Gekaufte Forschung: Coca-Cola will “Gesundheitspartnerschaften” in Europa offenlegen – Millionenschwere Ablenkungsmanöver in der globalen Übergewichtsdebatte

Pressemitteilung – Thema: Übergewicht

– In den USA und Kanada fördert Coca-Cola Forschungsprojekte und Gesundheitsinitiativen mit dreistelligen Millionenbeträgen
– Der Softdrink-Konzern beeinflusst damit gezielt die Debatte über die Rolle von zuckerhaltigen Getränken bei der Entstehung von Übergewicht
– Nach foodwatch-Aufforderung will Coca-Cola Förderprojekte in Europa transparent machen

Berlin, 4. Dezember 2015. Sportprojekte, Gesundheitsinitiativen, Forschungsförderung: Mit dreistelligen Millionenbeträgen beeinflusst Coca-Cola die globale Debatte über die Ursachen von Übergewicht. In Reaktion auf heftige öffentliche Kritik an diesen “Gesundheitspartnerschaften” hatte der Softdrink-Konzern für Nordamerika eine Liste seiner Fördermaßnahmen ins Internet gestellt. Nach einer Aufforderung der Verbraucherorganisation foodwatch kündigte Coca-Cola jetzt an, auch in Europa seine Zahlungen an Wissenschaftler und Gesundheitsprojekte offenzulegen. foodwatch verlangte, die Angaben bis Ende Januar 2016 zu veröffentlichen.

Im August hatte die New York Times einen Fall von Wissenschaftssponsoring von Coca-Cola enthüllt. Daraufhin musste der Softdrink-Konzern zugeben, in Nordamerika in den vergangenen fünf Jahren mehr als 100 Millionen Dollar für seine “Gesundheitspartnerschaften” und Wissenschaftskooperationen ausgegeben zu haben, und veröffentlichte eine Liste von Gesundheitsorganisationen und Wissenschaftlern, die das Unternehmen finanziell unterstützt. Angaben zu den Sponsoringmaßnahmen in Europa fehlen allerdings bisher. Nun hat der Cheflobbyist von Coca-Cola Europa, Dr. Nikolaus Tacke, gegenüber foodwatch angekündigt, auch in Europa Transparenz zu schaffen: “We will be following this initiative”, schrieb er mit Blick auf die Veröffentlichungspraxis in Nordamerika. Damit reagierte er auf eine entsprechende Aufforderung, die foodwatch an Muhtar Kent, den Chef der Coca-Cola Company, gerichtet hatte.

Bereits bekannt ist, dass Coca-Cola ähnlich wie in den USA auch in Deutschland mehrere Sport- und Gesundheitsinitiativen fördert, darunter eine Kooperation mit der Charité zur Herzgesundheit sowie Sportprojekte der Deutschen Sporthilfe oder des Deutschen Olympischen Sportbunds. Doch eine umfassende Liste wie in Nordamerika – insbesondere über Zuwendungen an die Forschung – gibt es nicht. “Es ist offensichtlich, dass Coca-Cola in Europa dieselben Ablenkungsmanöver fährt wie in Nordamerika: Nicht die Limo soll schuld sein, sondern der Bewegungsmangel. Dabei ist längst klar: Softdrinks fördern Übergewicht, Diabetes Typ II und Herzkrankheiten”, sagte Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelmarketing bei foodwatch.

Die New York Times hatte im August dieses Jahres enthüllt, dass der Weltmarktführer für Softdrinks 1,5 Millionen Dollar für die Einrichtung des “Global Energy Balance Network” (GEBN) gespendet hat. Entgegen den wissenschaftlichen Fakten behauptete die Forschungseinrichtung, es gebe keine Belege dafür, dass zuckrige Getränke Übergewicht verursachen. Vielmehr sei mangelnde Bewegung das Problem. Daraufhin entspann sich eine internationale Diskussion über die Einflussnahme von Coca-Cola auf die Übergewichtsdebatte. Als Reaktion auf die weltweite Kritik gewährte Coca-Cola Transparenz über die in Nordamerika zwischen 2010 und 2015 finanzierten Forschungsprojekte und Gesundheitsorganisationen. Das Unternehmen gab bekannt, in dem Zeitraum mit insgesamt 118,6 Millionen Dollar “Gesundheitspartnerschaften” finanziert zu haben, davon entfielen 21,8 Millionen Dollar auf Forschungsprojekte. Die University of Colorado Denver gab daraufhin eine Spende über eine Million US-Dollar, welche sie zum Aufbau des Netzwerks GEBN erhalten hatte, an Coca-Cola Nordamerika zurück. Anfang Dezember löste sich das GEBN auf – was auf der Internetseite des Netzwerks mit “begrenzten Ressourcen” begründet wird.

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) bei Kindern sowie Erwachsenen haben in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Adipositas wird inzwischen als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprechen in diesem Zusammenhang von einer globalen “Adipositas-Epidemie”. Public Health-Experten schreiben zuckerhaltigen Getränken eine besondere Rolle in dieser Entwicklung zu. Der Konsum dieser Getränke fördert nachweislich die Entstehung von Übergewicht sowie Diabetes Typ II und zugleich weiterer chronischer Krankheiten.

Quellen und weiterführende Links:

– Korrespondenz zwischen foodwatch und Coca-Cola: www.tinyurl.com/coke-schreibt-foodwatch

– foodwatch-Hintergrundpapier: Coca-Colas “Gesundheitspartnerschaften” als Chronologie: www.tinyurl.com/coke-partner

– New York Times-Artikel: www.tinyurl.com/p57ov4h

– Spot des “Global Energy Balance Networks” (GEBN): www.youtube.com/watch?v=9xBV_Enlh1A

– Liste von Coca-Colas “Gesundheitspartnerschaften” in Nordamerika: www.tinyurl.com/nrg3kqz

– GEBN-Website: gebn.org/

Pressekontakt:

foodwatch e.V.
Martin Rücker
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