Welttierschutztag: foodwatch fordert Aus für die „Initiative Tierwohl“ und die Pläne für ein staatliches „Tierwohl“-Siegel

Pressemitteilung

Berlin, 3. Oktober 2016. Anlässlich des Welttierschutztages am Dienstag hat die Verbraucherorganisation foodwatch den Handel aufgefordert, die sogenannte „Initiative Tierwohl“ zu beenden. Außerdem solle Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt seine Pläne für ein staatliches Tierwohl-Siegel aufgeben. Beides ist nach Auffassung von foodwatch eine Scheinlösung, die den Tieren wie auch den Bäuerinnen und Bauern und den Verbraucherinnen und Verbrauchern eher schadet als nutzt.

„Die freiwilligen Initiativen schaffen – wenn überhaupt – nur für einen kleinen Teil der Nutztiere messbar bessere Lebensbedingungen. Angesichts der Epidemie von haltungsbedingten Krankheiten bei hunderttausenden von Tieren ist es geradezu zynisch, den Eindruck zu erwecken, damit würden die haarsträubenden Probleme in der Tierhaltung gelöst. Die Präsentation immer neuer Scheinlösungen führt nur dazu, dass eine ernsthafte Lösung der Probleme gar nicht diskutiert, sondern auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird“, kritisierte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Die „Initiative Tierwohl“, an der sich vor allem die großen Handelskonzerne um Edeka, Lidl, Rewe, Aldi und Metro beteiligen, bezeichnete Wolfschmidt als „schlechten PR-Gag“, mit dem die Unternehmen von ihrer Verantwortung für die inakzeptablen Lebensbedingungen der Nutztiere ablenken wollten. foodwatch kritisierte, dass mit vorwiegend kosmetischen Maßnahmen die Lebensbedingungen für die Tiere nicht substantiell verbessert werden könnten. Den Bäuerinnen und Bauern werde nicht annähernd genügend Geld ausgezahlt, um eine nachweislich tiergerechte Haltung zu erreichen. Stattdessen werde den Verbraucherinnen und Verbrauchern vorgemacht, die Produkte aus den Supermärkten entstammten einer tiergerechten Haltung.

Auch das von der Bundesregierung angekündigte staatliche Tierwohl-Siegel, das allein die Produkte von sich freiwillig beteiligenden Unternehmen tragen würden, bezeichnete Wolfschmidt als inakzeptabel. Die Bundesregierung versuche sich damit um die überfällige Zielvorgabe zu drücken, dass nicht nur für einzelne, sondern für alle Nutztiere tiergerechte Bedingungen durchgesetzt werden müssen. Denn sollten die Kriterien für die Vergabe des Siegels auch noch so gut sein und selbst wenn es Produkte mit dem Siegel auf einen Marktanteil von 20 Prozent brächten, wie derzeit nur Optimisten es für möglich halten, nähme es die Bundesregierung damit in Kauf, dass 80 Prozent der Tiere unter nicht tiergerechten Bedingungen leiden müssen. Auch die von den Grünen ins Gespräch gebrachte, an die bekannten Eier-Stempel angelehnte 0-1-2-3-Kennzeichnung für Fleisch ist aus Sicht von foodwatch verfehlt, weil auch sie weiterhin die Wahl zwischen besseren und schlechteren Haltungsbedingungen lässt und Fragen der Tiergesundheit überhaupt nicht berücksichtigt.

„Wir haben es mit einem System zu tun, bei dem die Handelskonzerne Tierqual einkalkulieren, um billige Rohstoffe zu bekommen. Einem System, das Tierhaltern kaum finanzielle Möglichkeiten gibt, um die notwendigen Verbesserungen konsequent anzugehen“, sagte Matthias Wolfschmidt. „Um das zu ändern, bedarf es keiner Werbegags und Almosen für die Nutztiere, sondern eines Systemwechsels: Unter welchen Umständen Tiere gehalten werden, darf nicht länger vom Wettbewerb und vom Preisdruck des Handels abhängen. Tiergerechtheit muss für alle Nutztiere garantiert sein und die Voraussetzung dafür, dass ein Tierprodukt in den Handel kommen darf.“

In seinem vor zehn Tagen im Verlag S. Fischer erschienenen Buch „Das Schweinesystem – Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden“ zeigt der Veterinärmediziner Matthias Wolfschmidt einen Weg auf, der zu einer flächendeckend tiergerechten Haltung führen kann:

– Eine tiergerechte Haltung muss demnach für alle Nutztiere vorgeschrieben sein.
– Wie viele Tiere an haltungsbedingten Krankheiten leiden, muss für jeden Betrieb erfasst werden; daraus werden verbindliche Zielvorgaben abgeleitet, orientiert an den besten Betrieben der Branche.
– Die formalen Haltungskriterien (Stallgröße, Auslauf, Beschäftigungsmöglichkeiten etc.) müssen es allen Tieren ermöglichen, arteigene Verhaltensweisen so gut wie möglich auszuüben, ohne Verhaltensstörungen zu entwickeln.
– Auf den Markt kommen dürfen nur noch solche Produkte mit tierischen Bestandteilen, die die Tierschutzvorgaben nachweislich einhalten. Die Mehrkosten müssen am Ende wir Verbraucher bezahlen, denn wir schulden den Tieren eine bessere Behandlung.
– Das Konzept muss EU-weit umgesetzt werden, verbunden mit einem Vermarktungsverbot für nicht-tiergerecht erzeugte Lebensmittel aus Drittstaaten. Andernfalls würden europäische Tierhalter verdrängt durch nicht-europäische Konkurrenten, die weiterhin zu schlechteren Standards produzieren – ohne dass für die Tiere etwas erreicht wäre.

In einem 2015 veröffentlichten Gutachten hatte der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium das Ausmaß der Tierschutzprobleme in deutschen Ställen als „aus fachlicher Sicht nicht akzeptabel“ eingestuft. Im Buch „Das Schweinesystem“ weist Matthias Wolfschmidt neben oft unzureichenden Haltungsformen auf das Problem von Produktionskrankheiten hin. Einer Auswertung wissenschaftlicher Studien zufolge müssen Verbraucherinnen und Verbraucher davon ausgehen, dass mindestens jedes vierte Tierprodukt von einem kranken Nutztier stammt. Massenhaft werden die Nutztiere unter den heutigen Marktbedingungen krank und verhaltensgestört gemacht. So werden etwa an Schlachthöfen bei jedem dritten Schwein mehr oder weniger massive Lungenentzündungen, Leber- oder Gelenkschäden festgestellt. Das Fleisch dieser Tiere wird uns als ganz normales ‚gesundes‘ Lebensmittel verkauft. Ähnlich dramatische Verhältnisse beschreiben wissenschaftliche Studien in der Hühnermast, bei Legehennen oder bei Milchkühen.

Matthias Wolfschmidt: „Das Schweinesystem – Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden“. Erschienen am 22. September 2016 im S. Fischer Verlag. 235 Seiten, 18 Euro.

Link:
– Mehr Informationen zu „Das Schweinesystem“: www.fischerverlage.de/buch/das_schweinesystem/9783100025463
– Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium zum Thema Nutztierhaltung (März 2015): www.tinyurl.com/ztc8hwn

Redaktioneller Hinweis:
– Fotos, Grafiken und O-Töne zum Download: www.tierhaltung-downloads.foodwatch.de

Pressekontakt:
foodwatch e.V.
Martin Rücker
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 – 2 90




Einsatz von Medikamenten in der ökologischen Tierhaltung – Biokreis definiert letzte Entscheidungshoheit des Tierarztes in den Richtlinien

PRESSEMITTEILUNG

Passau, 03.02.2016: Eine Liste mit Anwendungsverboten und -beschränkungen für Medikamente gibt es nicht bei jedem Bio-Verband und ist nicht Standard in der ökologischen Tierhaltung. Der Biokreis e.V. hat ab dem Jahr 2014 mit der Aufnahme einer solchen Liste einen innovativen und ambitionierten Weg beschritten. Dieser Ansatz geht über die Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung hinaus und soll dazu dienen, die Verwendung einiger zugelassener, aber vom Biokreis als kritisch eingestufter Medikamente auf ein minimales Maß zu reduzieren.

Absolutes Behandlungsverbot nicht möglich
Die deutsche und europäische Rechtslage in der Behandlung landwirtschaftlicher Nutztiere spricht allerdings mit Blick auf Tierschutz und Tierwohl dem behandelnden Tierarzt als qualifiziertem Entscheidungsträger stets die letzte Entscheidungshoheit zu. Über diese Bestimmungen kann und möchte sich der Biokreis zur Wahrung eines größtmöglichen Tierwohls nicht hinwegsetzen. Von daher ist es dem Verband in letzter Konsequenz nicht möglich, gegenüber dem Tierhalter ein absolutes Behandlungsverbot hinsichtlich eines in Deutschland veterinärrechtlich zugelassenen Medikaments auszusprechen. Dramatische Folge eines solchen Vorgehens wäre unter Umständen, ein vermeidbares Leiden des Tieres in Kauf zu nehmen.

Neuer Zusatz in den Richtlinien
„Wir werden diesen komplexen Sachverhalt im Zuge einer noch exakteren Beschreibung der Verfahrensabläufe zukünftig in unsere Richtlinien integrieren, um Verbraucher weiterhin umfänglich über die Praxis der ökologischen Nutztierhaltung aufzuklären“, sagt Jörn Bender, Fachreferent des Biokreis in der Arbeitsgemeinschaft Tierwohl der Ökoverbände. An die Öko-Kontrollstellen wurde dieses Verfahren in Schulungen seit jeher kommuniziert.

Verband weist erneut auf Liste mit Anwendungsbeschränkungen hin
Trotzdem rät der Verband seinen rund 1000 landwirtschaftlichen Mitgliedern deutlich davon ab, entsprechende Medikamente einzusetzen, solange Behandlungsalternativen bestehen. Auf die Liste mit den Anwendungsbeschränkungen für Medikamente wurden die für den Biokreis zuständigen und unabhängigen Kontrollstellen und auch die Biokreis-Landwirte mit der Bitte um Weitergabe an den jeweiligen Hof-Tierarzt kürzlich noch einmal hingewiesen. „Die Aufnahme und Aufrechterhaltung der Liste mit Anwendungsbeschränkungen für Medikamente ist eine konsequente Fortsetzung der anspruchsvollen Richtlinien und Tierwohlaktivitäten unseres Verbandes“, sagt Josef Brunnbauer, Geschäftsführer des Biokreis.

Kontakt: Ronja Zöls, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit, zoels@biokreis.de
Biokreis e.V., Stelzlhof 1, 94034 Passau, Tel: 0851/75650–0

Biokreis – Wir machen Bio lebendig! Rund 1000 Landwirte und 120 Verarbeiter wirtschaften bundesweit nach unseren Richtlinien. Auch 200 Verbraucher gehören zu unseren Mitgliedern. Gemeinsam gestalten wir kreativ und konsequent ökologischen Landbau. Wir stehen seit 1979 für regionale, vertrauensvolle Netzwerke, Tierwohl, handwerkliche Lebensmittelverarbeitung und treten basisdemokratisch mit neuen Ideen, politischer Arbeit und wirksamer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere ganzheitliche Vorstellung von Ökolandbau sowie dessen Weiterentwicklung ein.




Vegan Street Day 2015 – feiern im Herzen von Stuttgart und Dortmund

Das größte vegane Straßenfest Deutschlands findet am 24. Mai in Stuttgart und am 11. Juli in Dortmund statt.

Stuttgart und Dortmund, 15.02.2015: Auch 2015 findet in Stuttgart und Dortmund wieder der Vegan Street Day (VSD) statt, Deutschlands größtes veganes Straßenfest. Ein Tag im Zeichen von gesundem, umweltbewusstem und tierfreundlichem Genuss: alles vegan, also ganz ohne tierische Produkte. Für immer mehr Menschen wird die vegane Lebensweise zur Selbstverständlichkeit. Dass das nichts mit Verzicht zu tun hat, beweist der VSD seit 2006 jedes Jahr aufs Neue. Das Fest richtet sich an alle, die mehr über die vegane Lebensweise – mit all den vielfältigen Produkten und leckerem Essen – erfahren wollen. Weit über 10.000 Besucher werden jeweils erwartet. Der VSD findet in Stuttgart am Pfingstsonntag, den 24. Mai und in Dortmund am Samstag, den 11. Juli statt.

Der Vegan Street Day zeigt, wie abwechslungsreich und lecker die vegane Lebensweise ist!

Egal ob Fleisch, Milch, Eier, Leder, Wolle oder Daunen – der Konsum tierischer Produkte wird immer mit Tierleid erkauft. Das lehnen mehr und mehr Menschen ab. „Wer vegan lebt, engagiert sich schon allein dadurch aktiv für den Tierschutz und tut nebenbei zusätzlich noch etwas für die Umwelt und die eigene Gesundheit“, sagt Sandra Franz, Pressesprecherin von Animal Rights Watch e.V.

Auf dem VSD kann sich jeder über die breite vegane Produktpalette informieren. An rund 100 Informations- und Verkaufsständen werden eine große Vielfalt veganer Speisen und anderer Produkte sowie viele Tipps und Informationen zur tierfreundlichsten Lebensweise geboten. Bei veganem Käse, veganer Torte oder veganem Döner bleiben keine kulinarischen Wünsche offen. Auch fair gehandelte vegane Kleidung, tierfreie Schuhe, Accessoires und Haushaltsartikel werden nicht fehlen.

Zusätzlich bietet ein buntes Rahmenprogramm mit Kochshows, Live-Musik und verschiedenen Showeinlagen ganztägig Unterhaltung für die ganze Familie. In zahlreichen Lesungen und Vorträgen erhalten alle Interessierten spannende und vielfältige Informationen rund um Veganismus und Tierrechte. Einen eigenen Bereich mit Kinderprogramm gibt es wie immer für die Kleinsten.

Zwei Städte – zwei Termine
Jeweils ab 11 Uhr findet der Vegan Street Day statt: zunächst am Pfingstsonntag, den 24. Mai auf dem Stuttgarter Markt- und Schillerplatz. Am Samstag, den 11. Juli folgt dann bereits zum zehnten Mal der „Klassiker“ in Dortmund auf dem Friedensplatz und dem Reinoldikirchplatz. Organisiert wird das Event von der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch e.V. (ARIWA). Die Aussteller- und Programmübersichten finden Sie jeweils wenige Wochen vorab auf: www.vegan-street-day.de

Pressefotos:
www.vegan-street-day.de/presse

Pressekontakt:
Sandra Franz: E-Mail: presse@vegan-street-day.de
Mobil: +49 1577 6633353
Achim Stammberger: E-Mail: achim.stammberger@vegan-street-day.de
Mobil: +49 176 51494442

Veranstalter:
Animal Rights Watch e.V. (ARIWA), 2004 als „die Tierfreunde e.V.“ in Siegen/NRW gegründet, ist eine gemeinnützige, bundesweit tätige Tierrechtsorganisation. ARIWA deckt die Zustände in der Tierindustrie auf und fördert eine tierfreundliche, vegane Lebensweise. In Not geratene Tiere werden in Pflegestellen betreut. Die bundesweit verteilten Ortsgruppen führen Kampagnen und Aktionen gegen Tierausbeutung und für die Anerkennung von Tierrechten durch.