

Am Donnerstag vor Ort während der Aktion: +49(0)1 74 / 3 75 16 89




Rewe droht foodwatch mit rechtlichen Schritten wegen Produktwarnung – Belasteter Bio-Weichweizengrieß weiter im Handel

Pressemitteilung

– Rewe-Marke mit potenziell krebserregenden Mineralölrückständen belastet
– Testergebnisse seit Ende Oktober bekannt
– foodwatch warnt vor dem Verzehr des Rewe-Produkts

Berlin, 3. Dezember 2015. Weil foodwatch vor dem Verzehr eines belasteten Rewe-Produktes warnt, hat der Handelskonzern der Verbraucherorganisation mit rechtlichen Schritten gedroht. „Rewe behält sich ausdrücklich vor, im Sinne der Verbraucher rechtliche Schritte zu prüfen“, schrieb das Unternehmen am Donnerstag auf seiner facebook-Seite (tinyurl.com/zwv4qnv). Zuvor hatte foodwatch eine Verzehrwarnung für den Bio-Weichweizengrieß der Rewe-Eigenmarke ausgesprochen, weil der Handelskonzern trotz bekannter Laboranalysen untätig blieb.

In einem Labortest waren bei dieser Marke Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen worden, die die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt. Obwohl die Testergebnisse seit Ende Oktober öffentlich sind, reagierte Rewe bis heute nicht darauf. Ein – aus Sicht von foodwatch gebotener – Produktrückruf blieb aus, Schreiben von foodwatch unbeantwortet.

Die Verbraucherorganisation erneuerte ihre Verzehrwarnung. Luise Molling von foodwatch erklärte: „Rewe verspricht, dass Lebensmittelsicherheit ‚oberste Priorität‘ habe – und bricht dieses Versprechen, wenn eine mit vermeidbaren Rückständen belastete Marke nicht aus dem Verkehr gezogen, sondern einfach weiter verkauft wird. Das gilt erst recht für ein Produkt wie Grieß, das häufig von Kindern verzehrt wird. Sollte der Handelskonzern nicht selbst aktiv werden, müssen die Behörden reagieren und dieses Produkt aus dem Verkehr ziehen.“

Nachdem Rewe selbst bislang nicht aktiv wurde, hatte foodwatch heute selbst einen öffentlichen Rückruf unter www.tinyurl.com/rewe-rueckruf veröffentlicht sowie den Verbraucherinnen und Verbrauchern empfohlen, bereits gekaufte Grieß-Packungen in ihre Rewe-Filialen zurückzubringen und dort den Einkaufspreis zurückzuverlangen.

Bereits Ende Oktober 2015 hatte foodwatch die Ergebnisse eines umfassenden Mineralöltests mit 120 Lebensmitteln aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden publiziert. In der Laboranalyse wurden in einer Charge des Rewe-Bio-Weichweizengrieß‘ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 30.4.2016 aromatische Mineralöle nachgewiesen. Weil Mineralölrückstände durch ungeeignete Verpackungsmaterialien oder fehlerhafte Produktionsprozesse in die Lebensmittel gelangen, ist nach Auffassung von foodwatch der Verdacht naheliegend, dass auch weitere als die getesteten Chargen betroffen sind. Vor allem Verpackungen oder Umverpackungen aus Recyclingpapier enthalten oft Mineralöle und eine Vielzahl anderer bedenklicher Substanzen wie Weichmacher und Lösungsmittel.

Im Gegensatz zu Rewe hatte der italienische Hersteller Curti in der vorvergangenen Woche den bei Kaufland vertriebenen und ebenfalls mit aromatischen Mineralölen belasteten „Curtiriso Langkorn-Naturreis“ aus dem Verkauf genommen. Nach Aufforderung von foodwatch veranlassten Kaufland und Curti schließlich auch einen öffentlichen Produktrückruf, der zudem über das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betriebene Portal lebensmittelwarnung.de verbreitet wurde.

Links:
– foodwatch-Rückruf: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf
– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de
– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:
– Rewe-Produktfoto, weiteres Bildmaterial und O-Töne zum Download: tinyurl.com/q5ba8a3
– Footage-Material zum Labortest: tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:
– Rewe behält sich rechtliche Schritte vor (Kommentar auf der facebook-Seite): tinyurl.com/zwv4qnv
– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz
– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf
– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf
– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: tinyurl.com/pp77zat
– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: tinyurl.com/zhxc5zv

Pressekontakt:
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Produktrückruf: „Rewe Bio-Weichweizengrieß“ mit gefährlichen Mineralöl-Rückständen belastet – foodwatch warnt vor dem Verzehr

Pressemitteilung

Berlin, 3. Dezember 2015. Die Verbraucherorganisation foodwatch warnt vor dem Verzehr des Bio-Weichweizengrieß‘ von Rewe. In einem Labortest wurden bei der Handelsmarke Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen, die die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt. foodwatch empfiehlt allen Verbraucherinnen und Verbrauchern, bereits gekaufte Grieß-Packungen in ihre Rewe-Filialen zurückzubringen und den Einkaufspreis zurückzuverlangen.

Aufgrund ihrer Risikobewertung gelten aromatische Mineralöle nach übereinstimmender Einschätzung von Behörden und dem Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL als „unerwünschte Einträge“ – sie sollten also noch nicht einmal in Spuren in den Lebensmitteln nachweisbar sein. Luise Molling von foodwatch erklärte: „Das Rewe-Produkt ist nach unserer Auffassung nicht verkehrsfähig und muss schnellstmöglich aus den Regalen geräumt werden – das gilt erst recht für Grieß, der häufig von Kindern verzehrt wird. Sollte der Handelskonzern nicht selbst handeln, müssen die Behörden reagieren und dieses Gesundheitsrisiko aus dem Verkehr ziehen.“ Weil Rewe selbst bislang nicht aktiv wurde, veröffentlichte foodwatch heute selbst einen öffentlichen Rückruf unter www.tinyurl.com/rewe-rueckruf.

Bereits Ende Oktober 2015 hatte foodwatch die Ergebnisse eines umfassenden Mineralöltests mit 120 Lebensmitteln aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden publiziert. In der Laboranalyse wurden in einer Charge des Rewe-Bio-Weichweizengrieß‘ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 30.4.2016 aromatische Mineralöle nachgewiesen. Weil keine Reaktion erfolgte, schrieb die Verbraucherorganisation Rewe Anfang November an und wies auf die Testergebnisse hin. Eine Antwort von Rewe blieb jedoch aus, ebenso der aus Sicht von foodwatch angebrachte Rückruf des Produkts.

Dagegen hatte der italienische Hersteller Curti in der vorvergangenen Woche den bei Kaufland vertriebenen und ebenfalls mit aromatischen Mineralölen belasteten „Curtiriso Langkorn-Naturreis“ aus dem Verkauf genommen. Nach Aufforderung von foodwatch veranlassten Kaufland und Curti schließlich auch einen öffentlichen Produktrückruf, der zudem über das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betriebene Portal lebensmittelwarnung.de verbreitet wurde.

Weil Mineralölrückstände durch ungeeignete Verpackungsmaterialien oder fehlerhafte Produktionsprozesse in die Lebensmittel gelangen, ist der Verdacht naheliegend, dass auch weitere als die getesteten Chargen betroffen sind. Vor allem Verpackungen oder Umverpackungen aus Recyclingpapier enthalten oft Mineralöle und eine Vielzahl anderer bedenklicher Substanzen wie Weichmacher und Lösungsmittel.

Links:
– foodwatch-Rückruf: www.tinyurl.com/rewe-rueckruf
– Testergebnisse foodwatch: www.mineraloel-test.foodwatch.de
– E-Mail-Aktion: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Redaktionelle Hinweise:
– Rewe-Produktfoto, weiteres Bildmaterial und O-Töne zum Download: tinyurl.com/q5ba8a3
– Footage-Material zum Labortest: tinyurl.com/pwgyc7c

Quellen und weiterführende Informationen:
– foodwatch-Hintergrundpapier Mineral-Öl: www.mineraloel-hintergrund.foodwatch.de
– Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu Mineralöl: tinyurl.com/ovgvtkz
– EFSA Scientific Opinion: tinyurl.com/p9kausf
– Forschungsprojekt des BMELV 2012: download.ble.de/09HS012.pdf
– Schreiben des Bundesernährungsministeriums an foodwatch: tinyurl.com/pp77zat
– Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL zu Mineralöl: tinyurl.com/zhxc5zv

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