Neue Studie beleuchtet kritische Arbeits- und Produktionsbedingungen in der italienischen Gerberei-Industrie

Pressemitteilung

Bonn, 16. Dezember 2015: Im Durchschnitt kaufen die Deutschen pro Person im Jahr über fünf Paar Schuhe. Italien ist traditionell das bedeutendste Land für die Lederherstellung in Europa mit 60 % Anteil des gesamten in der EU produzierten Leders. Die neue Studie „A tough story of leather“ der Initiative „Change Your Shoes“ gibt Einblick in die Lederherstellung in Italien und beleuchtet das beliebte Leder ‚Made In Italy‘.

Verheerende Arbeitsbedingungen
„Nicht nur in asiatischen Gerbereien gilt es die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Diese Studie zeigt auf, dass es allein von 2009 bis 2013 in der italienischen Region Santa Croce 720 Arbeitsunfälle gegeben hat. Prekäre Arbeitsverträge nehmen stark zu. So sind auch Vier-Stunden-Verträge übliche Praxis geworden“, erläutert Anton Pieper, Referent bei SÜDWIND.

Enorme Umweltauswirkungen
„Gerbereien benötigen extrem viel Wasser und es fallen große Mengen toxischer Abfälle an. Pro Kilogramm Leder entstehen bis zu 6,15 Kilogramm Feststoffabfälle. Die Abwassermenge in Santa Croce entspricht damit der einer Stadt mit über drei Mio. Einwohnern – die tatsächliche Einwohnerzahl von Santa Croce beträgt aber nur 110.000“, erklärt Lena Bullerdieck vom INKOTA netzwerk.

Missstände aufdecken
Im Gegensatz zu den Missständen in der Bekleidungsindustrie sind die menschenunwürdigen Arbeits- und Produktionsbedingungen in der Leder – und Schuhproduktion bis jetzt noch weitgehend unbekannt. Mit der Kampagne „Change Your Shoes“ treten SÜDWIND und das INKOTA netzwerk gemeinsam mit 16 weiteren Partnerorganisationen in Europa und Asien dafür ein, Missstände in der Schuh- und Lederproduktion aufzudecken.

Per App auf dem Weg nach Brüssel
Darüber hinaus ist es das Ziel von „Change Your Shoes“, die Schuhproduktion transparenter zu machen, denn wer Schuhe kauft, hat das Recht zu wissen, unter welchen Bedingungen diese Schuhe produziert wurden und welche Chemikalien zum Einsatz kamen. Um mehr Transparenz zu erreichen, startete „Change Your Shoes“ einen virtuellen Marsch nach Brüssel. „Mit unserer App „Change Your Shoes“ kann man spazierengehend oder im Laufschritt seine Schritte zählen. Die gesammelten Schritte tragen zu einem virtuellen Marsch nach Brüssel bei, der die Forderung nach mehr Transparenz und klaren Regulierungen gegenüber der EU unterstützen soll“, erklärt Pieper die Idee der App.

Hintergrundinformationen:

Studie „A tough story of leather”

Klicke, um auf 2015-32_FAIR_-_Change_your_shoes_ENG.pdf zuzugreifen


App „Change your Shoes”
http://changeyourshoes.cantat.com
Video „Change Your Shoes”

Website „Change your Shoes”
http://www.suedwind-institut.de/changeyourshoes/

Kontakt:

Anton Pieper, SÜDWIND Institut
E-Mail: pieper@suedwind-institut.de, Tel.: +49 (0) 1575-0478929

Lena Bullerdieck, INKOTA netzwerk
E-Mail: bullerdieck@inkota.de, Tel.: 030-420 8202-53


„Change Your Shoes“ ist eine Initiative von 18 Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen, die sich für eine nachhaltige und ethische Schuhlieferkette einsetzen. Indem die Kampagne die KonsumentInnen für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert, Lobbyarbeit bei PolitikerInnen und Labelorganisationen leistet und Unternehmen drängt ihre Sorgfaltspflichten wahrzunehmen, zielt die Kampagne darauf ab, die sozialen und ökologischen Bedingungen in der Schuh- und Lederindustrie zu verbessern. Die Kampagne steht im Zeichen des Europäischen Jahr für Entwicklung und dessen Motto „Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft“.

„Change Your Shoes“ wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt. Für den Inhalt dieses Artikels ist allein SÜDWIND verantwortlich. Der Inhalt kann in keiner Weise als Standpunkt der Europäischen Union angesehen werden.
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Das SÜDWIND Institut arbeitet seit fast 25 Jahren zu einem breiten Spektrum von Nord-Süd-Themen, immer mit dem Ziel, ungerechte Strukturen aufzudecken, diese öffentlich zu machen, Handlungsalternativen zu bieten und so zu Veränderungen beizutragen. Dabei ist SÜDWIND stets unabhängig geblieben – sowohl inhaltlich als auch finanziell.

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