Massenhaft kranke Tiere in deutschen Ställen: VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch fordern Maßnahmen für die Gesundheit von Nutztieren – Tiergesundheitsmonitoring nötig

Pressemitteilung

Berlin, 3. September 2018. VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch haben von der Bundesregierung wirksame Maßnahmen für die Gesundheit von Nutztieren in Deutschland gefordert. Ein großer Teil der Nutztiere leide unter vermeidbaren Erkrankungen: Kühe etwa unter Euterentzündungen, Mastschweine unter schmerzhaft verdickten Gelenken, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangten ihre Produkte massenhaft in den Handel. Die Bundesregierung habe bisher keine Maßnahmen vorgelegt, die diese Missstände beheben könnten. Das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erarbeitete Tierwohlkennzeichen greife viel zu kurz, kritisierten die Organisationen auf einer Pressekonferenz am Montag in Berlin. Die millionenfach auftretenden Produktionskrankheiten von Tieren spielten bei den Plänen der Bundesregierung keine Rolle.

„Egal, ob Eier, Schnitzel oder Milch: Fast jedes vierte tierische Lebensmittel stammt von einem kranken Tier – das ist ein Skandal. Statt mit dem Tierwohlkennzeichen lediglich Alibi-Maßnahmen vorzunehmen, muss Frau Klöckner sicherstellen, dass insgesamt nur Produkte von tiergerecht gehaltenen und gesunden Tieren in den Handel kommen“, sagte Rüdiger Jürgensen, Country Director, VIER PFOTEN Deutschland im Namen der drei Organisationen.

VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch kritisierten, dass es bisher keine gesetzlichen Zielvorgaben für die Gesundheit von Nutztieren gibt und die Erkrankungsraten nicht systematisch erfasst werden. Die Organisationen forderten ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, deren Tiere wiederholt sehr schlechte Zustände aufweisen, müsse es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Faktoren ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb.

Das von Julia Klöckner vorgelegte freiwillige „Tierwohlkennzeichen“ könne die miserable Situation vieler Nutztiere nicht verbessern, kritisierten die drei Organisationen. Denn es setze lediglich Mindeststandards für formale Haltungsbedingungen wie etwa Auslauf und Herdengröße – Kriterien für die Tiergesundheit fehlten hingegen. Ohnehin könnten selbst optimistischen Schätzungen zufolge lediglich 20 Prozent der Nutztiere von dem freiwilligen Siegel profitieren.

Wissenschaftliche Studien gehen bei Mastschweinen von Lungenerkrankungsraten um die 50 Prozent und schmerzhaft verdickten Gelenken um die 40 Prozent aus. Bis zu 90 Prozent der Milchkühe erkranken im Durchschnitt einmal im Jahr, sei es am Euter, an Stoffwechsel-Störungen oder an den Klauen. Masthühner und Puten können am Ende der Mast aufgrund ihres schnellen Wachstums nicht mehr richtig laufen und verdursten deswegen zum Teil. Über 50 Prozent der Legehennen erleiden Knochenbrüche.

Quellen und weitere Informationen:
– Positionspapier „VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch fordern ein bundesweites Tiergesundheitsmonitoring“: tinyurl.com/position-tiergesundheit
– Zusammenstellung von Studien zur Tiergesundheit: www.studien-tiergesundheit.foodwatch.de

Pressekontakt:

foodwatch: Sarah Häuser
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: 030 / 24 04 76 290

Greenpeace: Martin Hofstetter
E-Mail: martin.hofstetter@greenpeace.org
Tel.: 0171 / 87 06 645

VIER PFOTEN: Maike Kant
E-Mail: presse-d@vier-pfoten.org
Tel.: 040 / 399 249 44




VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch: Was in der Nutztierhaltung grundlegend falsch läuft

Einladung zur Pressekonferenz

Die miserablen Zustände, unter denen viele Nutztiere in Deutschland leiden, werden in der Gesellschaft breit diskutiert. Auch auf politischer Ebene wird über die aktuelle Situation von Nutztieren in Deutschland debattiert. So berät beispielsweise am 3. September der Agrarausschuss über den Antrag Bayerns, eine Fristverlängerung bei der betäubungslosen Ferkelkastration zu erreichen.

Doch egal, ob es um das freiwillige Tierwohllabel von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner geht oder um die Kennzeichnungsinitiativen der Discounter: Fast immer dreht sich die Debatte nur um die formalen Haltungsbedingungen. Warum diese Diskussion viel zu kurz greift und welche zentralen Stellschrauben für eine tiergerechte Haltung dabei ignoriert werden, möchten wir Ihnen auf einer Pressekonferenz erläutern. Die Organisationen VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch stellen konkrete politische Maßnahmen vor, die Julia Klöckner umsetzen muss, um Nutztiere vor vermeidbarem Leid zu schützen.

Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Pressekonferenz:

Termin: 3. September 2018, 10:00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin, Raum 3 – 4
mit:
– Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor von foodwatch
– Martin Hofstetter, Agraringenieur und Political Advisor, Greenpeace
– Rüdiger Jürgensen, Country Director, VIER PFOTEN Deutschland
– Ina Müller-Arnke, Agraringenieurin und Nutztierexpertin, VIER PFOTEN

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen sehr dankbar – telefonisch unter (0 30) 24 04 76 – 290 oder per Mail an presse@foodwatch.de.